
Olivia Dean zählt aktuell zu den vielversprechendsten Artists im Business.Bild: Invision / Scott A Garfitt
Vor Ort
Am Dienstag machte Olivia Dean im Rahmen ihrer aktuellen Tour Halt in der Hauptstadt. Ein ausverkauftes Konzert zwischen Verletzlichkeit, Nächstenlieben und puren Good Vibes. Watson war an dem besonderen Abend mit dabei.
13.05.2026, 13:2713.05.2026, 13:27

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Wie fühlt es sich an, wenn auf einem Konzert wirklich alles zusammenpasst? Wie eine musikalische Umarmung, die jedes einzelne Herz im Raum erwärmt. Mit ihrem Auftritt in Berlin hat Olivia Dean genau das geschafft, was sich viele Künstler:innen von ihren Live-Shows erhoffen: für einen Moment eine Einheit geschaffen.
„The Art of Loving“, der Titel ihrer aktuellen Tour, ist hier mehr als nur Programm.
Noch vor einem Jahr kannte kaum jemand die charmante Sängerin, die im Norden Londons aufwuchs. Vier Brit Awards und einen Grammy später füllt sie ausverkaufte Konzerthallen quer über den Globus. Spätestens seit „Man I Need“ ist sie zum weltweiten Superstar avanciert.
Trotzdem fühlt sich ihr Konzert in der Berliner Uber Arena bis zur letzten Minute unerwartet intim an.
Olivia Dean bringt Good Vibes nach Berlin
Als Olivia Deans Silhouette um kurz nach 21 Uhr hinter dem Vorhang erscheint, wird es für einen kurzen Moment ganz still in der Arena. Dabei sangen die über 16.000 Menschen wenige Minuten zuvor noch gemeinsam lautstark zu Gotyes „Somebody That I Used to Know“ – pure Nostalgie inklusive.
Nach einem kurzen Intro sind dann aber alle Augen auf die Bühne gerichtet, als sich der Vorhang endlich öffnet und Olivia Dean die Show mit „Nice to Each Other“ beginnt. Nur eine der vielen Botschaften, die sie ihren Fans über den Abend hinweg mit auf den Weg geben wird.
Denn für knapp 100 Minuten soll die Welt wieder in Ordnung sein. Statt Hass und Missgunst übernimmt die Liebe und wird in all ihren Facetten zelebriert – und das bis zum letzten Gitarrenakkord.
Beim Blick in die Zuschauer:innenränge wird mir dann schnell klar, wer an diesem Abend strikt gemieden wird: der Sitzplatz. Schon vom ersten Song an steht das gesamte Publikum und wippt kollektiv mit. Als „Nice to Each Other“ dann seinen ikonischsten Part erreicht, hallt ein Satz durch die gesamte Uber Arena:
„‚Cause I don’t want a boyfriend“
Dass Olivia Dean damit offenbar zahlreichen Personen im Raum aus dem Herzen spricht, ist spätestens ab diesem Zeitpunkt kein Geheimnis mehr.
Olivia Dean: Ein Konzert mit Überraschungsfaktor
Die Neo-Soul-Künstlerin singt von Herzschmerz, der großen Liebe und davon, Schönheit in der Unvollkommenheit zu finden. Dabei verbindet sie den alten Glamour Hollywoods mit modernem Sound. Begleitet von einer klassischen Brass-Band wirkt ihre Show daher fast wie aus einem anderen Jahrzehnt.
Immer wieder wechselt sie in ihrem Set zwischen ruhigeren und energiegeladenen Nummern. Besonders emotional wird es bei „Carmen“. Der Song ist eine Hommage an Olivia Deans Großmutter, die im Alter von 18 Jahren als Mitglied der „Windrush-Generation“ von Jamaika nach Großbritannien auswanderte.
Dabei stehen die Höhepunkte des Abends zu diesem Zeitpunkt noch bevor. Um mich herum bricht helle Begeisterung aus, als Olivia Dean die Hauptbühne verlässt und plötzlich auf einer kleineren Plattform inmitten des Stehraums auftaucht.
Die Stimmung ist ansteckend, elektrisierend – oder wie die Gen Z zu sagen pflegt: wholesome. Selten habe ich mich zwischen knapp 17.000 fremden Menschen so wohlgefühlt, wie in diesen anderthalb Stunden.
Auffällig ist auch, dass das Publikum hier ausnahmsweise nicht aus einem Handymeer besteht. Selbst als Olivia Dean als letzten Song ihren Mega-Hit „Man I Need“ performt, sind mehr Hände als Smartphones zu sehen.
Eine erfrischende Abwechslung, die beweist, dass es in Wahrheit nicht viel benötigt, um die Aufmerksamkeit tausender Menschen zumindest für einen Moment ganz für sich zu gewinnen. Denn am Ende ist es Olivia Deans Stimme, die überzeugt.
Der britischen Sängerin gelingt damit ein Konzert, das ganz ohne große Show und Choreografien à la Sabrina Carpenter auskommt. Wobei es doch auch genau das ist, was Konzertliebhaber:innen im Kern verbindet: die Musik.