Dresscode „Kinky“ – was steckt eigentlich hinter dem Partytrend, bei dem es um Fantasien, Fashion und eine „sexpositive“ Einstellung geht? Übersetzt heißt „kinky“ ja soviel wie „abgedreht“ oder „provokant“ und kann sich sowohl auf Mode als auch die Sexualität beziehen. Fakt ist: Im Nightlife boomen die „Kinky“-Veranstaltungen – und das nicht nur bei Communities in Hauptstadtmetropolen, sondern auch in Augsburg. Vergangenen Samstag zog die „Kinky Pleasures“ -Party in der Rockfabrik ein „open minded“-Publikum mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern auch von weit außerhalb der Fuggerstadt an. Mit den Veranstaltern Thomas S. und Jürgen „DJ NT“ Endres, auch Gründer der queeren Partyreihe Lovepop, sprachen wir über die neue Lust am Ausgehen in extravaganten Outfits…
AJ REPEOTER: Eure Partyreihe Kinky Pleasures hat inzwischen Kultstatus. Letzten Samstag konntet Ihr Euch über regen Besuch freuen, am 19.9. startet der nächste Event in der Rockfabrik. Dann gib’s ja auch noch „Kinky Galore“ im Kesselhaus oder „Kinky Affaire“ im 100hz Club und auch Sündenherz. An sich ist das Thema ja nicht völlig unbekannt, schon früher in den 90ern gab es zahlreiche Fetisch-Partys. Was ist eigentlich neu daran und welches Publikum zieht „Kinky“ an?
In der aktuellen Techno- bzw. Großstadtpartyszene ist ja seit Jahren ein Trend zu Freizügigkeit und sexueller Offenheit zu spüren und somit kommt frischer Wind und auch wieder jüngere Gäste. Musikalisch ist das jetzt eher im elektronischen Bereich zu Hause. Unsere Parties ziehen immer noch Leute von 18 bis 70 an und sind bunt gemischt aus allen Bereichen. Vom 20-jährigen Techno Girlie über den Mitdreißiger mit Metalwurzeln bis Pärchen im Rentenalter. Während andere Mottopartys oft explizit bestimmte Altersgruppen ansprechen, kann man getrost behaupten, dass Kinky/Fetischpartys die Leute vereinen. Es gibt keine Vorurteile, sondern ein großes Miteinander auf diesen Events.
REPORTER: Es genügt ja sicher auch nicht mehr, ein paar GoGo-Tänzerinnen auf Boxen zu stellen. Wie aufwendig sind die Acts heute und welche Rolle spielt auch das Musikrepertoire, das die Szene anzieht?
Es wird schon mehr Wert auf abwechslungsreiche Show- und Music-Acts gelegt wie früher. Mindestens zwei unserer Guest DJs sind national oder international. Unsere Show Acts haben wir z.B. schon aus London, Barcelona oder Paris einfliegen lassen. In der Rockfabrik haben wir durch die zwei Bereiche ausreichend Platz, neben Techno auch einen Floor mit Pop meets Wave & Metal zu bieten.
Wie „kinky“ ist Augsburg im deutschlandweiten Vergleich?
REPORTER: Als Kenner der Szene: Wie „kinky“ ist Augsburg im deutschlandweiten Vergleich? Man würde ja Berlin oder Köln als Hochburgen exaltierten Partyvergnügens einschätzen. Wie sieht Euer persönliches Ranking aus?
Augsburg ist mit seinen fünf bis sechs Kinky & Fetischpartyreihen schon gut mit dabei und hatte mit den Fetisch-Parties seit 1993 sogar schon eine Vorreiterrolle. Augsburg muss sich also nicht verstecken – wir haben Gäste aus ganz Deutschland – die kommen nicht nur in diese Metropolen! Uns ist es gelungen, auch das verwöhnte Münchner Publikum anzuziehen und das schon seit vielen Jahren.
REPORTER: Wie streng ist denn der Dresscode in Augsburg eigentlich und welche Outfits sind beim weiblichen und männlichen Publikum am beliebtesten? Gibt’s da eine große Bandbreite von Designer-Latex-Fashion bis runter zu – sagen wir mal „freizügigen Klamotten aus dem Erotik-Shop“?
