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Das Hantavirus auf der „MV Hondius“ kostete drei Menschen das Leben, mehrere Passagiere sind infiziert. Ein Virologe erklärt, ob jetzt ein ähnliches Szenario wie zu Corona-Zeiten droht.

Kap Verde – Drei Tote, ein Schiff mitten im Atlantik, 150 Menschen in Quarantäne – und Bilder, die an den Beginn der Corona-Pandemie erinnern. Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ ist zum Symbol einer neuen Virusangst geworden. Doch was steckt wirklich dahinter? Tagelang lag das kleine Expeditionsschiff vor Kap Verde vor Anker. Ausgelöst hat den Alarm das Hantavirus – genauer gesagt die gefährliche Andes-Variante. Als einzige Hantavirus-Art kann sie auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, doch auch in der Natur droht Gefahr, wie ein Landesgesundheitsamt erklärt. Drei Passagiere sind inzwischen gestorben, darunter eine deutsche Frau. Mehrere weitere sind erkrankt.

Sanitäter begleiten eine Person (2.v.r.), die mit Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion von dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius evakuiert wurde, zu einem Krankenwagen, nachdem diese zum Flughafen Schiphol in Amsterdam, Niederlande, geflogen worden war.Hantavirus auf der „MV Hondius“: Virologen erklären, ob jetzt ein ähnliches Szenario wie zu Corona-Zeiten droht. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/AP | Peter Dejong

Eine 65-jährige Deutsche, die engen Kontakt zur verstorbenen Landsfrau hatte, wurde am Mittwochabend, 6. Mai 2026, per Spezialflugzeug nach Europa geflogen. Die Feuerwehr Düsseldorf und das Universitätsklinikum Düsseldorf übernahmen ihren Transport. Das Klinikum betonte: „Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion. Die Aufnahme erfolgt rein vorsorglich zur medizinischen Abklärung.“

Droht nun ein Szenario wie zu Corona-Zeiten?

Mit ihr wurden zwei erkrankte Crewmitglieder ausgeflogen: ein Brite (56) und ein Niederländer (41), die dringend medizinische Hilfe benötigen. Das zweite Flugzeug musste wegen eines Defekts an einer Isolationskapsel einen Zwischenstopp auf Gran Canaria einlegen. Auch die Schweiz berichtet von einem Hantavirus-Fall an Land. Seit dem 10. Mai werden die Passagiere von der „Hondius“ evakuiert – es gibt mittlerweile sechs weitere bestätigte Hantavirus-Fälle sowie zwei Verdachtsfälle.

Die Bilder wecken Erinnerungen an 2020. Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ordnet den Ausbruch auf Anfrage durch fr.de von Ippen.Media klar ein (Stand: 7. Mai 2026): „Das Geschehen auf der MV Hondius ist in dieser Form ungewöhnlich und muss sehr ernst genommen werden.“ Normalerweise trete das Hantavirus eher im ländlichen Raum auf – nicht auf einem Kreuzfahrtschiff. Die entscheidende Besonderheit: Das auf dem Schiff nachgewiesene Andes-Virus ist die einzige Hantavirus-Art, bei der eine begrenzte Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist – „vor allem bei engem und längerem Kontakt“.

Die Bilder: Virus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff fordert Todesopfer – auch aus BayernDrei Menschen sterben während eines Virus-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff. Auch eine Frau aus Bayern. Weitere Personen sind infiziert.Fotostrecke ansehen

Einen Vergleich mit Corona hält Schmidt-Chanasit dennoch für nicht angebracht: „Ein Szenario wie bei SARS-CoV-2 halte ich beim Andes-Virus für sehr unwahrscheinlich.“ Der entscheidende Unterschied liege in der Übertragbarkeit. SARS-CoV-2 habe sich effizient über die Atemwege verbreitet, auch durch Menschen ohne Symptome. Beim Andes-Virus sei das nach aktuellem Kenntnisstand nicht der Fall. „Das Andes-Virus ist gefährlich wegen der Schwere der Erkrankung, nicht wegen einer besonders leichten Übertragbarkeit in der Allgemeinbevölkerung.“

Einen Impfstoff gibt es allerdings nicht, eine direkte Therapie gegen das Virus ebenfalls nicht. Schmidt-Chanasit betont deshalb: „Es ist eine schnelle, intensivmedizinische, supportive Therapie notwendig. Dann kann man diese Fallsterblichkeit etwas senken.“ Für enge Kontaktpersonen an Bord bestehe zwar ein relevantes Risiko. Für die breite Bevölkerung aber nicht. Schmidt-Chanasit betont: Jetzt komme es auf Isolation der Erkrankten, konsequente Kontaktpersonennachverfolgung und medizinische Überwachung an.

Verbleibende Passagiere fahren weiter nach Teneriffa

Mittlerweile wurden vier deutsche Passagiere nach Deutschland gebracht. In Frankfurt sollen sie untersucht und dann weiterverteilt werden. Ein weiterer deutscher Passagier befindet sich in Großbritannien. Insgesamt soll die Zahl der Infizierten weiter niedrig sein. Die „Hondius“ soll nach der Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Rotterdam fahren, erst dann wird die verstorbene Deutsche vom Schiff gebracht. (Quellen: Eigene Recherche, DPA, Bild, Inforadio, WHO) (rd)