Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar – Die CDU-Stadtratsfraktion Ludwigshafen beantragt für die Sitzung des Kulturausschusses am 28. Mai 2026, eine Umbenennung des Carl-Wurster-Platzes zu prüfen. Zusätzlich soll die Verwaltung darstellen, wie mit fortbestehenden öffentlichen Hinweisen auf die frühere Ehrenbürgerwürde Carl Wursters umgegangen werden kann.

Der CDU-Fraktion ist bewusst, dass die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod der ausgezeichneten Person rechtlich endet. Gleichwohl soll geprüft werden, ob Carl Wurster weiterhin auf städtischen Ehrentafeln, in Verzeichnissen, Publikationen, Internetauftritten oder anderen Formen öffentlicher Würdigung genannt wird und ob diese Hinweise gestrichen oder historisch-kritisch eingeordnet werden sollten.

Hintergrund ist die historische Bewertung Wursters. Er war nach 1945 maßgeblich am Wiederaufbau des Ludwigshafener Werks beteiligt. Gleichzeitig war er während der NS-Zeit Betriebsleiter des IG-Farben-Werks in Ludwigshafen, in dem rund 30.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt und ausgebeutet wurden. Zudem war er NSDAP-Mitglied, in die Kriegswirtschaft eingebunden und gehörte dem Verwaltungsrat der Degesch an.

Dr. Peter Uebel, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, erklärt:
„Carl Wurster ist eine historisch schwer belastete und zugleich ambivalente Persönlichkeit. Seine Verdienste nach dem Krieg gehören zur Stadtgeschichte. Aber eine öffentliche Ehrung durch einen Platznamen oder fortbestehende Würdigungen muss sich an den Werten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung messen lassen. Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sind für uns nicht verhandelbar.“

Die Verwaltung soll außerdem prüfen, wie viele Adressen, Anlieger, Betriebe oder Einrichtungen von einer möglichen Umbenennung betroffen wären und welche organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Folgen sich daraus ergeben.

Constanze Kraus, kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, betont:
„Wir wissen, dass die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod endet. Dennoch ist entscheidend, wie die Stadt heute öffentlich mit dieser früheren Ehrung umgeht. Wer im öffentlichen Raum geehrt wird, steht immer auch für eine Haltung. Deshalb wollen wir eine sachliche Prüfung und eine historisch verantwortliche Neubewertung.“

Kraus verweist zudem auf die anstehenden Stadtumbaumaßnahmen im Bereich Rathaus-Center/Nord:
„In diesem Gebiet wird sich in den kommenden Jahren vieles verändern. Diese Neuordnung bietet die Chance, auch bei der Namensgebung ein klares Zeichen zu setzen. Aus unserer Sicht sollte der Name Carl-Wurster-Platz im Zuge dieser Entwicklung ersetzt werden.“

Die CDU-Fraktion sieht in dem Antrag keinen Versuch, Geschichte auszublenden. Vielmehr gehe es darum, Geschichte vollständig zu betrachten und daraus Konsequenzen für heutige öffentliche Ehrungen zu ziehen.

Quelle: CDU Ludwigshafen

Zuletzt aktualisiert am 12. Mai 2026, 20:27