Die Angeklagte Daniela Klette steht neben einem ihrer Anwälte im Gerichtssaal.

AUDIO: Klette-Prozess: Was von den Plädoyers der Verteidiger zu erwarten ist (1 Min)

Stand: 13.05.2026 07:17 Uhr

Der Prozess in Verden gegen die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette nährt sich dem Ende. Heute will die Verteidigung ihr Plädoyer halten. Die Angeklagte hatte sich gestern bereits selbst geäußert. Danach kam es zu einem Tumult.

von Helmut Eickhoff und Philipp Schaper

Die Verteidiger werden nach Einschätzung von NDR Reporterinnen und Reportern auf den Raubüberfall in Stuhr bei Bremen eingehen. Klette wird vorgeworfen, dort mit ihren mutmaßlichen Ex-RAF-Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg einen Geldtransporter überfallen zu haben. Bei dem Überfall waren Schüsse gefallen. Die Staatsanwaltschaft wirft Klette deswegen versuchten Mord vor. Ihre Verteidiger könnten versuchen, das zu entkräften.

Ein undatiertes Fahndungsfoto der mutmaßlichen RAF-Terroristin Daniela Klette.

Für die einen ist sie eine skrupellose Verbrecherin. Für andere ist sie einfach eine nette Frau mit Hund.

Klette: Verfahren ist politisch bestimmt

Gestern hatte sich die Angeklagte selbst vor dem Landgericht Verden geäußert. Sie behauptete, dass an ihr ein Exempel statuiert werden solle. Sie hatte ihren Auftritt als politische Bühne und für Kapitalismuskritik genutzt. Zu den ihr vorgeworfenen Taten äußerte sie sich nicht konkret. Allerdings gestand sie indirekt ein, dass es ihr leid tue, wenn Beteiligte traumatisiert seien. Das mutmaßliche Ex-RAF-Mitglied Klette sagte im Schlusswort erneut, dass das Verfahren politisch bestimmt sei. Es gehe dem Gericht nicht um die einzelnen Taten, sondern darum, den politischen Widerstand zu delegitimieren. Sie sei irgendwann in den Untergrund abgeglitten, weil der Staatsschutz sie immer schärfer überwacht habe, so die 67-Jährige.

Die zum Gerichtssaal umgebauten Reithalle in Verden

Die Angeklagte hat die Kosten für das umgebaute Gebäude kritisiert. Die Verteidigung nennt den Gerichtssaal „überdimensioniert“.

Gerangel zwischen Beamten und Klette-Unterstützern

Am Ende ihrer Einlassung kam es zu einem Eklat im Zuschauerraum. Klette beendete ihre Ausführungen mit den Worten: „Wirklich frei sein können wir erst, wenn alle frei sind.“ Rund zwei Dutzend Unterstützerinnen und Unterstützer sprangen daraufhin von ihren Sitzplätzen auf, klatschen der Angeklagten Beifall und zeigten ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Daniela Klette“. Sofort stürmten Justizbeamte nach vorn und entrissen den Unterstützern das Banner.

Nebenklage wertet Überfall als schweren Raub

Steffen Hörning und Marcel Reinhardt, Anwälte der Nebenklage im Klette-Prozess, unterhalten sich.

Opferanwalt Steffen Hörning (links) hofft auf eine lange Haftstrafe für Daniela Klette. (Archivbild)

Vor Klette hatte am Vormittag Steffen Hörning das Wort. Hörning vertritt als Nebenklageanwalt den Fahrer des Geldtransporters, den drei bewaffnete Personen – mutmaßlich Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg – am 6. Juni 2015 in Stuhr (Landkreis Diepholz) nahe Bremen überfallen hatten. Er forderte in seinem Plädoyer elf Jahre Haft wegen versuchten schweren Raubes für die Tat in Stuhr. Er sprach die Angeklagte direkt an. „Frau Klette, Sie tun mir leid. Nicht, weil Sie in einer Zelle sitzen, denn da gehören Sie hin. Ich habe das Gefühl, dass Sie in sich selbst gefangen sind“, sagte Hörning. „Wenn Sie das eines Tages begreifen werden, dann wird es ein schwieriger Moment für Sie.“

Klette-Unterstützer feiern Angeklagte

Schon vor Beginn des Verhandlungstages hatten die Klette-Unterstützer für Aufsehen gesorgt. Als Justizbeamte die 67-Jährige in den Gerichtssaal führten, begrüßte die Gruppe die Angeklagte mit Applaus. Nebenklageanwalt Hörning empfand den Auftritt als befremdlich. „Das habe ich in all meinen Jahren als Anwalt nicht erlebt, dass eine Angeklagte mit Applaus empfangen wurde. Das muss ich erstmal meinem Mandanten erklären, der bis heute arbeitsunfähig ist“, sagte Hörning in der Einleitung zu seinem Plädoyer.

Anklage fordert 15 Jahre Haft für Klette

Staatsanwältin Annette Marquardt wartet zu Beginn eines Verhandlungstages im Klette-Prozess.

Staatsanwältin Annette Marquardt sieht Beweise für Klettes Schuld. (Archivbild)

Die Anklage hatte vor zwei Wochen ihr Plädoyer gehalten. Darin warf Staatsanwältin Annette Marquardt Daniela Klette acht Raubüberfälle auf Supermärkte und Geldtransporter zwischen 1999 und 2016 vor. Marquardt fordert 15 Jahre Haft unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes und schweren bandenmäßigen Raubes mit Waffen.

Urteil soll Ende Mai fallen

In zwei Wochen soll der Prozess vor dem Landgericht Verden beendet werden. Am 27. Mai wollen die Richter das Urteil sprechen. Klette droht anschließend noch ein weiterer Prozess: Die Bundesanwaltschaft hatte erst kürzlich Anklage erhoben. Dabei geht es um Klettes mögliche Beteiligung an terroristischen Anschlägen.

Gericht verhandelt Prozess in umgebauter Reithalle

Das Gebäude des Landgerichts Verden war für den Klette-Prozess zu klein – und nicht den Sicherheitsanforderungen entsprechend. Um diese zu erfüllen, wurde eine ehemalige Reithalle in Verden-Eitze zu einem Gerichtssaal umgebaut. Die Miete, inklusive der Ausgaben für den Umbau, kostet laut Justizministerium rund 3,6 Millionen Euro. Der Prozess war vor 13 Monaten zunächst in Celle gestartet.

Video:
Mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette sagt aus (4 Min)

Daniela Klette sitzt im Oberlandesgericht Celle im Gerichtssaal.

Im Prozess vor dem Landgericht Verden will sich die Angeklagte äußern. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft.

Daniela Klette steht mit ihrem Anwalt Lukas Theune im Gerichtssaal in Verden

In dem Verfahren geht es um Raubüberfälle, Waffen und viel Geld. Das Urteil soll Ende Mai fallen.

Daniela Klette steht in einem Gerichtssaal.

Die Anklage hat ihr Plädoyer am Mittwoch fortgesetzt und beendet. Daniela Klette steht wegen mehrerer Raubüberfälle vor Gericht.

Daniela Klette steht im Oberlandesgericht Celle im Gerichtssaal.

Die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin äußerte sich vor Gericht persönlich. Ihre Verteidiger forderten die Einstellung des Verfahrens.