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Hamburg – Es ist ein Fall, der selbst erfahrene Ermittler erschüttert: Ein drogenabhängiger Mann soll in seiner Wohnung mehrere junge Menschen mit harten Drogen versorgt haben. Diese sollen teils unerfahren im Umgang mit Drogen gewesen sein und ein Opfer war sogar asthmakrank. Die 21‑Jährige überlebte einen verabreichten Drogen-Cocktail nicht.

Am Dienstag begann vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen den 21-jährigen Angeklagten. Ihm wird unter anderem Totschlag vorgeworfen. Er soll über Monate hinweg Morphin, Heroin und sogar Ketamin nicht nur selbst konsumiert, sondern auch anderen injiziert haben.

Der Angeklagte erhielt zweimal täglich bis zu 600 mg Morphin im Rahmen einer Drogen-Ersatztherapie. Doch laut Staatsanwaltschaft soll er seit spätestens 2025 die Medikamente anderen Abhängigen zur Verfügung gestellt haben. In seiner Wohnung in Hamburg-Altona soll er das Morphin zerkleinert, aufgekocht und anderen injiziert haben, obwohl die Opfer kaum Erfahrung mit harten Drogen gehabt haben.

Melina Traumann ist die Sprecherin der Staatsanwaltschaft

Melina Traumann ist die Sprecherin der Staatsanwaltschaft

Foto: Thomas Knoop

Melina Traumann, Sprecherin der Staatsanwaltschaft: „Die schwerste Tat, die dem Angeklagten vorgeworfen wird, ist ein Totschlag in Tateinheit mit dem Verabreichen von Betäubungsmitteln mit Todesfolge. Er soll einer 21-Jährigen, mit der er eine Beziehung führte, Morphin gespritzt haben. Diese Geschädigte soll asthmakrank gewesen sein, was der Angeklagte auch wusste. Sie kam zu Tode.“

Tödliche Nacht im Februar

Der Tatverdächtige soll der 21-Jährigen Anfang Februar 2025 Morphin gespritzt haben. Die lungenkranke Frau reagierte heftig, musste in der Notaufnahme behandelt werden. Drei Wochen später injizierte er ihr erneut Morphin. Folge: Atemstillstand. Sie starb.

Prozessbeginn am Dienstag um 14 Uhr: L. steht mit seiner Anwältin vor dem Gericht. Der 21-Jährige absolvierte früher eine Ausbildung zum Altenpfleger

Am Dienstag begann der Prozess gegen den 21‑Jährigen. Er absolvierte früher eine Ausbildung zum Altenpfleger

Foto: Christian Charisius/dpa

Weitere Opfer – darunter 16-Jährige

Der Tod seiner Freundin ließ den Angeklagten unbeindruckt: Zwischen April und August 2025 soll er einer damals erst 16-Jährigen mehrfach harte Drogen gespritzt haben – unter anderem im Hafen gekauftes Heroin. Laut Anklage soll er danach sogar sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben, während sie unter Drogeneinfluss stand. Die Jugendliche soll einmal sogar bewusstlos gewesen sein.

Im September 2025 verabreichte er einer anderen 16-Jährigen Morphin. Der Teenager erlitt einen Herzstillstand, musste vom Notarzt wiederbelebt werden. Die gerufene Polizei fand danach in der Wohnung des Mannes fünf gefälschte Rezepte für Drogen. Er wurde festgenommen, kam in U-Haft.

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Angesichts der sensiblen Inhalte – insbesondere zum Schutz der minderjährigen Opfer – soll der Prozess ab Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt werden. Der Angeklagte kündigte eine Einlassung an.