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Er schätzte die Überlebenschancen auf 0,1 Prozent. Doch als Lehmann dem Wal in die Augen sah, änderte sich alles. Er spricht über das, was danach kam.

Es war eines der meistdiskutierten Naturschutz-Dramen der jüngeren deutschen Geschichte. Wochen lang kämpfte ein geschwächter Buckelwal in der Ostsee ums Überleben, mittendrin: Robert Marc Lehmann. Der Diplom-Biologe und YouTuber mit über einer Million Abonnenten war Hoffnungsträger und Reizfigur zugleich. Nun bricht er sein Schweigen. In einem langen Livestream-Q&A spricht er über Fehler, ob seitens der Medien, der Politik oder seine eigenen. Und wieso er immernoch sagt, dass Timmy lebt.

Robert Marc Lehmann und ein Buckelwal im Sprung. (Montage)Wochen nach Timmys Abtransport ins Skagerrak meldet sich Lehmann mit einem langen Statement. (Montage) © IMAGO/54° / Felix Koenig / IMAGO / imagebroker (Montage)

Seit dem 2. Mai 2026 ist Timmy, der Buckelwal, irgendwo im Skagerrak in der Freiheit. Ob er lebt, ist offiziell ungeklärt. Das Deutsche Meeresmuseum erklärte zuletzt, der Wal sei wahrscheinlich tot. Lehmann sieht das anders. In seinem Livestream sagte er: „Ich kann euch nicht sagen, ob der Wal lebt, ich kann nur sagen, das Meeresmuseum liegt falsch.“ Und am Ende des Streams, mehrfach wiederholt: „Er lebt noch,“ singt er beinahe.

Lehmann räumt Fehler ein – und erklärt warum

Lehmann gibt zu, sich geirrt zu haben, zumindest in einem Punkt. Vor dem Einsatz schätzte er die Überlebenschancen des Wals auf 0,1 Prozent. Als er das Tier dann persönlich erlebte, revidierte er diese Einschätzung. In seinem Livestream sagte er dazu: „Als ich das Tier gesehen habe, es erlebt habe, ihm in die Augen geschaut habe und gesehen habe, wie viel Energie der hat und wie viel Lebenswillen der hat, habe ich gedacht, krass, habe ich mich täuschen lassen.“ Ferndiagnosen, so sein Fazit, seien schlicht wertlos.

Dabei bleibt Lehmann in der Sache präzise. „Retten“ bedeute für ihn nicht, den Wal von der Sandbank zu holen. „Retten heißt, gesunden, anfangen zu fressen, auf dem richtigen Weg in die Arktis und dann langfristig überleben. Das ist eine Rettung. Alles andere ist nur von der Sandbank runterholen“, sagte er in seinem Livestream. Auch zur umstrittenen Fütterung mit 2,5 Kilogramm Makrelen bezieht er klar Stellung: Ein Wal dieser Größe fresse 500 bis 1.000 Kilogramm täglich, aber nur in arktischen Gewässern, wo er ohnehin gerade hinwollte. Indessen bleibt der Standort von „Timmy“ weiter unbekannt: Diese Karte zeigt Sichtungen von Buckelwalen in der Nordsee.

Buckelwal-Helfer kehren zurück – die bewegenden Aufnahmen von Timmys Reise in die NordseeWeitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee Rettung in die NordseeFotostrecke ansehen

Neben fachlichen Fragen nimmt Lehmann auch die politische Dimension in den Blick. Umweltminister Till Backhaus habe ihm telefonisch zugesichert, seinen Einsatz zu prüfen. Als Lehmann jedoch signalisierte, ab Montag nicht mehr verfügbar zu sein, habe Backhaus wenig später vor der Presse erklärt, wer den Wal wirklich retten wolle, der wäre jetzt vor Ort. Lehmann dazu in seinem Livestream: „Da stellt er sich vor die Presse, als der weiß, dass ich nicht mehr kann, und sagt: ,Wenn der Herr Lehmann es wirklich ernst meinen würde, dann wäre er jetzt hier.“ Backhaus selbst leugnete mehrfach, Helfer ausgeschlossen oder angefeindet zu haben, in einem Interview mit News5.

Lehmann zieht am Ende ein nüchternes Fazit: Der Fall Timmy sei gesellschaftspsychologisch etwas Neues gewesen, ein Ereignis, über das, wie er in seinem Livestream sagte, „irgendwann irgendwelche Studenten noch irgendwelche Master- und Bachelorarbeiten schreiben“ werden. Für ihn persönlich bleibt die Überzeugung: Es war es wert. Nicht alle Beteiligten sehen das so – etwa der Kapitän, der den Wal transportierte und den Einsatz heute bereut: „Hätte ich mal nicht geholfen.