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Die Zugspitze ragt fast 3000 Meter über Deutschland auf. Dennoch scheinen viele junge Menschen den Berg ohne große Vorbereitung bezwingen zu wollen.

Ehrwald – In Zeiten von Sozialen Medien wollen immer mehr Menschen hoch hinaus. Manche sogar wortwörtlich. Sehr zum Leidwesen der Bergretter. Denn die müssen umso häufiger ausrücken, um in Not geratene Hobby-Kletterer in Sicherheit zu bringen. Besonders beliebt scheint für die ungeübten Alpinisten die Zugspitze zu sein, mit 2962 Metern höchster Berg Deutschlands und auch von Österreich aus zu erklimmen.

Kletterer am Gipfelkreuz der ZugspitzeSie haben es ganz nach oben geschafft: Während viele Wanderer das Gipfelkreuz auf der Zugspitze aus nächster Nähe bewundern können, übernehmen sich auch immer wieder Hobby-Kletterer beim Aufstieg. © picture alliance/dpa | Peter Kneffel

Wie die Kronen-Zeitung berichtet, brachte das Team der Bergrettung Ehrwald allein am ersten Mai-Sonntag drei feststeckende Bergsteiger ins Tal. Diese hätten sogar eine deutlich erkennbare Steigsperre ignoriert. Ob allein für den Kick oder um die eigenen Follower mit besonders spektakulären Aufnahmen zu füttern, ist letztlich unerheblich. „Je extremer eine Tour zu sein scheint, desto lieber haben sie es“, wird Robin Lutnig, Chef der Bergrettung Ehrwald, in dem Artikel zitiert.

Bergretter an der Zugspitze: Jungen Wanderern „fehlt Erfahrung und Gespür für die Berge“

Die unerfahrenen Alpinisten würden nicht nur aus Deutschland oder Italien kommen, sondern auch aus den USA, aus Tunesien oder aus Indien anreisen. „Sie sind über die sozialen Medien auf Touren gestoßen und sehen die Berge als Spielplatz“, kritisiert Lutnig. Oftmals würden sie die Touren mit dem Gedanken starten, dass „da eh nichts dabei sei“.

Wobei sie nicht unbedingt völlig unvorbereitet loslegen. „Die jungen Leute haben zwar oft eine gute Ausrüstung dabei, wissen aber nicht, wie man damit umgeht“, nennt der Berg-Experte ein Problem. In der Regel handele es sich um junge Männer und Frauen unter 20 Jahren, die konditionell auf der Höhe seien, „es fehlt ihnen aber jede Erfahrung und jedes Gespür für die Berge“.

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Zu Wort kommt auch Lutnigs Stellvertreterin Regina Poberschnigg, die eine weitere Gefahr nennt: „Diese jungen Leute gehen häufig stundenlang im Schnee, ohne zu bedenken, dass sie auch noch zurück oder die letzte Talfahrt der Zugspitzbahn erwischen müssen. Umdrehen gibt es für sie nicht.“ Die Folge: Ihnen fehle die Kraft für den Rückweg, geraten sie in Dunkelheit, komme Panik auf. „Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm“, ergänzt sie.

Bergrettung warnt vor Tour auf Zugspitze: „Infos nicht bei TikTok oder Instagram einholen“

In der noch jungen Wandersaison hätten allein die Tiroler Bergretter aus Ehrwald schon rund 30 solcher Fälle erlebt. Zum Glück seien die unbedarften Hobby-Alpinisten allesamt praktisch unverletzt geblieben.

Auf ihren Social-Media-Accounts warnte die Bergrettung Ehrwald bereits am 11. April vor derartigen Ausflügen. Binnen einer Woche wurden demnach vier Einsätze mit acht geretteten Personen gezählt, „welche aufgrund der Schneeverhältnisse und mangelhafter Planung oder fehlender Ausrüstung blockiert waren und gerettet werden mussten“. Damit lag die Zahl der „in diesem Jahr im Winter“ geretteten Bergsteiger bereits zu jenem Zeitpunkt bei 21.

Kletterer am verschneiten Berg, Polizeihubschrauber steht im SchneeSzenen am Berg: Rettungseinsätze wegen überforderter Wanderer werden auf der Zugspitze zunehmend zur Normalität. © Facebook Bergrettung Ehrwald

„Um solche Einsätze zu vermeiden, appellieren wir stark an den Hausverstand und an das umfangreiche Informieren über solche Touren“, schreibt das Team auf Instagram und Facebook und gibt den wichtigen Ratschlag: „Infos z.B. bei lokalen Alpinschulen einholen, nicht aus TikTok oder Instagram“.

Zugspitze erklimmen: Nicht jeder vermeintliche Kletterer ist zu Fuß hochgekommen

Bereits am ersten Wochenende des Jahres hatte der ORF berichtet, dass die Bergrettung Ehrwald zwei- bis dreimal pro Woche ausrücken müsse. Auch damals wurde thematisiert, dass junge Wanderer von Social-Media-Posts über vermeintlich gute Verhältnisse angelockt würden und dann nahezu unvorbereitet in gefährliche Situationen gerieten.

Barbara Stehr, Marketing-Leitung der Tiroler Zugspitzbahn, gab zu bedenken, dass manche vermeintlichen Kletterer posten würden, sie seien hinaufgestiegen, obwohl sie in Wahrheit die Bahn genutzt haben. Mit der kann der Höhenunterschied von 1725 Metern in zehn Minuten überwunden werden.

Mit Blog-Artikeln, Social-Media-Posts und Hinweisen zu sicheren Routen sollte dem Trend entgegengewirkt werden. Zudem sollten den alpinen Risiken mit aktiven Informationen begegnet werden. (Quellen: Kronen-Zeitung, Bergrettung Ehrwald, ORF) (mg)