Liebe Leserin, lieber Leser,
wegen des Feier- und Brückentags ist dies die letzte
Ausgabe der Elbvertiefung dieser Woche. Darin möchte ich die These aufstellen,
dass möglicherweise nicht am morgigen Himmelfahrtstag in diesem Land die
meisten Stoßgebete gen Himmel geschickt werden, sondern erst zwei Tage später.
Kein Feiertag, aber Bundesliga-Spieltag. Diesmal werden vermutlich mehr höhere
Mächte als sonst in den Fußballstadien beschworen. Und zwar ganz besonders bei
den Fans der drei letztplatzierten Teams, zu denen auch der FC St. Pauli zählt.
Falls Sie dem Fußball nicht allzu viel abgewinnen, sehen
Sie es Ihren fußballverrückten Angehörigen, Freunden und Kolleginnen nach, dass
sie in diesem Ausnahmezustand am Samstag zwischen 15.30 und voraussichtlich
17.30 Uhr noch etwas häufiger Live-Ergebnisse oder die Blitztabelle
aktualisieren als gewöhnlich. Es läuft einer der spannendsten Abstiegskämpfe, den
die Bundesliga je zu bieten hatte.
Vor dem letzten Spieltag
der aktuellen Saison stehen die drei Schlusslichter alle bei 26 Punkten: der 1.
FC Heidenheim, der VfL Wolfsburg und eben die Kiezkicker. Letztere müssen noch
dazu ins direkte Duell mit den Wolfsburger Wölfen. Diese würden sich mit einem
Sieg am Millerntor den Relegationsplatz 16 sichern. Ihnen reicht sogar ein
Unentschieden, wenn Heidenheim parallel nicht gewinnt. Für den FC St. Pauli ist
die Lage verzwickter. Den Hamburgern genügt unter Umständen nicht einmal ein
Sieg, wenn Heidenheim im Parallelspiel gewinnt, denn bei Punktgleichheit
entscheidet das Torverhältnis.
In der ganzen Saison hat der FC St. Pauli nur 28 Tore
geschossen, ausgerechnet in dieser Partie mit Endspielcharakter müssen gleich
ein paar mehr Treffer her. Die Konkurrenz aus Heidenheim hat allerdings schon
bewiesen, dass kleine Fußballwunder möglich sind: Vor wenigen Wochen noch weit
abgeschlagen in der Tabelle und von vielen bereits als Zweitligist
abgeschrieben, haben sie sich wieder rangerobbt. Manche sprechen »von der größten Auferstehung seit 2.000 Jahren« (Z+).
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Wir werden sehen, ob es auch diesmal Anlass zu
Bibelvergleichen gibt. Sicher ist schon jetzt: Nicht alle Stoßgebete werden erhört.
Ich
wünsche Ihnen ein schönes, langes Wochenende.
Ihre Viola Diem
Wollen
Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten
sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.
WAS HEUTE WICHTIG IST
© picture alliance/dpa
Der in Hamburg ansässige Tankstellenbetreiber Shell hat von
Montag bis Dienstag an Autobahntankstellen Diesel versehentlich deutlich
unter Marktpreis angeboten. Eine manuelle Fehleingabe habe wegen der neuen
12-Uhr-Regelung nicht mehr korrigiert werden können, teilte eine Sprecherin mit.
Der HSV hat Kathleen Krüger als Sportvorständin
verpflichtet. Die 40-Jährige tritt im Juli den seit mehr als vier Monaten
vakanten Posten an. Krüger kommt vom FC Bayern München und wird die erste Frau
in dieser Rolle in der Fußballbundesliga.
Nach der Verhaftung eines 17-jährigen Syrers
wegen eines geplanten Terroranschlags in Hamburg gibt es nach Angaben der
Staatsanwaltschaft bislang keine Anhaltspunkte für Mittäter oder
Hintermänner.
Ein Mann soll am Abend des 5. Mai in Dulsberg an
der Bushaltestelle U-Straßburger Straße gewaltsam in einen weißen
Transporter mit rumänischem Kennzeichen gezogen worden sein. Seitdem ist
sein Aufenthaltsort unbekannt. Die Polizei sucht nun nach Zeugen.
Rund um das lange Himmelfahrtswochenende sollten
sich Autofahrer auf Staus einstellen. Der ADAC erwartet insbesondere
heute Nachmittag, morgen Vormittag sowie ab Sonntagnachmittag erhebliche
Verkehrsbehinderungen.
