Die Bundeswehr soll zurück nach Braunschweig kommen. Nachdem mehr als zwanzig Jahre lang kein Militär in der Stadt stationiert gewesen ist, soll sich das nun wieder ändern. Das Bundesverteidigungsministerium plant, in der Löwenstadt eines von gleich 24 Musterungszentren zu betreiben.

Damit sollen 50 Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch bringt unserer Stadt das wirklich so einen großen Mehrwert?

Braunschweig: Brauchen wir mehr Disziplin?

Oberbürgermeister Thorsten Kornblum hat in seinem Statement zum neuen Bundeswehrstandort in Braunschweig ziemlich klar gemacht, dass er diese Entscheidung ziemlich gut findet. Doch eben diese verursacht nicht bei allen Bürgern der Region freudige Gesichter. Die Diskussionen in den Kommentarspalten bei Facebook brodeln ordentlich. So heißt es auf der einen Seite: „Die Grundausbildung hätte nie abgeschafft werden dürfen!! Ob in Kriegszeiten oder in Friedenszeiten!! Die Abschaffung hat definitiv das Grund Bild der heutigen Jugendlichen sehr zum negativen verändert!! Da hätten die Jugendlichen wenigsten Anstand Respekt und Selbständigkeit beigebracht bekommen!! „Wo im Gegensatz zu heute kaum noch einer seine Schuhe binden kann respektlos und selbst überschätzend durch die Straßen läuft!! Bei der heutige Erziehung vieler Eltern heute zu Tage wird das nicht gelehrt!! Und wir hätten Generation die wenigstens mit ner Waffe um gehen könnten wenn es mal hart auf hart kommt!“ Es hagelt Kritik an der jungen Generation, gar an den Erziehungsberechtigten.

Auch interessant: VW-Insider spricht über „Gamechanger“ – „Ausmaße sind noch unklar“

Großartig. Wäre ja auch zu einfach, sich auch an die eigene Nase zu fassen. Denn ganz ehrlich, wollen wir wirklich die moralischen Werte und gesellschaftlichen Umgangsformen an militärische Gepflogenheiten binden? Ich möchte das bezweifeln. Ich denke, dass die Eltern in diesen Zeiten noch immer vor Herausforderungen stehen. Ja, wir erziehen unsere Kinder anders, als es noch vor 20, 30 oder 40 Jahren war. Wir versuchen noch mehr den Menschen zu sehen und seine Bedürfnisse. Wir fordern keinen blinden Gehorsam mehr, kein „Wenn der Keks redet, haben die Krümel zu schweigen“.

Wer derartige Duckmäuser sucht, wird hoffentlich bei den jungen Leuten nicht mehr so oft fündig. Denn Kinder und Jugendliche sollen sich eine Meinung bilden und nicht nur die anderer nachplappern. Sie sollen ihre Persönlichkeit entwickeln, Bedürfnisse fühlen und bei anderen erkennen lernen. Doch um gesellschaftlichen Umgang zu lernen, braucht es für mich keine Bundeswehr, sondern eine Gesellschaft, die wieder miteinander auf Augenhöhe lebt und agiert.

Braunschweig: Es bleibt eine Frage des Geldes

Ein anderer Kommentar gegen einen neuen Standort der Bundeswehr in Braunschweig argumentiert auf anderer Ebene. Es geht, na klar, ums liebe Geld: „Kein Geld für Infrastruktur, Schulen, Rentner, Straßen etc. Kasernen nicht mehr vorhanden, aber es ist großartig […] Wo zum Geier soll die Bundeswehr in Braunschweig biwakieren? Ach ja, geht ja erstmal um Rekrutierungsstandorte, aber dafür gibt es genügend Ladenleerstände in Braunschweig. Irgendwie komm es mir grad vor wie im Komödiantenstadl oder beim königlich- bayrischen Amtsgericht.“

📌 Die Bundeswehr in Braunschweig

  • Abzug: Mit der Schließung der Heinrich-der-Löwe-Kaserne (Rautheim) im Jahr 2003 endete die lange Tradition Braunschweigs als Garnisonsstadt.
  • Letzte Einheiten: In der Heinrich-der-Löwe-Kaserne waren zuletzt Panzergrenadierbataillone (u.a. 22 und 23) sowie Panzerbataillone (u.a. 21 und 24) der Panzerbrigade 2 stationiert.
  • Historische Bedeutung: Braunschweig war im Kalten Krieg einer der größten Garnisonsstädte Norddeutschlands, zeitweise sogar die zweitgrößte in der Bundesrepublik.
  • Kasernen: Neben der Heinrich-der-Löwe-Kaserne gab es weitere Standorte wie die Husaren-Kaserne (bis 1994) und die Leutnant-Müller-Kaserne (bis 1999).7
  • Heute wird das Gelände der ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne als Wohngebiet genutzt.
    Auch die Braunschweiger s

Aktuell ist noch nicht bekannt, was wann und wo passieren soll. Doch diese Fragen müssen gestellt werden. Muss die Stadt im schlimmsten Fall wieder Gelder in die Hand nehmen? Müssen neue Flächen gefunden werden oder zieht die Bundeswehr in ein bislang noch leerstehendes Gebäude? Alles noch nicht raus.

Doch in diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob wir die Wehrpflicht wieder brauchen. Braucht es dieses verpflichtende Tool, um junge Menschen auf das Leben vorzubereiten? Oder sollten wir nicht lieber auf diejenigen setzen, die aus sich heraus für die Bundeswehr brennen und dort mitmachen wollen? Denn, dass das Militär wichtig für Deutschland ist, möchte ich nicht in Frage stellen. Die Verteidigungsbereitschaft sollte sichergestellt sein. Doch braucht es dazu die Verpflichtung von – in meinen Augen – Kindern?

Mehr News:

Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass die Soldaten von ihrem Musterungsstandort aus mit Panzern über den Bohlweg brettern werden und in voller Montur über den Burgplatz schlendern oder im Prinzenpark grillen.

Wir Bürger werden dieses Verfahren vermutlich gar nicht und wenn wenn dann nur am Rande im Alltag bemerken. Am Ende wird es für mich auch gleich sein, ob mein Sohn in Braunschweig, Wolfsburg oder Hannover gemustert werden soll. Ich hinterfrage eher die Verpflichtung in dem Sinne, um die jungen Menschen aufs Leben vorzubereiten. Ganz ehrlich: Das schafft die Zivilgesellschaft in meinen Augen ziemlich gut.