Wohl kein Getränk vermittelt uns Deutschen das italienische „Dolce Vita“ mehr als der Aperol Spritz. Dieser herrlich knallorangene Gaumenkitzler, der wie ein Feuerwerk aus den süßen Früchten der Amalfiküste und dem Prickeln venezianischer Schaumweine schmeckt.
Aperol Spritz in der Gastronomie: Bei diesem Preis falle ich fast von der Bierbank
Sommer, Sonne, Aperol? Das Mixgetränk aus Prosecco oder Weißwein und Mineralwasser und dem gleichnamigen norditalienischen Likör ist längst ein ganzjähriger Klassiker. Auf den Weihnachts- und Christkindlmärkten gibt es den Spritz mittlerweile als wärmend heiße Variante. Und auf dem Stuttgarter Frühlingsfest servierten sie den Aperol zuletzt als erfrischende Alternative zum überaus herben, bernsteinfarbenen Festbier.
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Aber musste diese Erfahrung auf dem Cannstatter Wasen gleich so teuer ausfallen? Denn: Als mir der Kellner den Preis für den halben Liter Aperol Spritz nannte, fiel ich schier von der Bierbank. 14,40 Euro wollte der hemdsärmelige Gastronom von mir. Als ich ihn ungläubig ansah, bekräftigte der wuchtige Kellner mit sehr viel Nachdruck in der Stimme, was bestellt sei, müsse hier auch abgenommen werden.
Zutaten für Aperol Spritz sind gar nicht so teuer
So zahlte ich den Aperol wenig begeistert und mit grummeliger Stimme. Samt Trinkgeld waren es 15 Euro. Und beim ersten Schluck stellte ich fest: Beim Mineralwasser hatten sie nicht gespart, beim Rest umso mehr. Dabei sind die Grundzutaten für einen Aperol Spritz laut eines Berichts gar nicht so teuer. So schrieb die „WirtschaftsWoche“ (WiWo) kürzlich von einem geringen Wareneinsatz.
Aperol, Prosecco, Mineralwasser und eine Orangenscheibe würden sich pro Glas im Einkauf auf etwa 1,40 Euro summieren, heißt es in der Analyse des Fachmagazins. Tolerant eingeschätzt: Ein halber Liter dürfte etwas mehr kosten. Dennoch: Wenn man selbst die im Bierzelt wohl überschaubaren Personalkosten pro Glas hinzurechnet, fühlen sich 14,40 Euro für mich wie reiner Gastro-Wucher an.
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Cannstatter Wasen: Diskussion über teure Preise in Stuttgart
Brisant: Schon seit Monaten gibt es in Stuttgart und über den Schwabenkessel hinaus teils hitzige Diskussionen über die Preise an Fahrgeschäften, Imbissbuden und in den Bierzelten des Cannstatter Wasen.
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Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ schreiben, kosten die Feste auf dem Wasen die baden-württembergische Landeshauptstadt jedoch schlicht zu viel Geld. Hohe Aufwendungen für Sicherheit, ÖPNV und Infrastruktur seien als Beispiele genannt. Ein Grund für den Aperol-Wucher könnte somit sein, dass die Festwirte seit diesem Frühlingsfest mehr Platzentgelt zahlen müssen.
Werden der Aperol Spritz und die Maß Bier bald noch teurer?
Laut „SWR“ stiegen besagte Platzentgelte in diesem Jahr um satte 36 Prozent. Ordnungsdienst, die Reinigung des Geländes, der Brandschutz und der Abstransport des Mülls wurden seitens der Stadt demnach als Argumente vorgebracht. In Zeiten hoher Inflation dürften auch diese Kosten nicht zurückgehen. Und so bin ich gespannt, wann die 20-Euro-Marke geknackt wird – bei der Maß Bier und dem halben Liter Aperol Spritz. Nach „Dolce Vita“ fühlt sich das jedenfalls nicht mehr an.