Die Öl- und Spritpreise beschäftigen weiter die Menschen in aller Welt. Der Rohölpreis, der in der vergangenen Woche aufgrund der Beruhigung im Nahen Osten zeitweise auf weniger als 100 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) der Nordseesorte Brent gefallen war, ist mittlerweile wieder deutlich gestiegen. Am Mittwoch bewegte er sich um die 107 Dollar herum.

Auch die Benzinpreise in Deutschland waren zuletzt zurückgegangen und im Tagesdurchschnitt unter zwei Euro je Liter gefallen. Es ist aber unklar, ob das nach der Wende für Rohöl so bleibt. Auf Wochensicht sank der Preis für einen Liter Super E10 um 5,2 Cent auf 1,973 Euro, der für einen Liter Diesel um 11,2 Cent auf 1,983 Euro. Das berichtet der Autoklub ADAC in seiner wöchentlichen Auswertung der Spritpreise für mehr 14.000 Tankstellen.

Regionale Unterschiede beim Spritpreis

Erwähnt werden deutliche regionale Unterschiede. Die höchsten Spritpreise hätten demnach zuletzt Hamburg und Schleswig-Holstein gehabt. Mit Abstand am günstigsten tankten Autofahrer im Saarland.

In europäischen Nachbarländern ist der Sprit nach Zahlen des Autoclubs von Deutschland oftmals günstiger als hierzulande: Für Diesel liege Deutschland in Europa jetzt auf Platz acht der teuersten Tankländer, für Super E10 auf Platz sechs. Polen, die Tschechische Republik und Luxemburg sind immer noch billiger; Frankreich ist mittlerweile teurer als Deutschland.

Inwieweit der Tankrabatt in Deutschland damit an die Autofahrer weitergegeben wurde, ist umstritten. Je nach dem gewählten Zeitraum kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während etwa das Ifo-Institut in München und der ADAC eine unvollständige Weitergabe beklagen, kommen das RWI-Institut in Essen und die Monopolkommission zu dem Ergebnis, das sei eigentlich ganz gut gelaufen.

Dem Mineralölkonzern Shell ist es unterdessen passiert, dass er einmal versehentlich mittags niedrigere Dieselpreise ins System eingetippt hatte als beabsichtigt, und diese dann aufgrund der neuen Regeln erst um zwölf Uhr am nächsten Tag hochsetzen konnte. Zwischenzeitlich konnten Autofahrer deshalb unbeabsichtigt günstig tanken. Seit dem 1. April dürfen die Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag, nämlich um zwölf Uhr, die Preise anheben. Senken dürfen sie diese jederzeit.

Ölreserven schrumpfen im Rekordtempo

Das globale Ölangebot wiederum leidet offenbar nicht nur unter den Transport-Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Straße von Hormus. Auch die Förderung ist von März auf April rückläufig gewesen. Das geht aus dem Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur für Mai hervor, den die Energiefachleute an diesem Mittwoch veröffentlicht haben.

Die Lieferströme für Rohöl, Erdgas und Kraftstoffe aus den Fördergebieten am Persischen Golf sind weitgehend unterbrochen. „Angesichts lokaler Versorgungsengpässe arbeiten Regierungen und Unternehmen daran, den Ölverbrauch einzudämmen und so die Krise unter Kontrolle zu bringen“, heißt es in dem Bericht weiter. Dies erfolge durch Sparmaßnahmen, Preiskontrollen oder auch Rationierungen.

Eine Folge des Irankriegs sei zudem, dass die globalen Lagerbestände an Rohöl im Rekordtempo sinken. „Die weltweit erfassten Ölvorräte gingen im März um 85 Millionen Barrel zurück, wobei die Bestände außerhalb der Golfregion um 205 Millionen Barrel abnahmen, da die Lieferungen durch die Straße von Hormus unterbrochen wurden“, heißt es in dem Bericht.

Und weiter schreiben die IEA-Ökonomen: „Gleichzeitig stiegen die schwimmenden Lagerbestände an Rohöl und Ölprodukten im Nahen Osten um 100 Millionen Barrel und die Onshore-Rohölvorräte in der Region um 20 Millionen Barrel, da nach der faktischen Sperrung der Meerenge nur begrenzte Abflussmöglichkeiten zur Verfügung standen.“ China habe seine Tanks mit 40 Millionen Barrel Rohöl aufgefüllt.

Die IEA geht davon aus, dass diese Entwicklung noch über Monate andauern dürfte. Mit der Freigabe von Notfallreserven durch Länder wie die Vereinigten Staaten, Japan oder Deutschland verringerten sich die erfassten Öllagerbestände in den Monaten März und April um rund vier Millionen Barrel je Tag. Der Ölmarkt werde bis Oktober „massiv unterversorgt“ bleiben. Diese gelte auch, wenn der Konflikt schon im kommenden Monat ein Ende finden sollte.

Die IEA rechnet wegen der Folgen des Irankriegs indes auch mit einem stärkeren Rückgang der globalen Ölnachfrage. Durch den hohen Preis werde die globale Nachfrage nach Rohöl  in diesem Jahr voraussichtlich um durchschnittlich 420.000 auf etwa 104 Millionen Barrel je Tag sinken.

Schon im Vormonat März hatte die IEA einen Rückgang der Nachfrage prognostiziert, aber nur um 80.000 Barrel je Tag. Zu Beginn des Jahres waren ihre Mitarbeiter noch davon ausgegangen, dass die Nachfrage um täglich 770.000 Barrel wachsen werde. Die IEA spricht in ihrem aktuellen Bericht von einer „sich verschärfenden Zerstörung der Nachfrage“.

„Am Bericht der IEA hat mich etwas überrascht, dass die Prognose zur Ölnachfrage 2026 abermals deutlich revidiert wurde“, kommentierte Frank Schallenberger, Ölfachmann der Landesbank Baden-Württemberg. Das Ausmaß sei möglicherweise etwas zu pessimistisch.

Er halte es durchaus für möglich, dass die Straße von Hormus im laufenden Quartal wieder befahrbar sein werde. „ Das mittlerweile aufgestaute Öl, rund 700 bis 900 Millionen Barrel an Öl und Ölprodukten, dürfte dann recht schnell an die Märkte kommen“, sagte Schallenberger: „Daher rechne ich damit, dass der Ölmarkt nicht erst im vierten, sondern schon im dritten Quartal dieses Jahres wieder einen Überschuss aufweisen wird.“