Der Angeklagte Christian B. steht im Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig.

AUDIO: Nachrichten 17:00 Uhr – 13.05.2026 (7 Min)

Stand: 13.05.2026 17:14 Uhr

Der Hauptverdächtige im Fall der 2007 in Portugal verschwundenen Maddie McCann, Christian B., war im April in eine Schlägerei in Kiel verwickelt. Im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages wollten SPD und FDP heute wissen, wie es dazu kommen konnte.

von Anna Grusnick

Fußfessel, eine Bewachung rund um die Uhr, eine Anpassung des Sicherheitskonzeptes. Im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages räumte Innenministerin Magdalena Finke (CDU) ein, dass sich Christian B. am 20. April der Observation habe entziehen können und das, obwohl dieser seit seiner Haftentlassung rund um die Uhr von Polizeikräften beobachtet wird. SPD und FDP hatten das Thema auf die Tagesordnung im Ausschuss gesetzt, weil sie Fragen zum Sicherheitskonzept hatten. Finke betonte: „Gleichzeitig nehmen wir die Sorgen vieler Menschen, insbesondere Kielerinnen und Kieler, ernst, und die zuständigen Behörden begleiten die Situation eng und setzen Maßnahmen zum Schutz konsequent um.“

Überwachung rund um die Uhr

Demnach ist Christian B. seit Ende März wieder in Kiel. Finke verwies darauf, dass B. zuletzt 2019 wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit räuberischer Erpressung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde. Nach Verbüßung dieser mehrjährigen Haftstrafe ordnete das Landgericht Hildesheim eine Führungsaufsicht für fünf Jahre an.

In Schleswig-Holstein wird er aktuell rund um die Uhr durch Polizeikräfte offen observiert.

Innenministerin Magdalena Finke (CDU)

Unter anderem muss er eine elektronische Fußfessel tragen. Die Haftentlassung erfolgte damit unter klaren Auflagen. Finke unterstrich, dass Christian B. sich dauerhaft unter polizeilicher Beobachtung befinde.

Trotz Observation war Christian B. in Schlägerei verwickelt

Laut Polizei bewohnt Christian B. einen Wohncontainer in Kiel, der vollständig umzäunt sei. Trotz Überwachung sei es ihm gelungen, sich etwa 200 Meter von seiner Unterkunft zu entfernen. Dort habe er ein Privatgrundstück betreten, sei offenbar auf den Eigentümer getroffen, woraufhin es zu einer wechselseitigen Körperverletzung gekommen sei. Die Ermittlungen laufen. Von der Polizei hieß es dazu im Innen- und Rechtsausschuss: „Der Vorfall wurde dann von uns zum Anlass genommen, das polizeiliche Konzept zu überprüfen und anzupassen.“ Unter anderem seien die eingesetzten Kräfte nochmals in Bezug auf dieses besondere Verhalten von Christian B. sensibilisiert worden.

Schon mehrfach versucht, sich der Observation zu entziehen

Laut Polizei hat Christian B. immer wieder versucht, sich der Observation zu entziehen. „Beispielsweise fährt er mit einem Fahrrad in Wege hinein, wo der Streifenwagen, der ihn dann da begleitet, nicht folgen kann. Und das ist dann so ein Moment, wo die Fußfessel greift. Da wird dann erfragt, wo ist ein neuer Aufenthaltsort? Und dann wird die Observation an diesem neuen Aufenthaltsort ganz zeitnah fortgesetzt.“

Die polizeilichen Observationsmaßnahmen sind bis zum 16. Mai angeordnet, sollen aber laut Innenministerin Finke weiter verlängert werden. Darüber muss noch ein Gericht entscheiden.

Schriftzug Polizei und Stadtswappen von Kiel stehen auf dem Ärmel an der Uniform eines Polizisten.

Der Hauptverdächtige im Fall Maddie soll in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein. Gab es eine Lücke bei der Überwachung?

Der Angeklagte Christian B. steht im Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig.

Britische Medien spekulieren über eine Auslieferung von Christian B. an Großbritannien. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig weist das zurück.

Arndt Sinn, Strafrechtswissenschaftler und Professor an der Universität Osnabrück

Der Beschuldigte im Fall „Maddie“ wird weiter rund um die Uhr bewacht. Strafrechtler Arndt Sinn sagt, das sei richtig und wichtig.

Der Angeklagte Christian B. steht zwischen seinen Verteidigern im Gerichtssaal in Braunschweig.

Nach der Haftentlassung werden Straftäter manchmal weiter überwacht. Der Fall von Christian B. in Braunschweig ist aber außergewöhnlich.

Eine elektronische Fußfessel am Bein einer Frau

In der Stadt sind trotzdem Flugblätter im Umlauf, die zu einer Demonstration am Sonnabend einladen.

Ein Mann trägt eine Fußfessel.

Neben B. überwachen Experten bundesweit rund 190 Menschen per elektronischer Fußfessel. Und das rund um die Uhr.

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