Wir haben eine strenge Outfit-Kontrolle am Einlass – mit dem Büroanzug oder Streetwear kommt hier keiner rein. Da wurden schon öfters Leute weggeschickt oder nochmal an der Garderobe nachgebessert. Extravagant, sündig und abgefahren soll es sein – wenn man damit auf der Straße alle Blicke auf sich ziehen würde, ist es genau richtig. Hier sieht man vom teuren Designer Latex Catsuit bis zum günstigen Harness von Amazon so ziemlich Alles. Letztere sind bei Männern gerne getragen, bei den Damen oft Korsett, Lackbodies und HighHeels.
Kinky kennt keine Altersgrenze
REPORTER: Kann man die Kinky-Partys als generationenübergreifende Veranstaltung bezeichnen? Begeistern Techno und Fetisch zwischen 20 und 60?
Kinky kennt keine Altersgrenze. Es kommt halt auch immer auf die Ausrichtung des Veranstalters an – bei uns ist es breit gemischt in allen Richtungen, andere legen Wert auf Publikum bis 30 und haben eher bunten Hippie Vibe… Bei uns kommen durch die vier Veranstalter Zip-Zone, Lovepop, Düsterdisko & Rockfabrik Leute aus der Fetischszene, aus dem queeren Bereich oder aus der Gothic und Metalrichtung zusammen und schaffen hier eine offene und besondere Atmosphäre
REPORTER: Dem Thema Sicherheit kommt vermutlich besondere Bedeutung zu, schließlich sollen sich ja auch in einer lustvoll aufgeheizten Atmosphäre alle Gäste – insbesondere die weiblichen – „safe“ fühlen. Wie verhindert Ihr übergriffiges Verhalten?
Wir haben hier auf den Kinky Pleasures Events ein mehrköpfiges Awareness-Team, das zusammen mit dem geschulten Security Personal für das sichere Gefühl sorgt und den Konsens schützt.
Kinky Chic – sexy Party-Trend „made in Augsburg“ auch auf hoher See.
REPORTER: Thomas, als Augsburger Veranstalter bist Du ja auch für die legendäre „Torture Ship“-Eventreihe im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. In Lack und Leder rund um den Bodensee – was macht den besonderen Reiz dieses Vergnügungsdampfers aus?
Es ist einfach die besondere Atmosphäre, die so ein Dampfer mit 3 Etagen ausmacht. 2 Musikbereiche mit tollen Djs. Restaurant und Sonnendeck, dazu die vielen Freibereiche. Bei lauwarmer Nacht stundenlang über den Bodensee fahren. Die Gäste in bizarren und manchmal schrillen Outfits, viel Latex, Masken und auch Cosplay. Die meisten geben sich große Mühe bei der Auswahl der Outfits und genau deshalb stehen oft ein paar tausend Zuschauer am Pier, um sich das Boarding anzuschauen.
früher Fetisch, heute Kinky
REPORTER: Gab es eigentlich schon Anfeindungen aus nicht so toleranten Kreisen? Oder freuen sich die Anwohner eher über das pulsierende Leben rund um die viel besuchten Anlegestellen des Partyschiffs?
Von Seiten der Kirche gab es vor langer Zeit schon Proteste, aber die breite Öffentlichkeit inklusive der Medien zeichnen ein durchwegs positives Bild. Und wenn ein Outfit besonders gut gelungen ist, dann gibt es beim Boarding aus der Menge auch mal begeisterten Beifall. In dem Restaurant im Bereich der Anlegestelle sind die Plätze oft Wochen vorher schon reserviert.
REPORTER: Deine Einschätzung: Ist der Trend „frivoles“ oder „erotisches“ Partyvergnügen durch das Label „kinky“ inzwischen im Mainstream angekommen? Und wie wichtig ist er, um dem ja etwas darniederliegenden Nachtleben in Augsburg frische Impulse zu verleihen?
Ob es früher Fetisch war oder heute Kinky – das Thema ist angesagt und dem Underground entronnen. Verschwinden wird das nicht mehr. Aufpeppen tut es das Augsburger Nachtleben auf alle Fälle. bulu / Fotos: zip-zone
Besucher aus ganz Europa zieht es an den Bodensee, wenn in Friedrichshafen und Konstanz die Clubbing-Kreuzfahrtgäste an Bord gehen.
Lesen Sie auch: Kunstvolle „Neon-Party“ von Monika Mendat