AUS HAMBURG
© Bernhard Sprengel/picture alliance/dpa
Für manche von ihnen sind Terroristen Widerständler
Die Linke organisiert ein israelfeindliches Camp in
Hamburg mit. Eingeladen wurden auch Hamas-Sympathisanten. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel der ZEIT-Autoren Tom Kroll und
Christoph Twickel.
Ein
großes Banner flattert im Wind. »Solidarität mit dem Widerstand«
steht darauf. Auf der Moorweide, einer Wiese mitten in der Hamburger
Innenstadt, haben Aktivisten ein Camp errichtet.
An Ständen werden Sticker verkauft – auf einem wird
Bundeskanzler Friedrich Merz als Terrorist bezeichnet. Ein paar
Stände weiter hängen Zettel mit Parolen wie »Verteidigt Iran« und
»Keine Waffen für Israel & Ukraine«. Auf dem Büchertisch des
Camps liegt das Buch Hamas. Der politische Islam in Palästina.
Es ist ein wohlwollendes Werk der deutschen Politikwissenschaftlerin
Helga Baumgarten, die in einem Nachruf den Hamas-Anführer Yahya
Sinwar als »Ikone für den palästinensischen Widerstand« feiert.
Seit vergangenem Samstagmorgen betreibt unter anderem eine Gruppe
der Partei Die Linke das propalästinensische Protestcamp. Es steht
unter dem Titel »Bridges of Resistance«. Aus der Sicht der
Organisatoren ist es eine Protestaktion gegen die andauernde
Vertreibung der Palästinenser.
Es zeigt sich aber auch, wie ein bestimmtes linkes Milieu
islamistischen Terror gegen Israel und seine mehrheitlich jüdische
Bevölkerung als legitimen Widerstand zu deuten scheint. Zum Camp
aufgerufen hatte nicht nur die Linkspartei, sondern auch eine
Organisation, die sich mit dem arabischen Wort »Thawra« betitelt,
zu Deutsch: »Revolution«.
Bereits im Mai 2024
zogen ihre Aktivisten auf die Moorweide und betrieben dort monatelang
ein Protestcamp, das bis September andauerte und wiederholt für
Konflikte, Polizeieinsätze und Straftaten in der Stadt sorgte.
Bundesweit bekannt wurde ein antisemitischer Übergriff einer
Anmelderin des damaligen Camps. Sie griff bei einer Antisemitismus-Veranstaltung an der
Universität Hamburg eine Teilnehmerin an (Z+).
Nach dem Camp verschwand Thawra nicht, sondern verlagerte seine
Aktivität vor allem auf Social-Media-Kanäle. Auf Instagram hat ihr
Kanal fast 13.000 Follower. Der Hamburger Verfassungsschutz sieht
einen »deutlichen Antisemitismus« in der Gruppe, die künftig auch
im Verfassungsschutzbericht auftauchen wird.
Wie es in dem Protestcamp
zugeht und was das mit der Partei Die Linke zu tun hat, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
© Peter Rigaud/laif
»Mit der AfD ist kein Staat zu machen«
Warum er die Debatte über eine Minderheitsregierung
und die Brandmauer zur AfD falsch und geschichtsvergessen findet, führt Altkanzler Olaf
Scholz in seinem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der ZEIT aus. →
Zum Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Im Feldstraßenbunker präsentiert die Bunkerhill-Collection
eine Gruppenausstellung in den neuen Räumlichkeiten auf Level 4 des Bunkers.
Die ausgestellten Werke in Echoes of
Reality spiegeln die Fragilität der menschlichen
Existenz wider und die verschiedenen Schichten der Realität unter der
Oberfläche. Die Schau versammelt Malerei, Skulptur und digitale Inszenierung.
»Echoes of Reality«, bis 24.5.; Bunkerhill-Collection, Bunker, Feldstraße
66, Level 4 / Neubau, Zugang über den Bergpfad oder den Fahrstuhl
MEINE STADT
Feierabend © Bettina Tschaikowski
HAMBURGER SCHNACK
Bei einem Weinhändler in den Walddörfern. Wir verkosten einen Rotwein aus
Frankreich. Der Chef grübelt die ganze Zeit, wonach der Wein so besonders
duftet, und fragt einen Kollegen: »Wir haben doch neulich schon darüber
gesprochen. Irgendwas mit ›F‹. Fliederbeeren, Fenchel. Was war es denn?« Der
Kollege riecht in das Glas und strahlt: »Veilchen.«
Gehört von Thomas Büscher
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