Und dennoch: Airbus arbeitet an einem Nachfolger für den A320, der seit 1987 in der Luft ist und mit dem Neo nur ein Upgrade erhalten hat. Boeing macht sich Gedanken über einen Nachfolger für die 737, die ihren Erstflug 1967 hatte und in der Max ein Upgrade fand. Zwar ist der amerikanische Flugzeugbauer vorerst mit der Zulassung der 777X sowie der 737 Max 7 und Max 10 beschäftigt. Trotzdem könnte er schon im kommenden Jahr erste Entscheidungen zu Schlüsseltechnologien für ein neues Kurz- und Mittelstreckenmodell treffen, wie jetzt die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.
Verlässlichkeit wichtiger als technologische Revolution
Aktuell intensivieren Teams von Boeing-Ingenieurinnen und -Ingenieuren gemeinsam mit Zulieferern laut Bloomberg die Sondierungsarbeiten für das neue Modell. Die Nachrichtenagentur hat in der Branche Dinge in Erfahrung gebracht, die das künftig Boeing-Flugzeug auszeichnen könnten.
Eher so groß wie die Boeing 757
Das Modell soll sich demnach mehr an der Größe der Boeing 757 orientieren als an der Boeing 737. Das entspricht der Idee des New Midsize Airplane, kurz NMA, aber auch Boeing 797 genannt, an dem Boeing einst arbeitete, das aber seit Jahren auf Eis liegt. Boeing könnte damit zuerst – ergänzend zur 737 Max – ein Flugzeug einführen, das größer ist als die Max 10, und dann die neue Flugzeugfamilie so ausbauen, dass sie eines Tages die 737 ersetzt.
Unter anderem wird für das neue Boeing-Modell das Cockpit neu gestaltet. Angetrieben wird das Flugzeug wohl von zwei Mantelstromtriebwerken, also von Strahltriebwerken, deren Fan von einem Gehäuse umschlossen ist. Boeing soll darüber mit drei Triebwerksbauern sprechen. Open-Rotor-Konzepte, wie das Rise von CFM, bei denen der Fan nicht umhüllt ist, will Boeing laut zwei Bloomberg-Quellen nicht einsetzen.
Kleines Triebwerk im Heck im Gespräch
Einige Airlines sollen skeptisch sein, weil der Rumpf zusätzlich geschützt werden müsste, weil Fluggäste verunsichert sein könnten und weil sich die Zulassung als anspruchsvoll erweisen könnte. «Die Airlines wollen es nicht, es macht ihnen Angst», sagte Steve Udvar-Hazy, ehemaliger Chef der Leasingfirma Aer Lease Corporation. «Wenn Rotorblätter abreißen und dabei Hydraulikleitungen durchtrennen, ist das schlichtweg indiskutabel.»
Auf den Markt bringen dürfte Boeing das neue Modell erst ab 2030. John Plueger, einst gemeinsam mit Udvar-Hazy Air-Lease-Chef, sagte, vieles bei der Entwicklung der Strategie werde auch vom Erfolg der Boeing 737 Max 10 abhängen.
Boeing nennt bisher keine Details
Eine Boeing-Sprecherin sagte gegenüber Bloomberg, man konzentriere sich derzeit auf den Sanierungsplan, die Auslieferungen und anstehende Zertifizierungen. «Zugleich bewertet unser Team, wie wir es seit Jahrzehnten tun, den Markt, treibt Schlüsseltechnologien voran und verbessert unsere finanzielle Performance, damit wir bereit sind, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um mit einem neuen Produkt voranzukommen.»
365 Tage Luftfahrtjournalismus – fair, fundiert und unabhängig. Damit das so bleibt, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon für den Preis eines Getränks am Flughafen genießen Sie aeroTELEGRAPH werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren