Seit zehn Jahren hat Wiesbaden aufgrund des bundesweiten Förderprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ die Möglichkeit, seine Plätze und Grünanlagen im Rheingauviertel und Westend umfassend zu erneuern und sich so besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Anlässlich des bundesweiten Tags der Städtebauförderung veranstaltete die Stadt nun einen Spaziergang durch die beiden Stadtteile, um zu zeigen, wo und wie das Geld – in Summe etwa zwölf Millionen Euro – investiert wird.

Wallufer Platz

Los ging es am Wallufer Platz. Bereits im Herbst sollen dort die Bagger rollen, wie David Weidmann vom Grünflächenamt erklärte. Dabei sollen der Quartiersplatz in der Mitte sowie der Spielbereich für ältere Kinder neben dem Bolzplatz komplett erneuert werden. 1,6 Millionen Euro seien hier bewilligt worden. Aus mehreren Beteiligungsformaten sei die Variante „rund & bunt“ als Siegerin hervorgegangen. Diese beinhalte neue Riesenschaukeln, einen „Stäbewald“ und ein großes neues Kletterelement mit Rutsche. Die Drehscheibe soll erhalten bleiben. Wiesbadener dürfen sich zudem auf eine neue Tischtennisplatte sowie auf eine große Calisthenics-Anlage für Krafttraining freuen.

Der Quartiersplatz erhält ein großes Holzpodest als Bühne und eine „lange Tafel“ als Sitzgelegenheit für große Gruppen. Highlight könnten die neuen Wasservernebelungsstelen für mehr Kühlung werden. Acht zusätzliche Bäume sollen für größere Schattenflächen sorgen. Alle Bestandsbäume sowie die Freifläche in der Mitte des Platze bleiben derweil erhalten, betont Weidmann. „Der Platz funktioniert ja grundsätzlich schon gut“. Der bisherige Charakter solle daher weitestgehend erhalten bleiben und nur die bauliche Infrastruktur erneuert werden. Damit der Platz auch während der Bauphase genutzt werden könne, bleiben der Bolzplatz sowie der Kleinkinderbereich vorerst unangetastet. Im Frühjahr 2027 soll der neue Platz eröffnet werden.

Elsässer Park

Nächste Station des zweistündigen Spaziergangs war die aktuelle Baustelle auf dem Elsässer Platz. Die Fläche wurde seit den 1920ern stets als Parkplatz genutzt. Nun wird sie in einen Park umgewandelt. Ziel ist die Naherholung für das dicht besiedelte Westend, aber auch die bessere Versorgung mit kühler Frischluft sowie der Schutz vor Starkregen. Der Umbau begann bereits im vergangenen Frühjahr, kurz nachdem ein neues Parkhaus in der Klarenthaler Straße alternative Stellplätze gewährleisten konnte.

Warum die Baufortschritte noch eher klein aussehen, erklärte Baustellenleiter Christian Perringhaus: „Wir haben hier extrem schwierige Bodenverhältnisse. Das ist alles nasser, schwerer Lehm. Außerdem haben wir alte Luftschutzgänge gefunden, da war unter anderem noch Brandmunition drin. Da darf man erst weiterbauen, wenn alles geräumt wurde.“ Nach dem Krieg seien die Tunnel einfach zugeschüttet worden und mussten nun mühsam ausgehoben werden.

Trotzdem rechne er fest mit der geplanten Fertigstellung im Herbst. Entlang der Klarenthaler Straße wurden mittlerweile sieben große Platanen gepflanzt. Auch die Gehwege rund um den Platz seien bereits ganz neu gebaut worden. Das Klettergerüst an der Nordseite soll bereits im Juni stehen. Das entsprechende Sandbecken ist bereist fertig. Des Weiteren sind ein neuer Wasserspielplatz, ein WC sowie neue Beleuchtungsanlagen vorgesehen. Besonders hebt Perringhaus die unterirdische Regenwasser-Zisterne hervor, die künftig bis zu 200.000 Liter Wasser fassen soll, um die Innenstadt vor Starkregen-Ereignissen schützen zu können. Insgesamt soll das Projekt 7,6 Millionen Euro kosten.

Blücherplatz erhält neue Spielgeräte

Auf dem Blücherplatz gab es hingegen im Frühjahr einen Rückschritt: Hier mussten alle Spielgeräte wegen Kernfäule im Holz abgebaut werden. „Im Juni gibt es neue“, verspricht Weidmann vom Grünflächenamt. Auf jeden Fall solle es wieder ein Klettergerüst sowie Mehrfachschaukeln geben, nur etwas anders arrangiert. Die Beteiligungsformate für die Umgestaltung des gesamten Platzes sollen im Herbst beginnen. Mit einer Umsetzung dürfe man aber eher erst 2028 rechnen. Dennoch habe man bereits eine Million Euro Förderung beantragt.

Was aus dem Bülowplatz wird

David Weidmann und seine Kollegin Eva Bender (SEG) führten die Gruppe weiter zum Bülowplatz an der Seerobenstraße. Seit Februar holen hier Bagger den Kesselbach auf etwa 50 Meter wieder ans Tageslicht. Entlang des Bürgersteigs wird man hier künftig an mehreren Sitzmöglichkeiten seine Füße ins Wasser halten können. Die Kernfläche des kleinen Platzes soll maximal vielfältig begrünt werden. Für Außengastronomie am Rande des Platzes bleibe aber genügend Platz, versprechen die beiden.

Sedanplatz ist bereits fertiggestellt

Letzte Station war der Sedanplatz. Dessen neues Erscheinungsbild ist bereits seit einem Jahr fertig. Bis vor wenigen Jahren war der Platz nur eine wenig besuchte Wiese mit Zierpflanzen in der Mitte. Durch die private Initiative „Kiezgarten“ der anliegenden Gastronomie fand der Platz ab 2021 ein neues Leben. In gemeinsamer Absprache wurde der Platz schließlich so umgebaut, dass Außengastronomie weiterhin möglich ist, aber auch neue konsumfreie Orte entstanden sind. Ein Abwasseranschluss sowie eine Stromversorgung wurden installiert. Aus Rücksicht auf den Kiezgarten wurde der ursprüngliche Plan, auch hier den Kiezgarten auf ganzer Länge offenzulegen, auf den Bau eines natürlichen Brunnens in der Platzmitte reduziert. Dieser funktioniert allein dank des hydraulischen Drucks des dem natürlichen Gefälle folgenden Wassers. Man beobachte, ob der Platz weitere Investitionen benötige, etwa durch zusätzliche Querungsmöglichkeiten über den 1. Ring.

Nach zehn Jahren läuft das Förderprogramm für die Wiesbadener Innenstadt nun in diesem Jahr aus. Allerdings seien bereits genügenden Gelder an Projekte gebunden, sodass noch einige Jahre weiter gebaut werden könne. Insgesamt werden etwa zwölf Millionen Euro, verteilt über etwa 17 Jahre, im Rheingauviertel und Westend verbaut worden sein, rechnet David Weidmann vor. Stillstand sei in Wiesbaden sowieso nicht zu befürchten: Der Stadtteil Kastel wurde gerade erst in der Förderprogramm für die nächsten zehn Jahre aufgenommen.