Das Ministerium hat bereits Entwarnung gegeben. Und auch Jörg Latus, Chefarzt der Allgemeinen Inneren Medizin und Nephrologie am Robert Bosch Krankenhaus (RBK) in Stuttgart, sieht im Gespräch mit unserer Zeitung derzeit keinen Grund zur Sorge: „Die Ansteckung mit der Andes-Variante des Hantavirus ist von Mensch-zu-Mensch möglich, allerdings nur durch engen Körperkontakt, zum Beispiel durch Austausch von Körperflüssigkeiten oder durch langes Beisammensein auf engem Raum wie in einer Schiffskabine.“ Für alle anderen sei die Ansteckungsgefahr eher gering.

„Sollte es zu Symptomen kommen, wäre bei uns eine rasche Aufnahme jederzeit möglich. Genau auf solche Situationen sind wir vorbereitet.“

Jörg Latus, Chefarzt der Allgemeinen Inneren Medizin und Nephrologie am Robert Bosch Krankenhaus

Die Person ist derzeit nach Behördenangaben symptomfrei. Aber was, wenn doch hohes Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder ein großes Schwächegefühl auftreten sollten? „Dann kann es sein, dass eine Einweisung in ein Krankenhaus notwendig ist“, sagt Latus, der als einer der führenden Hantavirus-Experten in Deutschland gilt. „Im Robert Bosch Krankenhaus halten wir alles vor, um Patienten schnellstens aufnehmen zu können.“ Das könne innerhalb weniger Stunden organisiert werden.

Sonderisolierstation am RBK Stuttgart auf Hantavirus vorbereitet

„Sollte es zu Symptomen kommen, wäre bei uns eine rasche Aufnahme jederzeit möglich. Genau auf solche Situationen sind wir vorbereitet.“ Am RBK sei das medizinische und pflegerische Fachpersonal auf schwere Virusinfektionen trainiert. „Und wir haben die aktuell einzige Sonderisoliereinheit in Baden-Württemberg.“ In Deutschland gibt es insgesamt sieben dieser hochspezialisierten Einheiten zur Behandlung extrem ansteckender und lebensbedrohlicher Infektionskrankheiten.

Stuttgarter Klinik ist zum Hantavirus im Austausch

Stand jetzt bestehe aber keine Notwendigkeit aktiv zu werden, so Latus. Zum einen sei das Andes-Virus nicht in die Stufe vier der Isolierung eingeteilt, so dass eine Sonderisolierung nicht angezeigt sei. „Selbst im Krankenhaus würde die Isolation somit in einem Isolierzimmer stattfinden, wie wir es aus der Coronazeit kennen.“ Zum anderen können aktuell Menschen, die mit der Andes-Variante des Hantavirus in Kontakt gekommen sind und keine Symptome zeigen, ohnehin in die häusliche Isolation gehen. „Die Selbstisolation finde ich hier den völlig richtigen Ansatz“, betont der Chefarzt.

Gesundheitsamt kontrolliert Hantavirus-Quarantäne

Die Person werde täglich vom zuständigen Gesundheitsamt kontaktiert und auf Symptome abgefragt, so Latus weiter. „Die Überwachung durch das zuständige Gesundheitsamt ist engmaschig“, heißt es auch aus dem Landesgesundheitsministerium. „In der Selbstisolation bietet sich ergänzend auch die telemedizinische Betreuung an. Das Gesundheitsamt ist hier aber ebenfals sehr gut organisiert“, erklärt Latus weiter. Das RBK stehe im engen Austausch mit den Gesundheitsämtern. Bei einem Kontakt mit Menschen, die mit dem Hantavirus in Berührung gekommen sind, sei Stand jetzt eine FFP-2-Maske ausreichend.

„Während der Isolation im häuslichen Umfeld ist ein Kontakt aber nicht erforderlich – das kennen wir mittlerweile auch aus den Erfahrungen mit Covid-Infektionen“, sagt Latus. Für die Bevölkerung bestehe weiterhin kein Risiko.

Schutz vor Hantavirus: Beim Fegen im Keller Maske tragen

Mit der in Baden-Württemberg vorherrschenden Puumala-Variante des Hantavirus sehe es allerdings anders aus: „Hier besteht eine Ansteckungsgefahr, allerdings nicht von Mensch zu Mensch.“ Das Risiko schwanke, unter anderem es abhängig von so genannten Mastjahren bei Buchen und der damit verbundenen Rötelmäuse-Population. Diese Mäuseart überträgt über ihre Ausscheidungen Hantaviren. Finden sie sehr viel Nahrung, also Bucheckern, vermehren sie sich stark – und damit auch das Virus.

Schützen kann man sich, indem man das eigene Verhalten anpasst. „Zum Beispiel empfehle ich beim Ausfegen des Gartenhäuschens, Kellers oder Dachbodens, den Boden etwas anzufeuchten und eine FFP2-Maske zu tragen“, rät Jörg Latus. „Damit wird das Risiko, etwa aufgewirbelten Mäusekot einzuatmen, deutlich geringer.“