Wie nachhaltig und regional kann Automobilbau sein? Fraunhofer und STFI erproben beispielhaft im Hanf-Leichtbauprojekt „Cannapul“ in Chemnitz, was möglich ist. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Fraunhofer und Textilinstitut STFI experimentieren in Chemnitz an Bio-Bauteilen
Chemnitz, 13.05.26. Autos aus Hanf, die sich selbst zersetzen, wenn keiner sie mehr fahren will?! Ganz so weit ist die Industrie zwar noch nicht mit den nachhaltigen Konzepten. Aber zumindest für einige automobile Bauteile rückt diese Idee durch sächsische Forscher in greifbare Nähe: Sie entwickeln derzeit in Chemnitz neuartige Leichtbauprofile aus regional angebautem Hanfbast-Verbundstoffen. Das haben das „Sächsische Textilforschungsinstitut“ (STFI) und das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) mitgeteilt.
Vom Feld bis zum Auto in einer Region: Projekt Cannapul soll neue Wertschöpfungsketten etablieren
Ihr gemeinsames Projekt „Cannapul“ zielt darauf, solche Autobauteile später in regionalen Wertschöpfungsketten zu bauen: vom Hanf auf dem Feld bis zur Montage in den Stromer. Man wolle so „die im Strukturwandel befindliche Stadt Chemnitz durch innovative Technologien voranbringen“, heißt es von Fraunhofer.
Hanfbast wird in Bioharz in Form gebracht
Das Konzept: Sie wollen den Hanfbast zu quasi endlosen Fasern verbinden. Diese Faserstränge werden in Strangzieh-Anlagen verarbeitet und in ein Bad aus Bio-Harz getaucht. Schließlich härten sie zu den gewünschten Formen aus. „Ausgehend von trockenen Fasern oder textilen Halbzeugen werden diese mit einem Matrixsystem imprägniert, das dann in einer beheizten Form zu einem festen Profil aushärtet“, erklären die Fraunhofer-Ingenieure.
Erste Muster sind fertig
Beide Institute teilen sich in die Forschungsarbeiten hinein: Das STFI kümmert sich um die Textiltechnik, um aus hochfeste Hanfbaststreifen endlose Fasersträngen zu machen, sie zu vereinzeln und daraus ein stabiles Garn zu erzeugen. Das IWU widmet sich den Strangzieh-Prozessen, sorgen für eine ausreichend fließfähige thermoplastische Schmelze und die richtigen Temperaturen, damit die Bio-Materialien dabei nicht verbrennen. „Erste Ergebnisse liegen bereits in Form von rechteckigen Profilen mit Hanfbewehrung und thermoplastischer Matrix vor“, berichtet STFI-Projektleiterin Heike Metschies.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: STFI, IWU, Oiger-Archiv

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