
AUDIO: Albrecht Weinberg stirbt mit 101 Jahren in Leer (3 Min)
Stand: 12.05.2026 18:07 Uhr
Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist tot. Der Ehrenbürger der Stadt Leer starb im Alter von 101 Jahren. Weinberg hatte bis zuletzt in Schulen als Zeitzeuge über die Nazi-Herrschaft aufgeklärt.
Seinen Tod bestätige seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas dem NDR Niedersachsen. Ihren Worten zufolge starb Albrecht Weinberg am Dienstagmorgen in seinem eigenen Bett in Leer. Dänekas hatte sich seit Jahren um ihn gekümmert. Weinberg, der mehrere Konzentrationslager überlebte, berichtete bis zuletzt in Schulen über sein Leben als Jude unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. Nach der Befreiung war er im Jahr 1947 in die USA emigriert und erst 2012 nach Ostfriesland zurückgekehrt.

Mit der Häftlingsnummer 116927 kam der 18-jährige Albrecht Weinberg ins Vernichtungslager Auschwitz. 70 Jahre nach der Befreiung gehört er zu den wenigen noch lebenden Zeitzeugen.
Leer trauert um Holocaust-Überlebenden
Weinbergs Tod sei für die Stadt Leer ein großer Verlust, teilte Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) mit. Es sei eine Ehre gewesen, dass er sich bereit erklärt habe, Ehrenbürger von Leer zu werden, „nachdem er als Kind mit seiner Familie auf Weisung der Nazis unter anderem durch die Stadt zur Viehhalle getrieben worden war.“ Er habe mit einer unvorstellbaren Energie von seinen schrecklichen Erlebnissen während des Nationalsozialismus berichtet und vor dem Vergessen gewarnt, so Bürgermeister Horst.
Weinberg wächst in Ostfriesland auf
Albrecht Weinberg wird am 07. März 1925 als jüngstes von drei Geschwistern geboren und wächst in Rhauderfehn (Landkreis Leer) auf. Nach den Novemberpogromen der Nazis 1938 überlegt die Familie auszuwandern, doch das ist da schon nicht mehr möglich. Seine Familie ermorden die Nationalsozialisten später fast vollständig. Weinberg selbst wird 1943 nach Auschwitz deportiert, später ins KZ Mittelbau-Dora. Mehrere Todesmärsche übersteht er, den nach Bergen-Belsen sehr knapp. 1947 wandert Weinberg schließlich in die USA aus und kehrt erst mehr als 60 Jahre später zusammen mit seiner Schwester in seine ostfriesische Heimat zurück.
Weinberg: „Macht nicht dieselben Fehler“
Seitdem berichtete er vor Schulklassen unermüdlich von den Schrecken des Nationalsozialismus und warnte – auch vor der AfD. „Ihr müsst aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert. Macht den Mund auf!“, so zitiert ihn Leers Bürgermeister Horst. Bundesweite Beachtung bekam Albrecht Weinberg zuletzt im vergangenen Jahr, als er mit fast 100 Jahren sein Bundesverdienstkreuz zurückgab. Damit protestierte er gegen die Bundestagsabstimmung zur Migrationspolitik, bei der die Union Stimmen der AfD in Kauf genommen hatte.

Albrecht Weinberg berichtet an Schulen von seinen Erlebnissen als Jude während der NS-Zeit. Am 7. März wurde der gebürtige Ostfriese 101 Jahre alt.

Anlässlich des Jubiläums gab es Glückwünsche vom Bundespräsidenten und ein großes Fest in Weinbergs Heimat Ostfriesland.

Zum Kriegsende schicken die Nazis die KZ-Häftlinge auf sogenannte Todesmärsche. Albrecht Weinberg überlebt den Marsch nach Bergen-Belsen.

Der 99-Jährige aus Leer reagierte damit auf Abstimmungen zur Migrationspolitik. Bundespräsident Steinmeier bedauerte den Schritt.

Der 99-Jährige will sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben. Grund ist ein mithilfe der AfD verabschiedeter Antrag im Bundestag.