Mit einem neuen Team an der Spitze startet der Kunstverein Neuhausen durch. In den kommenden Wochen arbeiten Studierende der Kunstakademie Stuttgart im Projektraum des Vereins, um die Räume in der ehemaligen Jesuitenkapelle neu zu gestalten. „Dort soll eine Residenz für junge Kunstschaffende entstehen“, bringt die neue Vorsitzende Brigitte Pihulak das Ziel der Zusammenarbeit auf den Punkt. Die angehenden Architekten und Künstler entwickeln Pläne für das neue Nutzungskonzept.

Studierende der Architektur setzen auf nachhaltiges Bauen

Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Andreas Wolf will Pihulak frischen Wind in die Arbeit des Kunstvereins bringen. „Es geht uns darum, mehr Menschen zu erreichen“, fasst Andreas Wolf die Pläne zusammen. In Zeiten knapper Kassen will der Betriebswirt die Mitgliederzahlen „mit neuen Formaten steigern“. Denn wie andere Vereine auch muss der Kunstverein mit Kürzungen der kommunalen Mittel von zehn Prozent leben. „Da steuern wir mit gezieltem Marketing entgegen“, sagt Wolf. Er ist überzeugt, dass sich der Kunstverein auf eine solide finanzielle Basis stellen lässt.

Noch stärker als bisher möchte Brigitte Pihulak Brücken zwischen dem Publikum und den Kunstschaffenden bauen . „Da setzen wir schon bei den Schulen an“, sagt die Elektroingenieurin. Bei einem sogenannten Mut-Muskel-Training erarbeiteten die „Radikalen Töchter“ aus Berlin mit Schülern und Erwachsenen Strategien, wie man sich in die Gesellschaft einbringen kann.

Nun arbeitet der KVN wieder mit Studierenden. „Wir wollen auch unsere Ausstellungsräume neu und offener gestalten“, sagt Susanne Jakob. Während der Aufbauphasen der Ausstellung arbeiten junge Kunstschaffenden eng mit der künstlerischen Leiterin des KVN zusammen. In der improvisierten Küche werden die Gäste verpflegt. „Rückzugsmöglichkeiten gibt es kaum“, bringt Jakob das Problem auf den Punkt. Neben zwei Bierbank-Garnituren auf der Veranda gibt es keinen Ruhe- oder Besprechungsraum. Da will sie mit den Studierenden nach neuen Möglichkeiten suchen, die Aufenthaltsqualität zu steigern. Nachhaltiges Bauen soll da im Fokus stehen.

Die treibende Kraft hinter dem Projekt „ResiDensity“ basiert nach Jakobs Worten auf der Vision „Utopias of Change for the 21st Century to Save Our Earth“. In seinem „Baukunst Studio“ beschäftigt sich der Stuttgarter Professor Mark Blaschitz mit diesem Thema. Es unterstreicht nach Susanne Jakobs Worten die Rolle und Verantwortung von Künstlern und Architekten für den gesellschaftlichen Wandel.

„Die junge Szene braucht Ausstellungsräume.“

Susanne Jakobs, Hochschullehrerin und Kuratorin

Die Nachhaltigkeitsprojekte des Kunstvereins wie etwa das Oud-Haus der Künstlerin und Hochschullehrerin Folke Köbberling stoßen auch überregional auf großes Interesse. Deshalb plant auch die Internationale Bauausstellung IBA eine Kooperation mit dem Kunstverein. Netzwerke wie dieses zu knüpfen, ist Susanne Jakobs große Stärke. Dass das neue Vorstandsteam ihr hilft, die ambitionierten Projekte finanziell möglich zu machen, ist für die Kuratorin ein Gewinn. Brigitte Pihulak und Andres Wolf wollen neue Menschen für die Ausstellungen, Vorträge und Kunstprojekte begeistern.

Im Garten des Kunstvereins Neuhausen wachsen auch Trüffel. Foto: Markus Brändli

Als Hochschullehrerin hat die Kuratorin Jakob viel Erfahrung mit Studierenden an Kunsthochschulen. „Die junge Szene braucht Ausstellungsräume“, ist sie überzeugt. Den Künstlerinnen und Künstlern, die am Anfang ihrer Karriere stehen, Möglichkeiten zu eröffnen, das ist ihr wichtig. Im Rahmen von „ResiDensity“ planen die jungen Architekten innovative Lösungen für die Räume. Eine Fachjury entscheidet dann, welcher Entwurf umgesetzt wird. Dieses Feedback von Fachleuten findet sie wichtig.

Innovative Projekte einem kunstfernen Publikum vermitteln

Mit der Kunst die Demokratie zu stärken, das beginnt für Brigitte Pihulak auf lokaler Ebene. Da findet es die promovierte Elektroingenieurin wichtig, „dass wir ein breites Publikum erreichen.“ Den Spagat, junge Kunstschaffende zu fördern und ihre Arbeit gerade eher kunstfernen Menschen zu vermitteln, das reizt die Unternehmensberaterin. Zwischen Kunst und Wirtschaft gibt es aus ihrer Sicht viele Bezüge. Da die Rolle einer Vermittlerin zu übernehmen, findet Brigitte Pihulak spannend.

Die Unternehmensberaterin hat Kontakte zu Wirtschaft und Wissenschaft. Seit Jahren hat sie da mit ihrem Innovationsclub, der Teil des KVN ist, Vorträge und Diskussionsformate möglich gemacht. „Der gegenseitige Austausch ist für alle wichtig.“ Dass Kunst ein wichtiger Standortfaktor für Kommunen ist, steht für Andreas Wolf außer Frage. Viele Unternehmen vergessen aus seiner Sicht, dass das kulturelle Angebot für viele den Ausschlag gebe, wo sie wohnen möchten.