Ein ehemaliger Formel-1-Fahrer in Untersuchungshaft, sehr viele teure Luxusfahrzeuge, ziemlich vermögende Kunden, Fahndungen des Landeskriminalamts Stuttgart: Die Insolvenz der DS Motoren GmbH aus dem Münchner Vorort Grünwald hat jetzt schon das Zeug zum Wirtschaftskrimi. Doch die Pleite zieht noch weitere Kreise. Nun musste auch das Unternehmen Nürnberger Leasing mit Hauptsitz in Schwaig bei Nürnberg Insolvenzantrag stellen.

Die Schwierigkeiten stünden in direktem Zusammenhang mit der Pleite der DS Motoren, sagte Alexander Kubusch. Der Rechtsanwalt ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. „Es hat den Anschein, dass einige der sehr teuren Fahrzeuge offenbar mehrfach verkauft oder durch neue Leasingverträge eingedeckt wurden“, sagte Kubusch der Süddeutschen Zeitung. Wer letztlich aktueller Eigentümer dieser Fahrzeuge ist, sei unklar. Es bedürfe der „Klärung schwieriger und teils grenzüberschreitender Rechtsfragen“, so Kubusch weiter. „Teilweise gibt es bis zu vier Parteien, die Eigentumsrechte für sich beanspruchen. Leasing- und Schlussraten sind offenbar teilweise nicht gezahlt worden.“ Das Finanzamt Nürnberg habe schließlich Antrag auf Insolvenz gestellt, weil zuletzt Umsatzsteuerzahlungen in Millionenhöhe ausblieben.

Das Landeskriminalamt fahndet europaweit nach betreffenden Autos

Es ist ein komplizierter Fall: Die DS Motoren hatte sich auf den An- und Verkauf von Luxusfahrzeugen etwa der Marken Porsche, Ferrari, Koenigsegg, Bugatti oder Mercedes spezialisiert und dabei offenbar mit der Nürnberger Leasing zusammengearbeitet. Viele der Fahrzeuge fangen bei einem Wert von einer Million Euro an, manche sind noch deutlich teurer, etliche werden über Leasingverträge finanziert. Im Dezember hatte die Firma, hinter der der ehemalige Formel-1-Fahrer Adrian Sutil steht, dann Insolvenzantrag gestellt, zuvor war es offenbar zu massiven Unregelmäßigkeiten gekommen. Sutil, 43, fuhr in seiner Karriere insgesamt 128 Grand-Prix-Rennen für verschiedene Teams, kam aber nie unter die ersten drei.

„Einen solchen Fall wird es so schnell nicht wieder geben“, sagte zuletzt Alexander Zarzitzky, der Insolvenzverwalter von DS Motoren. Sutil und ein Geschäftsführer sitzen derzeit in Stuttgart-Stammheim in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs sowie der Unterschlagung im Zusammenhang mit der Doppelfinanzierung von Leasingfahrzeugen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Ermittler fahnden gleichzeitig europaweit nach den betreffenden Fahrzeugen und haben bereits einige sichergestellt.

Insolvenzen

:„Einen solchen Fall wird es so schnell nicht wieder geben“

150 Luxusautos und ein Ex-Formel-1-Pilot in Haft: Die Insolvenz der DS Motoren aus Grünwald hat das Zeug zu einem Wirtschaftskrimi. Es geht um sehr viel Geld und ein mögliches Schneeballsystem.

Nach Angaben Kubuschs hatte sich Sutil an der Muttergesellschaft der Nürnberger Leasing, der Dori Vermögensverwaltungs-GmbH von Firmengründer Ferdinand Dorn, beteiligt. Das Ziel: Die Geschäftsaktivitäten sollten auch auf die angeblich lukrative Leasingfinanzierungen von Luxusfahrzeugen ausgedehnt werden. „Die Nürnberger Leasing hat etwa 60 Mitarbeitende in der Gruppe. Es gibt rund 2000 Leasingfälle mit einem Gesamtvolumen von knapp 250 Millionen Euro“, teilte Kubusch mit. Von diesen 2000 Fällen entfallen demnach etwa 25 auf das Leasing von Luxusfahrzeugen. Die mittelständische und unabhängige Leasingfirma, die 1992 gegründet wurde und zu den eher kleinen der Branche gehört, hat neben Autos auch Lokomotiven, Baumaschinen und Ähnliches im Bestand.

Wer zu den finanzierenden Banken des fränkischen Leasinganbieters gehört und ob darunter auch Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind, ist unklar. „Die Zusammenarbeit mit der Finanzaufsicht Bafin und den refinanzierenden Banken ist sehr konstruktiv. Alle Beteiligten arbeiten sehr professionell und lösungsorientiert“, sagte Kubusch. Oberstes Ziel sei derzeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. Das Insolvenzverfahren werde voraussichtlich am 1. Juli eröffnet. Offen ist derweil, ob und wie stark auch andere Finanzierungsanbieter von der Insolvenz der DS Motoren betroffen sind.