Wenn weniger junge Erwachsene im typischen Umzugsalter vor Ort sind, zögen auch weniger weg. Der Grund sei demnach keine bevorzugte Wohnumgebung, sondern eine veränderte Altersstruktur. „Die Debatte über eine neue Sehnsucht nach dem Land greift zu kurz“, so Thomas Pütz, Stadtforscher am BBSR. „Die positiven Wanderungssalden ländlicher Gemeinden lassen sich vor allem durch demografische Entwicklungen sowie Veränderungen auf den Wohnungs- und Arbeitsmärkten erklären – nicht durch einen grundlegenden Wandel der Wohnpräferenzen.“ Vor allem sei die Zahl junger, besonders mobiler Menschen in ländlichen Regionen zurückgegangen, weshalb dort eben weniger Wegzüge entstünden.

Neben der Auswertung von Wanderungsdaten zeigt eine Befragung von tausend tatsächlich auf dem Land umgezogenen Personen, dass etwa mit dem Wegzug aus der Stadt nicht automatisch ein nachhaltiger Lebensstil einhergeht. So vergrößerte sich oft die Wohnfläche und die Nutzung des PKWs nahm zu. „Wer in ländliche Räume zieht, sucht häufig nicht die perfekte Infrastruktur, sondern eine Lebensqualität mit Ruhe und bezahlbarem Wohnraum“, so Brigitte Adam, Stadtforscherin am BBSR, in einer Mitteilung. „Besonders Familien nutzten den Umzug, um den Wunsch nach einem Eigenheim zu verwirklichen.“ Ziel für junge Familien sei insbesondere, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Klassische Standortfaktoren wie ÖPNV-Anbindung und kulturelle Angebote seien für die Wohnortwahl hingegen weniger entscheidend gewesen.