Intendant Burkhard C. Kosminski Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Von wegen Krise: Das Schauspiel Stuttgart muss zwar sparen, will die aktuellen Erfolge aber auch durch Kooperationen fortsetzen.
Den Kopf steckt Burkhard C. Kosminski sicher nicht in den Sand. Auch wenn das Schauspiel Stuttgart sparen muss, geht der Intendant die neue Saison positiv an, „denn wir haben auch Chancen“. So kommt im Oktober „Tanzende Idioten“ von Thorsten Lensing nach Stuttgart. Die prominent besetzte Inszenierung, die im Mai beim Wiener Theatertreffen gezeigt wird, ist eine Koproduktion, mit der sich Kosten sparen lassen, ohne das Programm eindampfen zu müssen. Deshalb wird auch „Sacred Monster“ von Nino Haratischwili nach der Uraufführung in Stuttgart an die Hamburger Elbphilharmonie wandern. Der Abend mit Orchester und Chor dreht sich um Medea und Frauen, die zu Täterinnen werden.
Eröffnet wird die Saison mit einer „theatralen Erkundung zu Hannah Arendt“, die der Intendant inszeniert. Auf der Bühne wird auch Daniel Cohn-Bendit stehen, einst prominenter Vertreter der Studentenbewegung. Aber auch die „Klassikerpflege“ ist Kosminski wichtig – mit Schillers „Kabale und Liebe“ und Shakespeares „König Richard III.“, der von Andreas Kriegenburg inszeniert und von Max Simonischek gespielt werden wird.
Auf Erfolgskurs
Das Schauspiel Stuttgart ist derzeit auf Erfolgskurs, davon zeugen die Einladungen zum Berliner Theatertreffen und zum Heidelberger Stückemarkt, aber auch Gastspielanfragen sogar aus Schanghai. Für Kosminski ist das ein Beleg, dass es sich ausgezahlt hat, das Team zu verjüngen, zumal mehrere Abschiede anstehen. Michael Stiller geht in den Ruhestand und für Gabriele Hintermaier und Boris Burgstaller ist 2026/27 die letzte Spielzeit. Sie haben sich zum Abschied Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ gewünscht. Sie werden die Geschichte eines strauchelnden Paares während der Weltwirtschaftskrise im Kammertheater spielen.
Neue digitale Welten erobern
Das Kammertheater habe sich ansonsten sehr erfolgreich als Ort für zeitgenössische Texte etabliert, so Kosminski. Für die neue Saison haben Alina Sarnatska, Maryna Smilianets und Luda Tymoshenko drei Minidramen geschrieben über eine Erfahrung, die sie auch selbst machen mussten: „Flüchtige Welten“ handelt von Ukrainerinnen, die nach Deutschland geflohen sind. Zwischen Kunst und Theater bewegen sich zwei weitere Uraufführungen: In „Die Jäger im Schnee“ von Clemens Setz geht es um virtuelle Museumsbesuche für kranke Menschen. Der Künstlerautor Stephan Kaluza wird dagegen eine Faust-Variante schreiben, bei der die KI teuflisch am Werk ist. Kosminski wird inszenieren und hofft, auch visuell neue digitale Welten erobern zu können.
Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ für Familien
Mit der Bühnenfassung des Romans „Zierfische in Händen von Idioten“ von Manuel Butt will man nun auch explizit eine Produktion für Jugendliche anbieten, was ein Wunsch der Schulen war, mit denen das Schauspiel Stuttgart zusammenarbeitet. Derzeit sind es knapp 140 Partnerschulen, die am Schauspiel Workshops, Proben und Fortbildungen besuchen können. Während das Europa Festival wegen der Kürzungen auf wackligen Beinen steht, wird das Stuttgarter Schultheaterfestival im Sommer 2027 wieder stattfinden. Außerdem kommt für Familien im Schauspielhaus am 29. November Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ heraus.
Info
Tickets
Karten für alle bereits veröffentlichten Termine der Spielzeit sowie für das gesamte Programm von Oper, Ballett und Schauspiel im September und Oktober gibt es vom 13. Juli (10 Uhr) an online, telefonisch und an der Theaterkasse.
Abo
Die Staatstheater Stuttgart bieten eine Vielzahl von Abonnements an. Alle sind buchbar vom 26. Mai an. Platz- und Serienwechsel können vom 18. Mai bis zum 12. Juni vorgenommen werden. Der Blick in die Abo-Angebote lohnt sich auf jeden Fall. Angeboten wird zum Beispiel auch ein Abo jung für junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren für 42 Euro mit einem Preisvorteil von 75 Prozent.
Gutscheine
Tickets für Staatstheater-Vorstellungen verschenken? Das geht mit Gutscheinen, die es im Online-Shop auch zum Selbstausdruck gibt. Die Gutscheine sind drei Jahre gültig.