Tausende Angriffe des amerikanischen und israelischen Militärs gab es seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten – ein wirkliches Ende der Kampfhandlungen ist aber nicht in Sicht. Aktuell herrscht im Iran-Krieg eine brüchige Waffenruhe, Verhandlungen sind ins Stocken geraten.

Und der Iran agiert offenbar aus einer Position der Stärke: US-Medienberichten zufolge verfügen die Mullahs noch immer über den Großteil ihrer Bestände an mobilen Abschussrampen und Raketen. Die „New York Times“ berichtet über Erkenntnisse von US-Geheimdiensten, wonach das Regime im Iran noch etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent des Raketenarsenals habe, das es vor dem Krieg hatte.

Dieser Bestand umfasse sowohl ballistische Raketen, die andere Staaten in der Region ins Visier nehmen können, als auch einen kleineren Vorrat an Marschflugkörpern, die gegen Ziele mit kürzerer Reichweite an Land oder auf See eingesetzt werden können.

Die Zeitung beruft sich dabei auf Personen, die mit den Geheimdiensterkenntnissen von Anfang dieses Monats vertraut sind. Demnach habe der Iran auch wieder Zugang zu ungefähr 90 Prozent seiner unterirdischen Raketenlager- und Startanlagen erlangt, die nun als „teilweise oder vollständig einsatzfähig“ eingestuft werden.

Wenn die Fake News behaupten, dass der iranische Feind militärisch gut gegen uns abschneidet, ist das praktisch VERRAT.

Donald Trump, US-Präsident

Am alarmierendsten sind demnach für einige hochrangige Beamte Hinweise darauf, dass Iran den operativen Zugang zu 30 der 33 Raketenstellungen wiederhergestellt hat, die es entlang der Straße von Hormus unterhält, was amerikanische Kriegsschiffe und Öltanker bedrohen könnte, die diese enge Wasserstraße passieren.

Die Zeitung weist darauf hin, dass Trump am 9. März, zehn Tage nach Beginn des Kriegs, gegenüber CBS News gesagt hatte, Irans „Raketen seien auf ein paar verstreute Reste reduziert“ und das Land habe „militärisch gesehen nichts mehr übrig“.

Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte auf einer Pressekonferenz im Pentagon am 8. April, dass Operation Epic Fury – die gemeinsame US-israelische Kampagne, die am 28. Februar gestartet wurde – „Irans Militär dezimiert und es für Jahre als kampfunfähig gemacht“ habe.

Die Einschätzung der US-Geheimdienste nach Angaben der „New York Times“:

  • 90 Prozent der unterirdischen Raketenlager und Startanlagen im Iran sollen wieder teilweise oder vollständig einsatzfähig sein
  • 70 Prozent der mobilen Abschussrampen und etwa 70 Prozent des Raketenbestands aus der Zeit vor dem Krieg sollen dem Regime in Teheran zur Verfügung stehen
  • 30 von 33 Raketenstandorten in der Straße von Hormus könnten von Irans Militär wieder genutzt werden

Die „Washington Post“ hatte bereits vergangene Woche über eine US-Geheimdienstanalyse berichtet und ähnliche Zahlen genannt. Der Iran verfüge noch über etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussrampen sowie etwa 70 Prozent seiner Raketen, zitierte die Zeitung einen US‑Beamten.

Dieser verwies demnach auch auf Hinweise, dass die iranische Führung in der Lage gewesen sei, fast alle ihrer unterirdischen Lagerstätten wieder in Betrieb zu nehmen, einige beschädigte Raketen zu reparieren sowie einige neue Raketen fertigzustellen.

Trump kritisiert Berichterstattung

Trump kritisierte am Dienstag auf seiner Plattform Truth Social wieder einmal die mediale Berichterstattung über den Iran-Krieg. „Wenn die Fake News behaupten, dass der iranische Feind militärisch gut gegen uns abschneidet, ist das praktisch VERRAT, insofern als es sich um eine derart falsche und sogar absurde Behauptung handelt.“ Sie unterstützten den Feind, zürnte der US-Präsident.

Die Berichte der „New York Times“ und „Washington Post“ stehen in starkem Kontrast zur Darstellung der US-Regierung, wonach der Iran durch den von Israel und den USA Ende Februar begonnenen Krieg militärisch weitestgehend geschlagen sei. Sie fallen zudem in eine Zeit, in der die direkten und indirekten Kosten des Kriegs in den USA immer wieder Thema sind. 

Sorge um Munitions- und Raketenverbrauch 

US-Senator Mark Kelly etwa sagte der Agentur dpa zufolge jüngst, die Munitions- und Raketenvorräte des US-Militärs seien stark aufgezehrt. Als Mitglied des Streitkräfte-Ausschusses hatte das Pentagon den Demokraten über bestimmte Munitionsarten informiert – nach Kellys Aussage gehörten dazu etwa Angaben zu Raketen der Typen Tomahawk, ATACMS, SM-3 oder jene für die Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot. 

Die „New York Times“ hatte zuvor bereits berichtet, dass die USA in dem Krieg bisher ungefähr 1100 weitreichende Marschflugkörper einsetzten – nahezu so viel wie der gesamte Vorrat, der noch vorhanden sei. Das Militär feuerte demnach außerdem mehr als 1000 Tomahawk-Raketen ab – ungefähr das Zehnfache der Menge, die das Pentagon in einem Jahr beschafft. Und es setzte mehr als 1300 Patriot-Abfangraketen ein, was mehr als zwei Jahren Produktion bei den Raten von 2025 entspreche.

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Generalstabschef Dan Caine betonte, dass ihm die Regionalkommandos des US-Militärs ausreichende Munitionsvorräte für die derzeitigen Missionen meldeten. Skeptiker sorgen sich jedoch weniger um aktuelle Einsätze, sondern mehr um die Frage, ob die Munitionsvorräte des US-Militärs auch für einen weiteren möglichen Großkonflikt, etwa um Taiwan, reichen würden.