Die russische Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko, die mittlerweile am Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin forscht, sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Die russische Wirtschaft befindet sich weiter in der Todeszone.“ Auch Putin hat offenbar die Lage erkannt und forderte sein Kabinett Ende April auf, Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu finden.
Strukturelle Mängel in der Wirtschaft
Es gibt eine Reihe von Ursachen für die Krise. Sie alle hängen mit dem von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine zusammen. Die wegen der Invasion erlassenen Sanktionen haben Russland von Technologien und neuen Investitionen aus dem Ausland abgeschnitten. Der weiterhin hohe Leitzins der Zentralbank würgt die Investitionstätigkeit der Unternehmer im eigenen Land ab. Bei so hohen Zinsen sind die Kredite teurer als der von den Investitionen zu erwartende Gewinn. Die Zentralbank steht daher seit geraumer Zeit in der Kritik des Unternehmer- und Industriellenverbandes.
Zu Kriegsbeginn ging es zunächst darum, die Bürger davon abzuhalten, all ihre Ersparnisse abzuheben und in Devisen zu tauschen. Später dann musste die Zentralbank vor allem den Inflationsdruck ausgleichen, der durch die Menge staatlicher Gelder erzeugt wurde, die in den Rüstungssektor und das Militär gepumpt wurden. Mehr Spielraum zur Senkung der Zinsen gebe es nicht, weil die Inflation am oberen Ende des von der Zentralbank bestimmten Zielkorridors liege, sagte die Chefin des Finanzregulators, Elvira Nabiullina.
Die gesamte Wirtschaft wurde seit 2022 auf die Bedürfnisse der Front umgestellt. Profitierte das BIP in den ersten drei Kriegsjahren noch von der Umstellung auf eine Kriegswirtschaft, weil die umfangreichen Staatsaufträge für den Rüstungssektor das Wachstum antrieben, so hat sich dieses Modell inzwischen überholt. Bereits 2025 konnte der anhaltende Boom in den Waffenfabriken die Krise im zivilen Sektor nur noch notdürftig übertünchen. Zu Beginn dieses Jahres gelingt dies nicht mehr.
Die strukturellen Mängel der Volkswirtschaft – niedrige Arbeitsproduktivität und Fachkräftemangel – sind nicht verschwunden. Im Gegenteil: Die Front wirke „wie ein Staubsauger“ und ziehe weitere Arbeitskräfte aus der Wirtschaft ab, sagte der Volkswirt Dmitri Nekrassow dem unabhängigen Portal „Meduza“.
Stimmung auf dem Tiefstand
Die Wirtschaftsstimmung in Russland war zuletzt auf einem historischen Tiefstand. Das ergab eine Umfrage des Russischen Verbands der Industriellen und Unternehmen (RSPP), über die zuerst das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ im Februar berichtete. Demnach bewerteten im Januar nur noch vier Prozent der befragten Firmen ihre Geschäftslage als gut, nach 14 Prozent im Vormonat.
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