In Prenzlauer Berg gibt es Streit unter Nachbarn. Die einen leben in Altbauwohnungen am Helmholtzplatz – der andere lebt auf dem Helmholtzplatz. Manni ist obdachlos und einigen Menschen in der Nachbarschaft ein Dorn im Auge. Dass er dort draußen auf der grünen Wiese lebt, mit Schlafsack und Isomatte, passt ihnen nicht.

Den Anwohnern geht es damit wie vielen Menschen in Berlin: Sie wünschen sich eine Stadt ohne Obdachlosigkeit.

Statt jedoch die Obdachlosigkeit zu bekämpfen, bekämpfen die Nachbarn den Obdachlosen. Nahezu täglich beschweren sie sich bei Bezirksamt und Polizei über Mannis Anwesenheit. Sie beklagen nicht nur illegales Campieren, sondern auch Müll und Lärm. Für all das kann aus ihrer Sicht nur einer verantwortlich sein: Manni, der Obdachlose.

Man möge sich einmal vorstellen, was die Nachbarn gemeinsam erreichen könnten, wenn sie all diese Energie in die Bekämpfung der eigentlichen Probleme stecken würden: Mietwucher. Armut. Therapieplatzmangel. Die Energie, die jetzt in Anzeigen fließt, könnte viel bewirken, wenn sie dorthin geht, wo sie tatsächlich Strukturen verändert.

Anwohner beklagen Probleme mit Obdachlosen-Camp am Helmholtzplatz

Obdachlose Menschen sind auch unsere Nachbarn

Am Helmholtzplatz fehlt das Nachbarschaftsgefühl. Und die Erkenntnis, dass obdachlose Menschen nicht das Problem sind. Sie sind Menschen, die unter den Problemen leiden. Ein Symptom, nicht die Ursache.

Wer sich eine Eigentumswohnung am Helmholtzplatz kauft, erkauft sich damit nicht das Recht, die Probleme dieser Stadt nicht sehen zu müssen.

Wer obdachlose Menschen vertreibt, verschiebt das Problem nur in die nächste Straße. Vielleicht sieht man es dann nicht mehr, wenn man aus der vierten Etage nach unten schaut. Aber spätestens beim nächsten Gang zum Bäcker.