
AUDIO: Klette-Prozess: Was von den Plädoyers der Verteidiger zu erwarten ist (1 Min)
Stand: 13.05.2026 13:15 Uhr
Der Prozess in Verden gegen die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette nähert sich dem Ende. Die Verteidigung übte bei ihrem Plädoyer am Mittwoch massive Kritik am Verfahren. Ende Mai soll das Urteil fallen.
Die Verteidiger kritisierten unter anderem die überhöhten Sicherheitsvorkehrungen bei dem Prozess. „Wir verhandeln faktisch in einem Terrorismusverfahren“, kritisierte Klettes Anwalt in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Verden. Er begründete das auch mit dem Sondergerichtssaal und dem Transport seiner Mandantin per Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen. Das habe mit einem normalen Raubverfahren nichts zu tun. Seine Mandantin werde vorverurteilt.

Für die einen ist sie eine skrupellose Verbrecherin. Für andere ist sie einfach eine nette Frau mit Hund.
Daten per KI ausgewertet – rechtswidrig?
Nach Überzeugung der Verteidigung hat das Gericht während des Verfahrens zudem gegen diverse Gesetze und Richtlinien verstoßen. So sei beim Auswerten der Daten eine kommerzielle KI-Software eines israelischen Unternehmens verwendet worden. Das sei rechtswidrig, die Daten dürften daher nicht für die Urteilsfindung verwendet werden, forderte der Verteidiger. Zudem seien von dieser KI nur belastende Daten herausgefiltert worden. Außerdem zweifelte die Verteidigung die Rechtmäßigkeit von Gutachten über DNA-Spuren an den Tatorten an.
Daniela Klette: Verfahren ist politisch bestimmt
Am Dienstag hatte sich die Angeklagte selbst vor dem Landgericht Verden geäußert. Sie behauptete, dass an ihr ein Exempel statuiert werden solle. Sie hatte ihren Auftritt als politische Bühne und für Kapitalismuskritik genutzt. Zu den ihr vorgeworfenen Taten äußerte sie sich nicht konkret. Allerdings sagte sie, dass es ihr leid tue, wenn Beteiligte traumatisiert seien. Das mutmaßliche Ex-RAF-Mitglied Klette sagte im Schlusswort erneut, dass das Verfahren politisch bestimmt sei. Es gehe dem Gericht nicht um die einzelnen Taten, sondern darum, den politischen Widerstand zu delegitimieren. Sie sei irgendwann in den Untergrund abgeglitten, weil der Staatsschutz sie immer schärfer überwacht habe, so die 67-Jährige.

Die Angeklagte hat die Kosten für das umgebaute Gebäude kritisiert. Die Verteidigung nennt den Gerichtssaal „überdimensioniert“.
Gerangel zwischen Beamten und Klette-Unterstützern
Am Ende ihrer Einlassung kam es zu einem Eklat im Zuschauerraum. Klette beendete ihre Ausführungen mit den Worten: „Wirklich frei sein können wir erst, wenn alle frei sind.“ Rund zwei Dutzend Unterstützerinnen und Unterstützer sprangen daraufhin von ihren Sitzplätzen auf, klatschen der Angeklagten Beifall und zeigten ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Daniela Klette“. Sofort stürmten Justizbeamte nach vorn und entrissen den Unterstützern das Banner.
Nebenklage wertet Überfall als schweren Raub

Opferanwalt Steffen Hörning (links) hofft auf eine lange Haftstrafe für Daniela Klette. (Archivbild)
Vor Klette hatte am Dienstag Steffen Hörning das Wort. Hörning vertritt als Nebenklageanwalt den Fahrer eines Geldtransporters, den drei bewaffnete Personen – mutmaßlich Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg – am 6. Juni 2015 in Stuhr (Landkreis Diepholz) nahe Bremen überfallen hatten. Er forderte in seinem Plädoyer elf Jahre Haft wegen versuchten schweren Raubes für die Tat in Stuhr. Er sprach die Angeklagte direkt an. „Frau Klette, Sie tun mir leid. Nicht, weil Sie in einer Zelle sitzen, denn da gehören Sie hin. Ich habe das Gefühl, dass Sie in sich selbst gefangen sind“, sagte Hörning. „Wenn Sie das eines Tages begreifen werden, dann wird es ein schwieriger Moment für Sie.“
Klette-Unterstützer feiern Angeklagte
Schon vor Beginn des Verhandlungstages hatten die Klette-Unterstützer für Aufsehen gesorgt. Als Justizbeamte die 67-Jährige in den Gerichtssaal führten, begrüßte die Gruppe die Angeklagte mit Applaus. Nebenklageanwalt Hörning empfand den Auftritt als befremdlich. „Das habe ich in all meinen Jahren als Anwalt nicht erlebt, dass eine Angeklagte mit Applaus empfangen wurde. Das muss ich erstmal meinem Mandanten erklären, der bis heute arbeitsunfähig ist“, sagte Hörning in der Einleitung zu seinem Plädoyer.
Anklage fordert 15 Jahre Haft für Klette

Staatsanwältin Annette Marquardt sieht Beweise für Klettes Schuld. (Archivbild)
Die Anklage hatte vor zwei Wochen ihr Plädoyer gehalten. Darin warf Staatsanwältin Annette Marquardt Daniela Klette acht Raubüberfälle auf Supermärkte und Geldtransporter zwischen 1999 und 2016 vor. Marquardt fordert 15 Jahre Haft unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes und schweren bandenmäßigen Raubes mit Waffen.
Urteil soll Ende Mai fallen
In zwei Wochen soll der Prozess vor dem Landgericht Verden beendet werden. Am 27. Mai wollen die Richter das Urteil sprechen. Klette droht anschließend noch ein weiterer Prozess: Die Bundesanwaltschaft hatte erst kürzlich Anklage erhoben. Dabei geht es um Klettes mögliche Beteiligung an terroristischen Anschlägen.
Gericht verhandelt Prozess in umgebauter Reithalle
Das Gebäude des Landgerichts Verden war für den Klette-Prozess zu klein – und nicht den Sicherheitsanforderungen entsprechend. Um diese zu erfüllen, wurde eine ehemalige Reithalle in Verden-Eitze zu einem Gerichtssaal umgebaut. Die Miete, inklusive der Ausgaben für den Umbau, kostet laut Justizministerium rund 3,6 Millionen Euro. Der Prozess war vor 13 Monaten zunächst in Celle gestartet.
Video:
Mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette sagt aus (4 Min)

Im Prozess vor dem Landgericht Verden will sich die Angeklagte äußern. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft.

In dem Verfahren geht es um Raubüberfälle, Waffen und viel Geld. Das Urteil soll Ende Mai fallen.

Die Anklage hat ihr Plädoyer am Mittwoch fortgesetzt und beendet. Daniela Klette steht wegen mehrerer Raubüberfälle vor Gericht.

Die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin äußerte sich vor Gericht persönlich. Ihre Verteidiger forderten die Einstellung des Verfahrens.