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Düsseldorf (NRW) – Er wollte „Ungläubige“ töten, stach in Bielefeld auf fünf Fußballfans ein. Vier Männer (22–27) und eine Frau (26) überlebten teils mit schweren Verletzungen. Jetzt kommt heraus: Mahmoud M. (36) hat in seiner Heimat Syrien offenbar bereits zwei Menschen getötet.
Der Attentäter steht seit Anfang März dieses Jahres vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Mitgliedschaft in der Terrororganisation „Islamischer Staat“ vor. Jetzt vernahmen die Richter den psychiatrischen Sachverständigen, der den Angeklagten im Gefängnis untersucht hatte. Dem Gutachter gegenüber räumte Mahmoud M. ein, 2015 seinen Bruder getötet zu haben. Außerdem habe er fünf Jahre zuvor einen Mann an einem See erschlagen. Angeblich hatte der Fremde sich dort an seinen Sachen zu schaffen gemacht.

Mahmoud M. flüchtete und konnte einen Tag später in Heiligenhaus verhaftet werden
Foto: Patrick Schüller
Während er im Prozess zunächst zu den Vorwürfen schwieg, soll der Syrer dem Fachmann gegenüber auch den Messeranschlag von Bielefeld gestanden haben. Am frühen Morgen des 18. Mai 2025 hatte Mahmoud M. vor der Bar „Cutie“ in Bielefeld (NRW) mit einem Messer und einem Stockdegen auf Gäste eingestochen. Dabei soll er mehrfach „Allahu Akbar“ gerufen haben.
Der Angeklagte ist laut Gutachter tiefgreifend islamistisch radikalisiert. „Bei ihm ist seit vielen Jahren eine radikale Gesinnung vorhanden“, sagte der Psychiater. Die islamistisch-dschihadistische Ideologie sei fester Bestandteil seiner Persönlichkeit und seines Wertesystems. Dafür habe er sogar den Kontaktabbruch zu seinen Kindern in Kauf genommen.

Polizisten sicherten am Tatort Spuren
Foto: Christian Müller
Von Mutter zurückgewiesen
Da von dem IS-Kämpfer weiterhin eine große Gefahr ausgehe, lägen auch die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung (erschwert eine Freilassung nach der Haft) vor. Er sei kränkbar, intolerant und gewaltbereit, hieß es. Trotz einer schwierigen Kindheit wollte der Gutachter dem Angeklagten keine posttraumatische Belastungsstörung attestieren. Die Zurückweisung durch seine Mutter hätte bei ihm jedoch tiefe Verbitterung, Minderwertigkeitsgefühle und psychische Instabilität ausgelöst.

Polizisten sperrten den Tatort weiträumig ab
Foto: Christian Müller
In Deutschland habe sich Mahmoud M. eine Menge Propagandavideos angesehen. Die Zugehörigkeit zum IS und ein klares Feindbild hätten seine Wut kanalisiert, erläuterte der Facharzt. Der Angeklagte selbst bestreitet, als IS-Kämpfer aktiv gewesen zu sein. Er habe lediglich als Immobilienvermittler für die Terrormiliz gearbeitet.
Mehr zum ThemaEinige Opfer hatten nur mit Glück überlebt
Im Prozess wurden bereits die Opfer vernommen, einige hatten nur mit Glück überlebt. Darunter Taxifahrerin Sarah (27), die u.a. einen Stich in die Brust erlitten hatte. Sie sagte: „Der Arzt im Krankenhaus sagte mir später, wie froh er sei, dass er überhaupt mit mir reden kann.“