Vision für EXPO 2035 in Tegel: Entwürfe für eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. (Quelle: expo2035-berlin.com)

Stand: 12.05.2026 • 16:02 Uhr

Soll es in Berlin 2035 eine Expo geben? Eine klare Mehrheit der Menschen in der Hauptstadt spricht sich für eine Bewerbung aus.

Olympia statt Expo: Mit dieser klaren Festlegung wollte der schwarz-rote Senat bislang Berlins Ernsthaftigkeit in Sachen Olympische Spiele beweisen – vor allem gegenüber dem Deutschen Olympischen Sportbund. Denn beides zu wollen, so Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, könnte am Ende bedeuten, dass man gar nichts bekomme.

Doch die Mehrheitsmeinung in der Stadt spiegelt das offenbar nicht wider: Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Auftrag gegeben hat, befürworten fast zwei Drittel der Berlinerinnen und Berliner eine Bewerbung um die Expo im Jahr 2035. 43 Prozent der Befragten gab an, die Bewerbung eher zu befürworten, 22 Prozent sind sogar ganz ausdrücklich dafür.

Damit liegt die Zustimmung zur Expo sogar etwas höher als die Zustimmung zur Olympia-Bewerbung, die der DOSB im März abgefragt hatte. Und vielleicht noch wichtiger: Die Ablehnung der Olympischen Spiele ist offenbar deutlich stärker ausgeprägt als die Ablehnung der Expo.

Befragung von 1.000 Berlinerinnen und Berlinern

Auf die Frage, welche Ziele eine Expo in Berlin erreichen müsse, nannten 41 Prozent „Verbesserungen bei Infrastruktur und Stadtentwicklung“, 32 Prozent „mehr Arbeitsplätze und Ausbildungsangebote“. Genauso viele waren es bei dem Aspekt „Förderung von Innovation und Zukunftsthemen“ wie Nachhaltigkeit und Mobilität.

Für die Erhebung der Daten hat das Institut INSA Consulere aus Erfurt vom 4. bis 8. Mai 1.000 Berlinerinnen und Berliner ab 16 Jahren befragt. Die Stichprobe spiegelt den Angaben zufolge die demografische Struktur Berlins wider und gewährleistet eine repräsentative Abbildung der öffentlichen Meinung.

Die Grünen, die sich bislang gegen Olympische Spiele aber für die Weltausstellung ausgesprochen haben, erklärten umgehend: „Berlin ist bereit für die Expo 2035“. Die große Unterstützung für eine Bewerbung müsse für Wegner das Signal sein, sich ebenfalls dazu zu bekennen, so Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch. „Durch sein Zaudern ist schon zu viel wertvolle Zeit verschwendet worden.“

Wegner selbst hatte zuletzt immer wieder erklärt, er befürworte eine Weltausstellung in Zusammenarbeit mit Brandenburg in Schönefeld. Die Gespräche dazu würden laufen. Die neue Brandenburger Landesregierung aber hatte zuletzt keinerlei Expo-Ambitionen erkennen lassen. Im Gegenteil: Das Thema schaffte es nicht einmal in den Koalitionsvertrag von SPD und CDU. Den von der Expo-Kampagne bevorzugten Standort auf dem Ex-Flughafen Tegel hatten Wegner und die landeseigene Tegel Projekt GmbH für ungeeignet erklärt.

Umfrage setzt Wegner unter Druck

Die INSA-Umfrage könnte nun allerdings den Druck auf Wegner erhöhen: Denn die zeigt, dass die Expo-Begeisterung ausgerechnet unter CDU-Anhängern am größten ist, mit 80 Prozent. Neben den Grünen hat auch die SPD die Expo für sich entdeckt und jüngst auf ihrem Parteitag ein klares Bekenntnis zur Bewerbung abgegeben und den Senat aufgefordert, sie zeitnah auf den Weg zu bringen.

Allerdings kommt das deutlichste Nein zur Expo-Bewerbung gerade von Iris Spranger, Senatorin für Sport… und SPD-Mitglied. Sie war es, die mit dem Satz „Ja zu Olympia, Nein zur Expo“ bereits Ende 2025 einen Schlussstrich unter die Debatte ziehen wollte. In ihrer eigenen Partei steht sie damit allerdings laut INSA-Umfrage ziemlich isoliert da: Demnach wollen 76 Prozent der SPD-Wähler die Weltausstellung in Berlin haben.

Selbst die Linke muss ihr klares Nein zur Expo vielleicht noch einmal überdenken: 60 Prozent ihrer Wähler sind laut INSA ebenfalls für eine Bewerbung.

Weil bislang noch keine andere Stadt offiziell die Hand gehoben hat für eine Weltausstellung 2035, bleibt dem Senat Bedenkzeit: Sobald die erste Bewerbung eingeht, bleiben allen anderen Interessenten sechs Monate Zeit, nachzuziehen.

Aus dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Interesse seiner Wahlheimat Florida ist jedenfalls bislang nichts geworden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 12.05.2026, 12:00 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 12.05.2026, Jasmin Becker

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