Nach 29 Jahren in Führungsverantwortung beim TSV Norf stellt sich Hermann-Josef Baaken am Dienstag nicht mehr zur Wahl. Was für ihn die Highlights waren und welche Pläne er für die Zukunft hat.
von RP / David Beineke · Gestern, 20:00 Uhr · 0 Leser
Beim TSV Norf wechselt der Vorsitz. – Foto: Christian Haas
Der TSV Norf wirbt schon lange mit dem Slogan: „Da ist Bewegung drin.“ Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass zu Beginn der jährlichen Mitgliederversammlung die anwesenden Menschen in Schwung gebracht werden sollen, bevor das eher trockene Abarbeiten der Formalitäten ansteht. Wenn die Mitglieder am Dienstag ab 19.30 Uhr im Gesundheitszentrum des TSV turnusgemäß zusammenkommen, lässt es sich Hermann-Josef Baaken nicht nehmen, für den Schwung zu sorgen.
Denn es ist die letzte Mitgliederversammlung, in die er als Vorsitzender geht. Er tritt nicht mehr zur Wahl an. Nach sechs Jahren als Stellvertreter und 23 Jahren als Vorsitzender zieht sich der inzwischen 65-Jährige aus der Führungsriege des Vereins zurück.
Staffelstab an nächste Generation übergeben
„Es wird Zeit, den Staffelstab an die nächste Generation zu übergeben“, sagt Baaken, der am Jahresende auch aus seinem Job als Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung mit Hauptsitz in Bonn ausscheidet, also in den beruflichen Ruhestand geht. Dass Hermann-Josef Baaken mal zu einem der bekanntesten Sportfunktionäre im Rhein-Kreis Neuss werden würde, schließlich ist er seit 2017 auch Vorsitzender des Sportbundes Rhein-Kreis Neuss, war in seinen jungen Jahren nicht abzusehen. „In der Schule habe ich gerudert und Basketball gespielt, hatte aber ansonsten nicht viel mit Sport zu tun“, erklärt Baaken, der ursprünglich aus Uedesheim kommt, dann aber mit seiner Familie nach Norf zog. Als er schließlich für den Stadtteil in den Stadtrat einzog (CDU), begann er sich mit sportlichen Themen zu beschäftigen, eignete sich eine große Expertise an und baute sich ein Netzwerk auf.
Fußballabteilung musste leiden
Weil das Dinge sind, die in Sportvereinen hoch im Kurs stehen, drängte sich der Einstieg beim TSV Norf irgendwie auf. Zunächst ging Hermann-Josef Baaken allerdings bei seinem Vorgänger Udo Moschner, der im Dezember des vergangenen Jahres verstarb, in Lehre. Sechs Jahre war er sein Stellvertreter, ehe er den Vorsitz auf dessen Bitten übernahm. Während Baaken seine politischen Ämter irgendwann aufgab, blieb er dem Sport bis heute treu. Als er an die Spitze des TSV Norf trat, begann er, konsequent daran zu arbeiten, die Wahrnehmung des Vereins über den Stadtteil hinaus zu verbessern – auch im politischen Umfeld. Darunter musste zum Beispiel die Fußballabteilung leiden. „Wir mussten dem TSV ein neues Gesicht geben, ohne den Fußball als Kern. Wir haben den Breitensport in den Mittelpunkt gestellt. Dass wir das vorangetrieben haben, war maßgeblich für den Erfolg des Vereins“, so Baaken.
Ein wichtiger Meilenstein war in diesem Zusammenhang der umfassende Ausbau des Gesundheitszentrums in den Kellerräumen des Gymnasiums Norf. „Damit sind wir ein Stück weit unabhängig von der Hallenbelegung der Stadtverwaltung geworden und können auch Sportangebote außerhalb der gewöhnlichen Zeiten machen“, so Baaken. Dazu passt auch, dass der TSV Norf für die lokale Bezirkssportanlage die Schlüsselgewalt übernommen hat. Allerdings nur teilweise, unter der Woche ab 16.30 Uhr und am Wochenende komplett, um das Ehrenamt nicht zu überfordern. Baaken kultivierte in seiner Amtszeit auch das Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Wenn neue Ideen eingebracht werden, wird zunächst alles daran gesetzt, sie umzusetzen. Wobei er auch eine unternehmerische Komponente einführte, also Projekte sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie kostendeckend sind.
Weitere wichtige Projekte in Baakens Amtszeit waren die Errichtung eines offenen Workout- und Dirt-Bike-Parks und der Bau der ersten multifunktionalen Freilufthalle im Rhein-Kreis Neuss, die anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Vereins im Jahr 2023 eröffnet wurde. Sie erweitert einerseits die Möglichkeiten für die eigenen Abteilungen und macht den Verein so attraktiver für neue Mitglieder, andererseits kann sie volldigital auch extern gebucht werden und bringt Geld in die Vereinskasse. Insgesamt steht der TSV Norf gut da, der allgemeine Aufwärtstrend bei den deutschen Sportvereinen in Sachen Mitgliedszahlen nach Corona zeigt sich auch bei ihm. Inzwischen sind es gut 1900.
Am liebsten würde es Hermann-Josef Baaken wie sein Vorgänger machen und das gut bestellte Feld an seine Stellvertreterin Karoline Büchler übergeben. Sie stellt sich bei der Mitgliederversammlung zur Wahl. Baaken selbst wird dem TSV Norf aber auch noch erhalten bleiben. Nicht nur als Ratgeber, mit seiner C-Lizenz Breitensport will er zusätzlich als Übungsleiter unterschiedliche Kurse geben. Und ganz ohne Funktionärstätigkeit geht’s dann doch nicht. Das Amt der Vorsitzenden des Sportbundes Rhein-Kreis Neuss plant er, noch mindestens für eine Wahlperiode von drei Jahren auszuüben.