Borussia Mönchengladbach hat den Klassenverbleib geschafft – aber auch die zu Ende gehende Saison war von vielen Enttäuschungen geprägt. Die Fans fordern einen Umbruch. Fraglich ist nur, ob der Verein bereit ist für Veränderungen.

Rouven Schröder weiß, dass Arbeit auf ihn zukommen wird. Es werde, sagte er, eine „lange, lange Sommerpause“ geben, in der „viele kreative Lösungen“ gefunden werden müssen. Wie die konkret aussehen könnten, verrät Schröder, seit Oktober Head of Sports von Borussia Mönchengladbach, nicht. Wie könnte er auch? Die Zukunft des Traditionsvereins vom Niederrhein, der 2025 sein 125-jähriges Bestehen beging, scheint ungewisser denn je.

Klar ist nur, dass die Gladbacher auch in der kommenden Bundesligasaison erstklassig sein werden. Am vergangenen Sonntag konnten die „Fohlen“ dank eines 1:0-Sieges über Borussia Dortmund den Klassenverbleib sicherstellen. Das sorgte für Erleichterung – änderte jedoch wenig an der vorherrschenden Grundstimmung. Die Saison, an deren Beginn noch von einer Rückkehr in den internationalen Wettbewerb geträumt wurde, war aufs Neue von zu vielen enttäuschten Erwartungen geprägt.

Dies war besonders wenige Tage vor dem Spiel gegen den BVB deutlich geworden. Bei der Mitgliederversammlung hatte sich die aufgeladene Atmosphäre auf ungewöhnlich heftige Weise entladen. In Erinnerung bleiben hauptsächlich die Tränen des Präsidenten. Rainer Bonhof, eine der Legenden des Vereins aus den glorreichen 1970er-Jahren, sah sich sogar mit Forderungen nach seiner Ablösung durch Teile der Fanszene konfrontiert.

Bonhof traf dies ins Mark. Er habe auch gedacht, dass die Lage des Klubs stabiler sei, gab er zu. „Das ist leider nicht eingetreten, und wir sind den Leidensweg mit der Mannschaft mitgegangen“, so Bonhof. Er habe nicht damit gerechnet, dass es wieder „so eine Zittersaison“ geben werde. 2025/2026, sagte der Weltmeister von 1974, sei „ein Scheißjahr“ gewesen.

Es war – und ist – nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig bei Gladbach

Viele Mitglieder und Fans teilen Bonhofs Gefühl – auch diejenigen, die die Vereinsführung zunehmend kritisch sehen. Der Klub leidet seit Jahren unter einer zunehmend frustrierenden Stagnation. Ihr Ursprung liegt in den Folgen der Corona-Krise und einem Managementversagen beim Versuch, sie zu bewältigen. Dabei geht es nicht nur um die unmittelbaren Folgen der beiden Spielzeiten während der Pandemie, die Verluste von 100 Millionen Euro gebracht haben. Ein wesentlicher Teil des Gladbacher Geschäftsmodells brach ein: das Erzielen von Transferüberschüssen.

Der Klub, der es 2021 noch bis ins Achtelfinale der Champions League geschafft hatte, blieb auf einer Reihe teurer Spieler sitzen, die er sich, als die Erfolge anschließend ausblieben, nicht mehr leisten konnte. Der Transferstau sorgte für Unzufriedenheiten. Auch die hohe Fluktuation an Trainern hängt indirekt damit zusammen.

Vor allem aber die hohen Personalkosten wurden zum Problem. In den Jahren des Erfolgs sei man „in die Falle getappt“, sagte Geschäftsführer Stefan Stegemann. Die Folge: eingeschränkte Handlungsfähigkeit in Bezug auf die Umstrukturierung der Mannschaft, nachdem sich ab 2022 der Transfermarkt wieder normalisierte – sowie eine steigende Ungeduld bei den Fans.

