Von China seit 2020 sanktioniertSprach-Kniff Pekings macht Einreise von US-Außenminister Rubio möglich
13.05.2026, 11:08 Uhr
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US-Außenminister Rubio kurz vor seiner Abreise Richtung Südkorea und China. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)TeilenFolgen auf:
US-Präsident Trump besucht China. Damit auch sein Außenminister einreisen kann, bedient sich Peking offenbar eines sprachlichen Kniffs. Denn eigentlich ist Marco Rubio mit Sanktionen belegt – und die würden auch eine Einreise unmöglich machen.
US-Vertreter sind nach Asien gereist, zunächst nach Südkorea, an diesem Mittwoch soll es nach Peking weitergehen. Hintergrund der Reise ist der Handel zwischen beiden Staaten, erklärte Präsident Donald Trump vor der Abreise. Zur Delegation gehören neben ihm Finanzminister Scott Bessent und Außenminister Marco Rubio. Letzterer ist jedoch mit Sanktionen Pekings belegt und dürfte eigentlich nicht einreisen.
Als Sohn kubanischer Exilanten trat der in Florida geborene Rubio stets als harter Antikommunist auf. Er kritisierte China in der Vergangenheit immer wieder scharf für dessen Menschenrechtsverletzungen. Im Kongress war er einer der Verfasser eines Gesetzentwurfs, der weitreichende Sanktionen gegen China aufgrund der Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren forderte. Immer wieder sprach er sich für ein hartes Vorgehen gegen Chinas Führung aus. Er kritisierte zudem das Vorgehen Pekings in Hongkong und unterstützte die dortige Demokratiebewegung.
Das ließ sich Peking nicht gefallen. 2020 belegte die chinesische Regierung Rubio, der seinerzeit einen der Senatorensitze Floridas innehatte, und weitere US-Politiker mit Sanktionen. Dazu gehörte laut „Süddeutscher Zeitung“ auch ein Einreiseverbot. Dass die Strafmaßnahmen gegen ihn beendet oder ausgesetzt wurden, ist nicht bekannt. Nun, sechs Jahre später, ist Rubio jedoch nicht mehr Senator, sondern US-Außenminister. Seine Reise nach China müsste nun eigentlich an den bestehenden Sanktionen scheitern.
Das Glück mit den unterschiedlichen Transkriptionen
Laut dem britischen „Guardian“ pausiert Peking nicht etwa die Sanktionen oder bedient sich einer besonderen Erklärung, warum Rubios erster Besuch doch möglich ist. Stattdessen tut China einfach so, als handle es sich beim US-Außenminister nicht um jenen Marco Rubio, der 2020 mit einem Einreiseverbot belegt wurde. Dazu wird einfach eine abweichende Transkription des Namens im Chinesischen verwendet.
Bereits kurz vor seiner Ernennung zum US-Außenminister im Januar 2025 begannen sowohl die chinesische Regierung als auch chinesische Medien laut „Guardian“, ein anderes chinesisches Schriftzeichen für „lu“ zu verwenden, um die erste Silbe seines Nachnamens darzustellen.
Zwei Diplomaten erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, sie gingen davon aus, dass China diese Änderung vorgenommen habe, weil Rubio unter der alten Schreibweise seines Namens Sanktionen unterlag, zu denen auch besagtes Einreiseverbot gehörte. „Die Sanktionen richten sich gegen die Äußerungen und Handlungen von Herrn Rubio während seiner Amtszeit als US-Senator in Bezug auf China“, argumentierte der Sprecher der chinesischen Botschaft, Liu Pengyu, laut „Guardian“ ähnlich. Auf die Frage nach dieser sprachlichen Änderung erklärte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, laut chinesischen Staatsmedien, sie habe „dies nicht bemerkt, werde sich aber damit befassen“. Mao sagte, Rubios englischer Name sei wichtiger.
Wie die britische Zeitung weiter berichtet, sind unterschiedliche Transkriptionen westlicher Namen im Chinesischen nicht ungewöhnlich. Für US-Präsident Trump würden ebenfalls zwei Namen existieren. Die chinesische Regierung und die staatlichen Medien nennen ihn „Telangpu“, doch oft wird er auch als „Chuanpu“ bezeichnet, eine leicht abweichende Transkription. Dass sie genutzt werden, um etwa ein aktives Einreiseverbot gegen jemanden zu kaschieren, ist dann aber doch eher ungewöhnlich. Und so könnte Rubio am Ende eben doch ohne Sorge in China einreisen.