Stand: 12.05.2026 20:42 Uhr

Das Holstein-Stadion in Kiel soll in den nächsten Jahren schrittweise modernisiert werden. Die Nordtribüne macht jetzt den Anfang. Für Fans bedeuten die Bauarbeiten immer wieder Einschränkungen.

von Marc Kramhöft

Die 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Magdeburg am Sonnabend (9.5.) war nicht nur das letzte Heimspiel für Holstein Kiel in dieser Saison der Zweiten Fußball-Bundesliga. Es war auch für längere Zeit die letzte Partie im Holstein-Stadion, wie die Fans es kennen. Nach jahrelangen politischen Diskussionen beginnt nun der Umbau, um die Spielstätte am Westring während des laufenden Spielbetriebs dauerhaft tauglich für den Profifußball zu machen. Heute rücken die ersten Bauarbeiter an.

Erst die Technik, dann die Sitze und das Dach

Sie beginnen mit dem Abbau der Nordtribüne – also der Tribüne auf der Spielfeldseite gegenüber den Trainerbänken. Zuerst werden die Container und die Kameratechnik zurückgebaut. So erklären es der Geschäftsführer der Kieler Sportstätten- und Stadiongesellschaft, Axel Bauerdorf, Kiels Sportdezernent Gerwin Stöcken (SPD) und der Projektleiter des Düsseldorfer Bauunternehmens Zech Sports, Christian van Nooy, den etwa 100 Interessierten, die am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung ins VIP-Zelt des Stadions gekommen sind.

Holstein-Stadion: Erster Bauabschnitt soll bis Anfang 2028 dauern

Die Nordtribüne im Holstein-Stadion.

Die Nordtribüne auf der Gegenseite des Holstein-Stadions wird zuerst erneuert und künftig zur neuen Haupttribüne.

Mit ersten sichtbaren Veränderungen rechnet Bauerdorf ab Anfang Juni: „Die Sitze und die Stehplätze werden zurückgebaut, danach das Dach.“ Zur neuen Saison im August soll die Nordtribüne komplett verschwunden sein, stattdessen sollen dort unter anderem provisorische Flutlichtmasten stehen. Die Nordtribüne werde dann zur neuen Haupttribüne, der Bau soll Ende dieses Jahres beginnen. Dort seien dann zum Beispiel die Kabinen, VIP-Plätze und Plätze für Medienvertreter untergebracht. Geplante Fertigstellung: März 2028.

Umbau des Holstein-Stadions: Das müssen Fans von Holstein Kiel jetzt wissen

Das Holstein-Stadion wird noch rund 11.600 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Mit dem Rückbau der Nordtribüne fallen etwa 3.400 Plätze weg. Bisher war das Stadion mit 15.034 Fans ausverkauft.

Holstein Kiel teilte mit, dass allen Betroffenen ein Angebot für einen alternativen Platz im Stadion gemacht werden soll. Konkrete Informationen dazu will der Verein Mitte Juni per E-Mail verschicken.

Dazu machte Holstein Kiel noch keine Angaben und will sich ebenfalls Mitte Juni äußern. Wahrscheinlich ist, dass nur bisherige Dauerkarten verlängert werden können und keine neuen ausgegeben werden. So hatte es der Verein in der Bundesliga-Saison gehandhabt, als die Nachfrage ebenfalls größer war als das Angebot.

Dazu konnte der Verein noch nichts sagen. Erfahrungsgemäß werden nach den Dauerkarteninhabern zunächst Mitglieder und Bestandskunden (die in einem bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit bereits Tickets erworben haben) die Chance haben, Tageskarten für einzelne Spiele zu kaufen. Vor allem bei Top-Spielen dürfte das Kontingent schnell vergriffen sein, ein freier Verkauf ist dann unwahrscheinlich.

Zur Preisstruktur in der kommenden Saison gibt es noch keine Informationen.

Aber nicht nur die Frage, wer künftig wo im Stadion sitzen oder stehen wird, ist den Menschen wichtig. Im VIP-Zelt spricht ein Anwohner zum Beispiel die künftige Höhe des Stadions an und inwieweit es die Aussicht beeinflussen wird. Mit 24 Metern wird es nach Angaben der Verantwortlichen knapp 1,5 Meter höher sein als bisher. „Dafür fallen die Flutlichtmasten weg, das Licht ist ins Dach integriert“, sagt Bauerdorf.

Zeitplan und Budget werden hinterfragt

...

Die Verantwortlichen von Stadt und Baufirma stellten etwa 100 Interessierten die nächsten Schritte beim Umbau des Holstein-Stadions vor.

Ein anderer Anwesender am Montagabend will mit Blick auf die Kosten für andere neue Stadien wissen, ob man es noch vor der Landtagswahl im kommenden Jahr verkünden würde, falls die anvisierten 75 Millionen Euro nicht gehalten werden können. Sportdezernent Stöcken beruhigt: „Wir bleiben im Budget. Und wenn nicht, werden wir darüber informieren.“ Und ein junger Fan fragt unter Gelächter und Applaus im Publikum, ob das Stadion wirklich wie geplant 2030 fertig werde. „Das sieht sehr gut aus“, antwortet Bauerdorf. Am Ende spiele aber auch immer das Wetter eine Rolle.

Drei weitere Bauabschnitte am Holstein-Stadion folgen

Apropos Zeitplan. Nach der Nordseite soll es mit der Westtribüne, also der Fantribüne hinter dem Tor, und dem ersten Teil der Südtribüne, der jetzigen Haupttribüne, weitergehen. Ein Jahr ist dafür vorgesehen, von März 2028 bis März 2029. Der andere Teil der Südtribüne rechts der Mittellinie soll in dieser Zeit als provisorische Stehplatztribüne für Heimfans genutzt werden. Wiederum ein Jahr ist anschließend für die neue Osttribüne eingeplant, von März 2029 bis März 2030.

Heim- und Gästefans müssen zeitweise umziehen

Da dort nach wie vor der Gästeblock untergebracht ist, ziehen die Gästefans während des Neubaus auf die provisorischen Stehplätze auf der Südtribüne um. Die Heimfans, die dort zwischenzeitlich standen, können zurück auf ihre angestammte und dann fertiggestellte Westtribüne. Als letzter Schritt soll laut Planung dann die Lücke zwischen Südtribüne und Osttribüne geschlossen werden. Das soll ein halbes Jahr dauern, von März 2030 bis September 2030.

Bis zu 25.000 Plätze im neuen Holstein-Stadion möglich

Am Ende soll die neue Arena rund 22.000 Plätze haben. Durch den Ausbau zweier Ecken könnte die Kapazität bei Bedarf auf 25.000 erweitert werden. Den größten Teil der vorgesehenen Baukosten von maximal 75 Millionen Euro teilen sich die Stadt als Inhaberin des Stadions (10 Millionen), das Land (bis zu 20 Millionen) und ein privater Investor (20 Millionen). Den Rest trägt der Verein, der nach Angaben der Stadt langfristiger Hauptmieter werden und so den Bau des Stadions refinanzieren soll.

Konzept des neuen Holstein Kiel Stadions in Kiel

Rund 22.000 Plätze soll das neue Holstein-Stadion des Fußball-Zweitligisten haben. Gebaut wird ab dem Frühjahr 2026.

Konzept des neuen Holstein Kiel Stadions in Kiel.

Beim Fußball-Zweitligisten haben die ersten Vorbereitungen für den Stadion-Neubau begonnen. 2030 soll das Stadion fertiggestellt sein.

Kiels David Zec (r.) und Magdeburgs Herbert Bockhorn

Die KSV hat ihr letztes Heimspiel der Saison verloren. In Dresden wird es nun darum gehen, die Spielzeit anständig zu beenden.

Trainer Tim Walter von Holstein Kiel

Der Vertrag des Trainers läuft nach der Zweitligasaison aus. Erst dann soll verhandelt werden.