Bielefeld. Gofio ist blind, taub und dement. Als wäre das nicht schon katastrophal genug, musste der Hundesenior nun auch noch sein vertrautes Zuhause verlassen. Als der Rüde vor einigen Tagen ins Bielefelder Tierheim zurückgebracht wurde, änderte sich für den kleinen Hund innerhalb weniger Stunden alles. Der 13 Jahre alte Yorkie-Mischling braucht feste Routinen, Gerüche und vertraute Menschen. Nun sitzt er im Tierheim – in einer fremden, beängstigen Umgebung.
„Gofio leidet wirklich doll bei uns“, schreibt der Tierschutzverein Bielefeld in einem eindringlichen Aufruf auf Facebook. Der Senior belle und jaule viel in seinem Zimmer. Für einen alten Hund wie ihn sei die Situation besonders belastend. „Leider können wir ihm hier nicht dauerhaft die Zuwendung geben, die er als Senior benötigt“, heißt es weiter.
Jill Jansen, Bereichsleitung des Hundehauses im Tierheim Bielefeld, beschreibt den kleinen Rüden als besonders betreuungsintensiv. „Er ist ein sehr lieber, aber schon tauber, blinder und dementer Senior“, berichtet sie nw.de. Menschen, die ihn aufnehmen möchten, müssten viel Zeit mitbringen. „Er jault sehr viel, wenn er länger alleine ist.“ Gesucht werde deshalb ein ruhiges Zuhause mit ausreichend räumlichen und finanziellen Kapazitäten.
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Gerade für alte Hunde bedeute ein Tierheim oft enormen Stress. Während jüngere Tiere sich häufig schneller auf neue Situationen einstellen können, reagierten Senioren deutlich sensibler auf Veränderungen. „Bei Demenz kommen Orientierungslosigkeit, Unruhe und Angst hinzu. Viele Tiere suchen dann permanent nach vertrauten Reizen – und geraten in einer ungewohnten Umgebung schnell unter dauerhafte Anspannung.“
Tierheime in Nordrhein-Westfalen berichten seit Längerem von zunehmenden Problemen bei der Vermittlung alter und kranker Tiere. Einrichtungen schlagen Alarm, weil immer mehr Senioren abgegeben werden und oft lange bleiben. Besonders Hunde mit gesundheitlichen Einschränkungen oder hohem Betreuungsbedarf gelten als schwer vermittelbar. Gleichzeitig arbeiten viele Tierheime bereits an ihrer Belastungsgrenze.
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Im Fall von Gofio hofft das Tierheim deshalb möglichst schnell auf einen sogenannten Hospizplatz – also Menschen, die einem alten Tier nicht trotz seines Zustands, sondern gerade wegen seines Zustands noch einmal Geborgenheit geben wollen. Trotz seiner Einschränkungen beschreiben die Mitarbeiter den kleinen Hund als freundlich, lebensfroh und menschenbezogen.
Wer sich für Gofio interessiert, kann sich an das Hundehaus des Tierheims Bielefeld wenden: Tel. 0521 98430 oder hundehaus@tierheim-bielefeld.de