Die libysche Küstenwache hat offenbar erneut das Rettungsschiff Sea-Watch 5 in internationalen Gewässern beschossen und damit gedroht, das Schiff zu entern und nach Libyen zu bringen. Nach Darstellung von Sea-Watch ereignete sich der Angriff bereits am Montag, etwa 55 Seemeilen nördlich von Tripolis.

Kurz nachdem die 30-köpfige Besatzung 90 Menschen gerettet habe, sei ein einzelner Schuss gefallen. Im Anschluss habe die Küstenwache ohne Vorwarnung eine Salve von etwa zehn bis fünfzehn weiteren Schüssen abgegeben. Die Besatzung habe einen Notruf abgesetzt und Kurs nach Norden gehalten. Über mehrere Stunden sei das Schiff von libyschen Booten verfolgt worden.

Die EU-Kommission bat die libysche Seite um Aufklärung. Die EU-Delegation in Tripolis werde Kontakt zu den libyschen Ansprechpartnern aufnehmen, sagte ein Sprecher der Behörde in Brüssel. Alle an Rettungseinsätzen beteiligten Parteien seien verpflichtet, das Völkerrecht und das internationale Seerecht uneingeschränkt einzuhalten.

Italien und die EU arbeiten mit der libyschen Küstenwache zusammen, die zum großen Teil aus Milizkämpfern besteht. Laut den Vereinten Nationen sind Geflüchtete in Libyen Folter, Vergewaltigung und Menschenhandel ausgesetzt.

Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.