Ermittlungen in der Ukraine

„Diese Affäre ist eine Zeitbombe für Selenskyj“

13.05.2026 – 18:17 UhrLesedauer: 3 Min.

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Wolodymyr Selenskyj (Archivbild): Die Korruptionsermittlungen könnten auch für den ukrainischen Präsidenten brisant werden. (Quelle: Felix Zahn/imago)

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Es geht um ein Luxus-Wohnprojekt und eine Summe von umgerechnet 8,9 Millionen Euro. Die Korruptionsvorwürfe in der Ukraine rücken immer weiter an Selenskyj heran.

Jahrelang prallten Korruptionsvorwürfe gegen das Umfeld von Wolodymyr Selenskyj an dem ukrainischen Präsidenten ab. Doch nun rücken die Ermittlungen näher an ihn heran. Am Montag durchsuchten Ermittler von der Antikorruptionsbehörde Büros im Präsidialamt und stuften Selenskyjs ehemaligen Stabschef und langjährigen Vertrauten Andrij Jermak offiziell als Verdächtigen in einem Geldwäscheskandal ein. Gegen Selenskyj selbst wird nicht ermittelt – und dennoch: Sein innerster Zirkel steht erstmals im Fokus. Es geht um Luxusimmobilien vor den Toren Kiews und eine Summe von umgerechnet 8,9 Millionen Euro.

Am Dienstag wies Jermak die Vorwürfe gegen ihn zurück. Der Verdacht sei „unbegründet“, schrieb Jermak nach einer Anhörung vor Gericht am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Als Jurist habe er sich „stets vom Gesetz leiten lassen“, erklärte er. „Und jetzt werde ich in gleicher Weise meine Rechte, meinen Namen und meinen Ruf verteidigen“, fügte Jermak hinzu.

Ebenfalls am Dienstag weitete das Korruptionsbüro die Ermittlungen aus und benannte laut „Kyiv Post“ sechs weitere Verdächtige. Nicht alle Namen wurden offiziell bekannt gegeben. Die ukrainische Nachrichtenseite „RBC“ berichtet unter Berufung auf mit dem Thema vertraute Quellen allerdings, dass unter anderem der ehemalige ukrainische Vizepremierminister Alexei Tschernyschew zu dieser Gruppe dazugehören soll.

Ehemaliger Geschäftspartner von Selenskyj in Skandal entwickelt

Die Ermittlungen gegen Jermak sind Teil einer weitreichenden Operation namens „Midas“ der Antikorruptionsbehörden Nabu und Sapo. Diese machten gute Arbeit, erklärt Andrii Borovyk, Leiter des Kiewer Büros der Nichtregierungsorganisation Transparency International im „Handelsblatt“: „Sie haben keine Angst vor der höchsten Führungsriege.“

Bereits im vergangenen Jahr erschütterten die Ermittlungen die ukrainische Politik und führten im November zu Jermaks Rücktritt. Auslöser war ein mutmaßliches Schmiergeldsystem im Energiesektor in Höhe von 100 Millionen Dollar. Tymur Minditsch, ein ehemaliger Geschäftspartner Selenskyjs aus dessen Zeit in der Medienbranche, soll Drahtzieher des Netzwerks aus Managern, Politikern und Beamten gewesen sein. Minditsch floh nach Israel und weist alle Vorwürfe zurück. Er wird per Haftbefehl gesucht.

Selenskyjs Spitzname taucht auf

In den vergangenen Wochen erhielt der Skandal dann neue Brisanz, als ukrainische Medien und Oppositionspolitiker mutmaßliche Abhörprotokolle von Minditsch veröffentlichten. Darin soll unter anderem von Immobilien sowie Personen namens „Andrij“ und „Wowa“ – die Kurzform von Wolodymyr – die Rede gewesen sein. Freunde nennen Selenskyj so, schreibt das „Handelsblatt“. Harte Beweise gegen Selenskyjs Mittäterschaft gibt es allerdings nicht. Semen Kryvonos, Direktor des Nationalen Antikorruptionsbüros Nabu, betonte am Dienstag, Selenskyj „ist und war nie“ Teil der Korruptionsermittlungen.