Eine Diebesbande räumte Ende Dezember 2025 3.100 Schließfächer in dem Tresorraum der Sparkassen-Filiale Gelsenkirchen-Buer leer. Mindestens 30 Millionen Euro, wahrscheinlich aber auch noch wesentlich mehr, erbeuteten die unbekannten Täter. Zurück bleiben zahlreiche bestohlene Kunden, die ihr Geld und auch Antworten haben wollen.
Vorwürfe erheben sie vor allem gegen die Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen und deren Vorstandsvorsitzenden Michael Klotz. Ihren Unmut machten sie bei einer Demo am 7. Mai Luft als rund 500 Personen zusammenkamen und lauthals den Rücktritt von Klotz sowie mehr Transparenz forderten. Auch Joachim Wagner ging ganz vorne mit voran – er ist einer von drei Klägern.
📌 Fakten
- Prozessstart ist am 11. Juni 2026 vor dem Landgericht Essen. Eine weitere Verhandlung ist bereits für den 9. Juli 2026 terminiert.
- Die ersten Kläger fordern zusammen über 440.000 Euro Schadensersatz. Zwei ehemalige Schließfachkunden verlangen konkret: 391.000 Euro und knapp 49.000 Euro. Dazu kommt mindestens eine dritte Klage; insgesamt sind bereits Forderungen von über 500.000 Euro anhängig.
- Kernvorwurf: unzureichende Sicherung des Tresorraums
- Die Sparkasse weist die Vorwürfe zurück: Das Geldinstitut beantragt die Abweisung der Klagen und betont öffentlich, selbst Opfer eines hochprofessionellen Einbruchs geworden zu sein. Vorstandschef Michael Klotz hat Rücktrittsforderungen bislang klar zurückgewiesen.
- Das Urteil könnte Signalwirkung für Tausende Betroffene haben: Rund 3.100 Schließfächer wurden aufgebrochen. Viele Kunden hatten deutlich höhere Werte eingelagert als die übliche Haftungsgrenze von 10.300 Euro pro Fach. Sollte das Gericht der Sparkasse grobe Sicherheitsmängel anlasten, könnten zahlreiche weitere Schadenersatzklagen folgen.
Schmerzvoller Verlust – Betroffener verklagt Sparkasse Gelsenkirchen
„Wir werden stark sein und für uns kämpfen – für die Gerechtigkeit“, verspricht der 63-Jährige der Demo-Menge und erntet frenetischen Jubel. Auch wenn der Gerichtsstreit wohl noch länger andauern werde, wolle er für sich sowie die zahlreichen anderen Betroffenen kämpfen.
Joachim Wagner will nicht nur für sich gegen die Sparkassen-Filiale kämpfen, sondern auch für alle anderen. Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN
Im Gespräch mit DER WESTEN verrät Joachim Wagner, dass er seit jungen Jahren schon Kunde bei der Sparkasse sei. „Man hatte über viele Jahre hinweg ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Das Schließfach musste ich mir anlegen, weil bei mir im Haus permanent eingebrochen wurde. Somit habe ich mich in Sicherheit gewogen und das war leider nicht der Fall. Umso erschreckender, dass auf einmal alles weg sein soll“, bedauert er.
Insgesamt gehe es um einen Verlust von knapp 50.000 Euro. „Ich habe immer viel Geld gespart und davon Gold gekauft. Was sehr schmerzlich ist, ist der Verlust der Erbstücke meiner Eltern und Großeltern für mich und meine Kinder. Dass das alles weg sein soll, ist unglaublich.“ Belege habe er dafür genügend.
Zwischen Hoffen und Bangen
Von der Sparkassen-Filiale sei er sehr enttäuscht. „Ich habe leider auf Umwegen durch die Medien und nicht durch die Sparkasse erfahren, dass ich einer der Betroffenen bin. Das finde ich sehr bedauerlich“, betont der 63-Jährige. Bis auf ein Schreiben der Polizei habe er in den vergangenen Monaten nichts von dem Geldinstitut an Informationen bekommen.
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„Mir geht es überhaupt nicht gut damit. Man hat die ganze Zeit einen schweren Rucksack mit dicken Steinen, den man mit sich rumträgt“, fasst er seine Gefühle zusammen. Die Unsicherheit darüber, ob er eines Tages seine Wertsachen wiederbekommen werde und wie das Gerichtsverfahren ausgehe, belaste ihn permanent. Doch die Hoffnung und das Vertrauen in seinen Anwalt Daniel Kuhlmann sei groß. Dem Jurist zufolge sei die erste Klage wegweisend, denn wenn diese abgewiesen, beziehungsweise verloren würde, dann könnten sich laut Kuhlmann andere Gerichte an dem Urteil orientieren.
Er wirft der Sparkasse ein „fehlendes Sicherheitskonzept“ vor, was ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten belegen solle. Der Chef der Sparkasse Gelsenkirchen verteidigte die Sicherheitsvorkehrungen bislang und versicherte, dass der Tresorraum mit den Schließfächern „nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert“ sei.
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