
marktbericht
Die Situation im Nahen Osten scheint festgefahren. Je länger der Konflikt anhält, desto prekärer wird die Lage. Öl wird teurer. An der Börse bröckeln die Kurse. Der DAX fällt unter 24.000 Punkte.
Es bleibt das große Gesprächsthema an der Börse: Wann kommt es endlich zu einer Friedenslösung in Nahen Osten? Wann wird die Straße von Hormus wieder geöffnet? Am Tag vor dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping ruhen die Hoffnungen nun auf einer Deeskalation in Nahost.
„Die Hoffnungen ruhen jetzt darauf, dass China als erfolgreicher Vermittler zwischen den Kriegsparteien agieren wird“, kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Trump wird China am Mittwoch besuchen. Dabei soll es zwar hauptsächlich um die Beilegung des Handelsstreits der zwei weltweit größten Volkswirtschaften gehen, am Markt erhofft man sich aber auch positive Impulse in Sachen Iran-Krieg.
In der vergangenen Woche noch hatte Zuversicht über eine Einigung zwischen den USA und Iran den DAX mit etwas über 25.150 Punkten auf den höchsten Stand seit Kriegsbeginn getrieben. Von so viel Zuversicht ist in dieser Woche wenig zu spüren. Der DAX beendet den Handel bei 23.954 Punkten. Das ist ein Minus von 1,62 Prozent.
Timo Emden von Emden Research weist auf den Unterschied zwischen den Aktienmärkten in den USA und Deutschland hin: „Der DAX dürfte im Spannungsfeld aus Konjunktursorgen, Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit gefangen bleiben. Für den deutschen Markt reicht die KI-Story allein derzeit nicht aus, um geopolitische Risiken vollständig auszublenden und damit anders als in den USA, wo Technologie-Investitionen weiterhin als Wachstumsmotor gefeiert werden“, kommentiert er.
Nach dem jüngsten Inflationsbericht werden Anleger in den USA jedoch pessimistischer. Die US-Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent zum Vorjahresmonat. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Wert von 3,7 Prozent gerechnet. „Wir sind der Ansicht, dass die Finanzmärkte nur langsam den wirtschaftlichen Schaden erkennen, der durch höhere Preise für Öl und andere Rohstoffe entsteht – alles Faktoren, die die globale Inflation beschleunigen könnten“, so Doug Beath, Stratege beim Wells Fargo Investment Institute.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500 notierten am Dienstag zuletzt jeweils knapp ein halbes Prozent tiefer bei 49.539 und 7.346 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor gut ein halbes Prozent auf 26.119 Punkte.
Die Kriegssorgen schlagen sich erneut im Ölpreis nieder. Die Nordseesorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuern sich am Nachmittag jeweils über drei Prozent auf 107,92 und 101,41 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Präsident Donald Trump sagte zuletzt, die Waffenruhe mit Iran hänge am seidenen Faden, und bezeichnete Teherans Reaktion auf einen US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges als „Müll“.
Unterdessen nimmt die Hauptversammlungssaison Fahrt auf. Auf dem Aktionärstreffen der Lufthansa hat Vorstandschef Carsten Spohr ein straffes Tempo bei der Übernahme der Mehrheit an der italienischen Ita angekündigt. Schon im Sommer soll der Anteil an der früheren italienischen Staatsfluglinie auf 90 Prozent steigen.
Aktionärsvertreter appellierten bei der Versammlung an das Management und die Gewerkschaften, ihre Tarifkonflikte nicht zum Schaden des Unternehmens auf die Spitze zu treiben. Nach Angaben der Lufthansa haben die streikbedingten Ausfälle und Kundenentschädigungen in diesem Jahr bislang 190 Millionen Euro gekostet.
Ein starkes Agrargeschäft hat Bayer zum Jahresstart überraschend viel Rückenwind verliehen. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) stieg im ersten Quartal um neun Prozent auf 4,45 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarkonzern mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 3,93 Milliarden Euro gerechnet.
Die Agrarsparte profitierte im ersten Quartal von der Beilegung eines Lizenzstreits mit dem US-Konkurrenten Corteva, die eine fast eine halbe Milliarde Euro zum Umsatz beitrug. Außerdem erholten sich die Preise beim Unkrautvernichter Dicamba in den USA.
Zu den großen Verlierern im DAX gehören Aktien der Munich Re. Zwar hat der Münchner Rückversicherer im ersten Quartal deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. In diesem Zeitraum ereigneten sich aber auch keine Katastrophen, die auch nur ansatzweise so teure Zerstörungen hinterlassen haben wie die Feuer in Los Angeles. Mit rund 40 Milliarden US-Dollar (rund 34 Mrd. Euro) hatte die Branche für diese Schäden geradestehen müssen.
Allerdings gab es bei der Vertragserneuerung im Schaden- und Unfallgeschäft zum 1. April weitere Preisrückgänge. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken gingen die Preise bei der Munich Re um 3,1 Prozent zurück.
Angesichts der positiv laufenden Geschäfte kauft der Energietechnik-Konzern Siemens Energy bis zum Herbst mehr eigene Aktien zurück als bisher geplant. Wegen des unerwartet hohen operativen Mittelzuflusses werde der Konzern im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 (bis Ende September) bis zu eine Milliarde Euro mehr für Aktienrückkäufe ausgeben, teilte Siemens Energy mit.