Der britische Gesundheitsminister Wes Streeting soll laut Berichten britischer Medien erwägen, Premierminister Keir Starmer bei einer möglichen Kampfabstimmung innerhalb der Regierungsfraktion herauszufordern. Streeting wolle das Verfahren für die Ablösung des Premiers während einer laufenden Legislaturperiode womöglich bereits am Donnerstag initiieren, berichten der Sender BBC und der Guardian unter Berufung auf anonyme Unterstützer des Gesundheitsministers.
Demnach soll Streeting am Donnerstag seinen Rücktritt bekanntgeben wollen. Mehrere »führende Unterstützer« Streetings sagten der BBC, sie wären enttäuscht, falls der Minister Starmer nicht herausfordern werde: Die seit Wochen anhaltenden öffentlichen Streitigkeiten innerhalb der regierenden Labour-Partei wären dann umsonst gewesen. Der Guardian schreibt unter Berufung auf ein Mitglied der Labour-Fraktion, es würden bereits Namen möglicher Unterstützer gesammelt. Es sei noch nicht sicher, ob Streeting mit einer ausreichenden Anzahl rechnen könne.
Um Starmer zu stürzen, müsste Streeting zunächst die Unterstützung von 81 Labour-Abgeordneten – einem Fünftel der Regierungsfraktion – nachweisen. Erst dadurch könnte das Verfahren begonnen werden. Starmer stünde als amtierender Regierungschef ohne Vorbedingungen auf dem Wahlzettel, andere Kandidaten müssten weitere Voraussetzungen erfüllen, um eine ausreichende Unterstützung nachzuweisen.
Der seit 2024 regierende Premierminister hatte Labour zum größten Wahlerfolg seit mehr als 20 Jahren geführt, verlor aber schon wenige Monate nach der Wahl rapide an Unterstützung. Vor dem Hintergrund schlechter Umfragewerte und dem Aufstieg der rechtspopulistischen Partei Reform UK steht Starmer unter schwerer Kritik aus seiner eigenen Partei. Diese verstärkte sich, nachdem Labour bei den Kommunalwahlen in England und Wales am vergangenen Donnerstag fast 1.500 Sitze verloren hatte, fast alle davon an Reform UK. Rücktrittsforderungen erteilte der Premier seitdem bereits mehrfach eine Absage.
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