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Eine Stadt in Nordrhein-Westfalen diskutiert eine neue Tierhaltungs-Steuer. Für die Halter würde das hohe Kosten bedeuten – ein Betrieb sieht seine Zukunft bedroht.
Mülheim an der Ruhr – Pferde-Idyll im Hexbachtal: Hier lernen Kinder reiten, werden Kutschfahrten angeboten, erblicken Fohlen das Licht der Welt. Noch. Denn der Reitstall Lugge in Mülheim an der Ruhr blickt einer düsteren Zukunft entgegen. Die Stadt im Ruhrgebiet diskutiert eine Pferdesteuer – und die hätte es für den Betrieb in sich.
Pferde auf einer Koppel: Die Stadt Mülheim erwägt, eine Pferdesteuer einzuführen. © picture alliance/dpa | Roland Weihrauch
Mülheim ist knapp bei Kasse. Sehr knapp, wie die E-Mail einer Sprecherin zeigt. „Das Mülheimer Defizit von mehr als 70 Millionen Euro macht es notwendig, auch über solche Einnahmesteigerungen nachzudenken“, steht darin. Die Pferdesteuer werde als eine von „verschiedenen Möglichkeiten“ von den „im Stadtrat vertretenen Fraktionen“ untersucht, schreibt die Sprecherin auf Nachfrage von wa.de.
Kommt eine Pferdesteuer im Ruhrgebiet? Stadt Mülheim kämpft gegen Finanzprobleme
Eine Pferdesteuer gibt es in einigen Gemeinden in Hessen, daher sei sie auch „Teil der politischen Diskussion“ in Mülheim. Eine Katzen– oder Rindersteuer beispielsweise seien aber nicht in diese Diskussion integriert. Mit der Hundesteuer, die in diesem Jahr in vielen Städten und Kommunen in NRW gestiegen ist, nimmt Mülheim der Sprecherin zufolge bereits 1,63 Millionen Euro in 2026 ein.
Politische Beschlüsse oder gar ein „vorbereitender Prüfauftrag für die Verwaltung“ lägen aber noch nicht vor, betonte sie auf Anfrage von wa.de. Darum gebe es auch noch keine Antwort auf die Frage nach der praktischen Umsetzung. Würden alle Pferde in Mülheim gezählt? Oder setzte Politik auf Vertrauen? Wie hoch wäre die Steuer? All das ist noch unbekannt. Eine Schätzung, wie viele Pferde in Mülheim leben, gibt es laut Stadt noch nicht.
Reitstall Lugge: „Das wäre ein wirklicher Genickbruch“
Reitstall-Inhaber Hans Lugge weiß jedenfalls, dass bei ihm im Jahr rund 50 Pferde leben. Der Reitschulbetrieb im Mülheimer Landschaftsschutzgebiet Hexbachtal beheimatet „zwölf Ponys und sechs Großpferde im Schulbetrieb, sechs Stuten in der Zucht, mit Fohlen jedes Jahr, Einjährigen, Zweijährigen und Dreijährigen“, sagt er im Gespräch mit wa.de. Egal, wie hoch eine Pferdesteuer in Mülheim würde – für Lugge würden schon mit 200 Euro pro Tier „eine Riesensumme auf uns zu“ kommen, sagt er. „Für die Gewerbetreibenden wäre das ein wirklicher Genickbruch.“ Seine Mutter ergänzt: „Wir müssten wohl zumachen.“
Ponys grasen auf der Weide: Hilft eine Pferdesteuer der Stadt Mülheim aus der desolaten Finanzlage? © picture alliance/dpa | Bernd Thissen
Ohnehin sei es schon teuer, ein Pferd zu halten. Insbesondere aufgrund der gestiegenen Tierarztkosten könnten sich viele das Hobby bereits nicht mehr leisten. Pferdeschutz- und -Gnadenhöfe kennen diese Entwicklung nur zu gut. Mehr und mehr Pferde werden abgegeben, viele Höfe haben einen Aufnahmestopp. Käme nun noch eine Pferdesteuer hinzu, „muss man Bedenken haben, dass die Leute sagen, es reicht“, sagt Lugge.
Steuer für Pferde in Mülheim: Halter würden andere Städte wählen
Weil sein Reitstall zwischen Mülheim, Essen und Oberhausen liege, könne er sich vorstellen, dass Einstaller ihre Pferde bei einer Steuer woanders unterbrächten. Kinder würden in anderen Städten Reitunterricht nehmen. „Grad hier im Ballungszentrum ist das hier aber doch mit das einzige, wo Kinder noch in Kontakt mit Tieren kommen können“, wirft Lugge ein.
Wenn sich aufgrund der Steuer weniger Menschen für Pferde und für Reitunterricht entscheiden würden, fehle der Stadt auch mit einer Pferdesteuer Geld, schätzt er ein. Die Idee sei noch nicht durchdacht, sagt er, und berichtet von Gesprächen durch den Kreisvorsitzenden der Pferdesportvereine auch mit Politikern. „Wir hoffen, dass wir da glimpflich wieder rauskommen“, sagt er.