Der Sprengkopf übertreffe vergleichbare westliche Systeme um ein Vielfaches, so Putin bei einer Lagebesprechung mit dem Kommandeur der russischen Raketentruppen. Laut dem Präsidenten soll die Sarmat noch in diesem Jahr einsatzbereit sein.

Theoretisch soll „Sarmat“ eine Reichweite von 35.000 Kilometern haben. Die suborbitale Rakete soll auch künftige Raketenabwehrsysteme überwinden können.

Als Anspielung auf die Reichweite des neuen Systems schrieb der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew mit Verweis auf die Gegner Russlands auf dem Nachrichtendienst „MAKS“: „Nun seid ihr uns alle nähergekommen“.

Reihe fehlgeschlagener Tests

Im gegenwärtigen weltpolitischen Klima ist ein solcher Raketentest immer eine Machtdemonstration.

Die Entwicklung der RS-28 begann 2011. Seitdem hat das Programm einige Rückschläge erlebt. Ein Versuch im September 2024 auf dem Kosmodrom Plessezk im Norden Russlands schlug besonders gravierend fehl.

Satellitenaufnahmen zeigten im Anschluss an den Testflug einen rund 60 Meter breiten Krater an der Abschussrampe sowie weitreichende Schäden, die auf früheren Aufnahmen noch nicht zu sehen gewesen waren.

Experten gingen von einem vollständigen Systemversagen aus. Vermutungen zufolge hatte möglicherweise die erste Raketenstufe versagt und die Rakete war unmittelbar nach der Zündung in den Silo gefallen.

Fehlschläge werden selten kommuniziert. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass es bereits der vierte misslungene Test in Folge war. 2022 hatte es den letzten erfolgreichen Test gegeben, bei dem die Rakete über 6.000 Kilometer durch ganz Russland zurücklegte.

Ersatz für sowjetisches Arsenal

Russland hatte die „Sarmat“ ursprünglich bis 2018 in Betrieb nehmen wollen. Vor vier Jahren kündigte Putin an, die Waffe würde „bald“ einsatzbereit sein. 2023 folgte dann die Ankündigung, die „Sarmat“ wäre bereit für den Kampfeinsatz.

Noch ist das System aber wohl nicht einsatzbereit und schon gar nicht im Kampfeinsatz. Putin zufolge sollen mit dem neuen System „bald“ rund vierzig Raketen aus sowjetischer Produktion abgelöst werden, die R-36M2 Woewoda. Die alten Raketen sollen ersetzt werden, um nukleare Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Die Sprengkraft der RS-28 sei vergleichbar mit den Vorgängern, allerdings deutlich zielgenauer, so Putin.

Beide Raketen verfügen über ein Flüssigkeitsraketentriebwerk. Die „Sarmat“ wird von einer verbesserten Version des RD-264 angetrieben, einem Vier-Kammer-Antrieb mit geschlossenem Kreislauf.

Putin begründet die Aufrüstung mit dem US-amerikanischen Raketenabwehrschild, den Washington nach dem Rückzug aus dem ABM-Vertrag im Jahr 2001 aufgebaut hat. Russische Militärplaner befürchten, dieser Schutzschirm könnte Washington verleiten, einen Erstschlag zu erwägen.

Sowohl die USA als auch Russland haben Modernisierungsprogramme gestartet, um die inzwischen deutlich leistungsfähigere Raketenabwehr ihrer Gegner zu überwinden.

Das Rüstungskontrollgefüge zwischen Russland und den Vereinigten Staaten ist inzwischen weitgehend erodiert. Beide der größten Atommächte unterliegen keinerlei vertraglich geregelten Beschränkungen mehr. Auch die USA wollen wieder mit Tests von Atomwaffenkomponenten beginnen.

Zwar haben Moskau und Washington angekündigt, den militärischen Dialog auf hoher Ebene wieder aufzunehmen. Konkrete Fortschritte zu einem Nachfolgeabkommen sind bislang nicht erkennbar.