Es war – und ist – nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig, in diesen Zeiten für die Borussia Verantwortung zu tragen. Sei es als Trainer – Eugen Polanski ist bereits der fünfte seit Beginn des Jahrzehnts – oder auf Managementebene: Max Eberl war im Januar 2022 wegen eines Burn-outs zurückgetreten, Nachfolger Roland Virkus musste im vergangenen September gehen.

Bei der finanziellen Konsolidierung wurden mittlerweile Fortschritte erzielt. Zwar musste 2025 ein Verlust von vier Millionen Euro ausgewiesen werden, doch der Umsatz konnte von 184 Millionen Euro auf 189 Millionen Euro gesteigert werden. Gladbach ist mittlerweile bereit, neue Wege in der Vermarktung zu gehen und seine Einnahmesituation zu verbessern. Von der kommenden Saison an soll der Stadionname vermarktet werden. Dies war lange nicht ernsthaft angegangen worden.

Gladbachs Kader muss verkleinert werden

Die sportliche Entwicklung kommt jedoch nicht erkennbar voran. Das sorgt mittlerweile auch intern für Unruhe. Michael Hollmann, der Aufsichtsratschef, übte für Gladbacher Verhältnisse sehr scharfe Kritik. Er und seine Kollegen hätten „die Schnauze ziemlich voll“, sagte er auf der Versammlung und forderte „einen klaren Schnitt und eine andere Gangart“.

Der Mann, der den notwendigen Umbruch bewerkstelligen soll, ist Schröder. Der 50-Jährige scheint einerseits dafür prädestiniert zu sein. Schröder ist ein versierter Ein- und Verkäufer von Spielern, verfügt über ein breites Netzwerk. Doch die Herausforderungen sind groß. Der Kader, der 28 Profis umfasst, muss reduziert werden, das Gehaltsvolumen ebenfalls. Dazu reicht allein der bereits eingefädelte Verkauf von Rocco Reitz zu RB Leipzig, der bis 20 Millionen Euro Ablöse einbringen wird, nicht aus. Auch von Florian Neuhaus, der sich sowohl unter Trainer Eugen Polanski als auch unter dessen Vorgänger Gerardo Seoane nicht wirklich durchsetzen konnte, würden sich die Gladbacher wohl gern trennen.

Erschwerend kommt hinzu: In Jonas Omlin, Tomas Cvancara, Shio Fukuda, Grant-Leon Ramos und Noah Pesch werden gleich fünf ausgeliehene Spieler zurückkehren, für die es kaum Verwendung gibt. Andererseits: Torjäger Haris Tabakovic, der gegen den BVB mit seinem zwölften Saisontreffer den Klassenverbleib perfekt gemacht und den verletzungsbedingten Ausfall von Tim Kleindienst gut kompensiert hat, muss wahrscheinlich zur TSG Hoffenheim, von der er ausgeliehen ist, zurückkehren.

Schröder spielt wegen der vielen Unwägbarkeiten auf Zeit. „Die Saison ist noch nicht vorbei, jeder kann sich noch reinhauen. Das ist wichtig für die Endbewertung, um zu sagen: Mit wem planen wir weiter, wo sucht man sich etwas anderes?“, erklärte er. Erst nach dem letzten Spiel gegen die TSG Hoffenheim werde abgerechnet.

Offen ist auch, mit welchem Trainer die Zukunft gestaltet werden soll. Schröder hatte Polanski erst im November mit einem festen Vertrag bis 2028 ausgestattet. Doch ein klares Bekenntnis, mit ihm in die kommende Saison zu gehen, gibt es nicht.

Schröder will, dass sich in Mönchengladbach grundsätzlich etwas ändert. „Wir brauchen Mut zur Veränderung, zu Entscheidungen, zur Konsequenz“, sagte er. „Sonst wird alles so bleiben, wie es ist.“ Letzteres würde die Fortsetzung eines schleichenden Abschwungs bedeuten.