Bardella findet Lob für Merz
„Extreme Rhetorik“: Le Pens Vertrauter rechnet mit AfD ab
12.05.2026 – 19:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Le Pens politischer Ziehsohn, RN-Chef Jordan Bardella: Erwartet wird, dass er in Frankreich als Präsidentschaftskandidat antritt. (Quelle: Thomas Padilla/AP/dpa/dpa-bilder)
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Er ist enger Vertrauter Marine Le Pens und gilt als Kandidat für die Nachfolge Macrons: Jordan Bardella. Nun lobt der Rechtsaußen aus Frankreich Merz.
Die „Financial Times“ ist sich sicher: „Jordan Bardella steht bereit, wenn Marine Le Pen nicht antritt“, notierte die Wirtschaftszeitung diese Woche. Im kommenden Jahr wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt. Die Rechtsaußenpartei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen liegt hat gute Chancen. Doch muss sich die Frontfrau einem Gerichtsprozess wegen der Verwendung von EU-Mitteln für ihre Partei stellen.
So kommt Jordan Bardella, 30, ins Spiel. Aufgewachsen in einem Pariser Vorort als Kind algerisch-italienischer Eltern ist er schon jetzt Vorsitzender des RN und führt auch die Rechtsaußenfraktion im Europäischen Parlament. Auf der Rechten ist Bardella der Mann der Stunde.
Den Paris-Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) gab Bardella jetzt ein exklusives Interview. Darin steckte Bardella schon mal Grundzüge seiner möglichen Europa-Politik ab. So lobte er den deutschen Regierungschef Friedrich Merz. „Ganz konkret sehe ich Übereinstimmungen mit Bundeskanzler Merz in der Frage des Bürokratierückbaus und in der Notwendigkeit, ein wettbewerbsfähiges Europa aufzubauen“, sagte Bardella im „FAZ-Interview“. Und ergänzte: „Auch in der Migrationspolitik stimme ich mit dem Bundeskanzler überein. Deutschland hat wieder Grenzkontrollen eingeführt, die einen abschreckenden Effekt haben.“
Kritisch zeigte sich Bardella gegenüber der EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Sie forderte er zum Rücktritt auf. „Sie trägt eine sehr große Verantwortung für die wirtschaftliche Schwächung Europas; ob bei der grünen Ideologie des ,Degrowth‘, beim Verbrenner-Aus oder der Abkehr von der Atomkraft“, erklärte Bardella der „FAZ“.
Kampfjetprojekt FCAS steht vor dem Aus
Gemäßigter äußerte sich der Politiker zu den deutsch-französischen Beziehungen und der Rüstungskooperation. Zum umstrittenen neuen deutsch-französischen Kampfflugzeug FCAS „stelle ich ein Scheitern fest“, so Bardella. Dennoch hielt er an weiteren deutsch-französischen Rüstungsvorhaben fest. „Uneinigkeit zwischen Frankreich und Deutschland in der Frage des Kampfflugzeugs bedeutet nicht, dass man bei Antidrohnensystemen, Satellitensystemen oder Kampfpanzern nicht zusammenarbeitet“, so Bardella.
Das klang noch diplomatisch. Unnachgiebiger zeigte sich der französische Rechtsaußen-Politiker gegenüber der deutschen AfD. „Die AfD hat einen starken europafeindlichen Flügel, der einen EU-Austritt fordert. Das ist nicht unsere Position. Wir wollen alles verändern, ohne etwas zu zerstören, das heißt gemeinsam mit unseren Verbündeten die Funktionsweise der EU verändern“, sagte Bardella der „FAZ“.
Der französische Politiker teilte weiter gegen die deutsche „Alternative“ aus. „Viele Positionen der AfD sind mit unseren Grundsätzen unvereinbar. Wir hatten politische Meinungsverschiedenheiten, die wir klar zum Ausdruck gebracht haben. Die AfD sitzt nicht mit uns in einer Fraktion und ist auf europäischer Ebene kein Bündnispartner“, sagte Bardella weiter. Was den französischen Rechtsaußen konkret stört? „Die extreme Rhetorik in historischen Fragen“, so Bardella.
