Die August-Kirchner-Straße in Ahlen ist ein recht beschaulicher Ort. Inmitten von Bäumen, Ein- und Mehrfamilienhäusern steht ein kleines Fußballstadion. Das Wersestadion. Auf den ersten Blick ist es unvorstellbar, dass hier mal Profifußball stattgefunden hat. Doch der hiesige Klub Rot Weiss Ahlen spielte von 1996 bis 2011 in der 2. Bundesliga und der 3. Liga. Im August 2010, zum Beispiel, hatte Mesut Özil seinen letzten Auftritt als Spieler von Werder Bremen. In der ersten Runde des DFB-Pokals. Und beim Außenseiter aus dem Münsterland standen drei Spieler auf dem Platz, die nun verantwortlich für die Kaderplanung bei Deutschlands Nummer zwei sind. Bei Borussia Dortmund.
Allen voran Ole Book. Er war einer der Leader des Teams, spielte im zentralen Mittelfeld und trug die Nummer zehn. Seit 1999 kickte der gebürtige Beckumer im ambitionierten Klub im Nachbarort. Erst für den Mäzenklub, dann nach Ausstieg von LR für den umbenannten Verein Rot Weiss. Bis 2011 blieb er dort, nur mit einem Jahr Ausnahme: 2006 wechselte er für ein Jahr zum MSV Duisburg, mit der Ablösesumme von 250.000 Euro als damaliger Rekordverkauf. Dort konnte er sich nicht durchsetzen, wurde aussortiert und kehrte nach Ahlen zurück. Nach 97 Einsätzen in der 2. Bundesliga und 163 Spielen in der 3. Liga begann aber erst seine erfolgreiche Karriere im Profifußball.
Book wechselte 2017 nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn bei Wehen Wiesbaden in die Scouting-Abteilung der SV Elversberg und stieg über Jahre zum Sportvorstand auf. In der Zeit führte er den Klub aus der Regionalliga bis in die Aufstiegsrelegation im vergangenen und zu einem Aufstiegsplatz im laufenden Jahr. Seit März arbeitet er als Sportdirektor beim BVB. Und holt nun offenbar zwei seiner ehemaligen Spieler aus eben jener Drittliga-Saison in sein Team.
Hille wird Leihmanager beim BVB
So wird Sebastian Hille nun offenbar Leihmanager beim BVB. Der gebürtige Soester soll sich um die verliehenen Spieler kümmern. Er hatte bis 2023 in verschiedenen Rollen bei Arminia Bielefeld gearbeitet. Im Marketing, in der Geschäftsführung, als Teammanager und als Co-Trainer. Im Ahlener Pokalspiel gegen Bremen stand der damalige Offensivspieler ebenfalls auf dem Platz. Mit seinem Tempo setzte er die Bremer Abwehr um Per Mertesacker und Clemens Fritz einige Male gehörig unter Druck.
Ein weiterer Mitspieler soll noch folgen: David Blacha. Als A-Jugendspieler des BVB nach Ahlen gekommen, saß er damals im Pokal gegen Bremen 90 Minuten auf der Bank. Er und Book wurden in Ahlen gute Freunde, arbeiteten nun jahrelang in Elversberg zusammen. Zuletzt als Chefscout und nun als Übergangsnachfolger für Book. Doch auch er soll zum BVB folgen und das Ahlener Trio in Chefdiensten beim BVB vervollständigen. Und es sind nicht die ersten.
Zwei weitere Identifikationsfiguren von Rot Weiss Ahlen
In den Jahren der Klopp-Ära und auch noch danach gab es zwei Ex-Ahlener, die in dieser Zeit maßgebliche Identifikationsfiguren waren: Kevin Großkreutz und Marco Reus. Von denen erzählte der langjährige Ahlener Kultbetreuer Willi Pott, dass sie einst mit der Sporttasche nach Ahlen kamen und nach einem Probetraining gefragt haben. Mit ihnen schaffte der einstige Parfüm-Klub nach dem Ausstieg des Mäzens Helmut Spikker den Aufstieg in die 2. Bundesliga. 2009 wechselte Großkreutz, der noch als Zweitligaspieler alle zwei Wochen in der Dortmunder Südkurve gestanden hatte, direkt zum BVB. Reus kehrte über Borussia Mönchengladbach zu dem Klub zurück, der das Duo in der Jugend noch aussortiert hatte.
Ob noch weitere Ex-Ahlener hinzukommen? Eher fraglich. Der Verein befindet sich auf einem sportlichen Tiefpunkt. Nach Jahren der Pendelei zwischen Regionalliga und Oberliga steckt Rot Weiss Ahlen mitten im Abstiegskampf der fünften Liga. Das erste Mal Sechstklassigkeit seit über 30 Jahren droht.
Das DFB-Pokalspiel vor 16 Jahren ging derweil mit 0:4 verloren. Die Bremer Torschützen: Claudio Pizarro, Hugo Almeida, Tim Borowski und Marko Marin. Seither das wohl letzte große Profifußball-Spiel im Wersestadion an der beschaulichen August-Kirchner-Straße in Ahlen.