Die Wellen der Entrüstung schlagen hoch in der halleschen Sportlandschaft, doch diesmal ist es kein sportlicher Wettkampf, der für Unruhe sorgt. Die Schwimmsportvereine der Saalestadt blicken mit tiefer Sorge in die Zukunft, da eine massive Erhöhung der Nutzungsgebühren für die städtischen Schwimmhallen droht. Bis zum Jahr 2029 ist eine gestaffelte Anhebung der Kosten um insgesamt 61,5 Prozent vorgesehen. Konkret bedeutet dies für die Vereine, dass die Gebühr für eine 50-Meter-Bahn pro Stunde von derzeit 5,20 Euro auf 8,40 Euro steigen soll. Diese finanzielle Mehrbelastung trifft eine Sportart, die ohnehin mit hohen Fixkosten kämpft und nun um ihre Existenzgrundlage bangt.

Werbung

Ein Hilferuf im Sportausschuss

Die Stimmung unter den Ehrenamtlichen ist am Tiefpunkt angelangt. Holger Friedrich von der DLRG trat im Sportausschuss als Vertreter für insgesamt 40 Schwimmsportvereine auf, die sich im Schwimmausschuss zusammengeschlossen haben, um mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen. Seine Botschaft an die Politik war unmissverständlich und von großer Sorge geprägt. „Es ist kurz vor 12 für unsere Vereine“, betonte Friedrich, der sich seit über 30 Jahren unermüdlich für den Schwimmsport in Halle engagiert. Er stellte klar, dass er normalerweise nicht zu den Menschen gehöre, die sich beschweren, doch angesichts der aktuellen Pläne könne er nicht länger schweigen. Die geplante Aktion sei für die Vereine schlichtweg bedenklich und in ihrem Ausmaß existenzgefährdend.

Haushaltslöcher auf dem Rücken der Sportler

Besonders bitter stößt den Betroffenen die Begründung für den Preisschock auf. Die Erhöhung ist nicht etwa die Folge gestiegener Betriebskosten oder notwendiger Sanierungen, sondern resultiert direkt aus der Haushaltskonsolidierung der Stadt Halle. Friedrich bezeichnete dieses Vorgehen als „unheimlich brutal“. Schon zum jetzigen Zeitpunkt machen die Zahlungen für die Hallennutzung rund 20 Prozent des Gesamtetats der Vereine aus. Die geplanten Steigerungen würden diese Kalkulation völlig sprengen. Alleine auf den SV Halle kämen durch die neuen Tarife Mehrkosten in Höhe von 50.000 Euro zu. Da jedoch zusätzlich die allgemeine Betriebskostenbeteiligung der Stadt angepasst wird, summieren sich die Belastungen auf ein Niveau, das im Ehrenamt kaum noch abzufedern ist.

Die soziale Tragweite der Sparmaßnahmen

Die Befürchtungen der Vereinsvertreter gehen weit über rein monetäre Aspekte hinaus. Es wird ein struktureller Wandel befürchtet, der den Breitensport nachhaltig beschädigen könnte. Friedrich warnt davor, dass sich Vereine gezwungen sehen könnten, klassische Trainingsangebote aufzugeben und sich stattdessen nur noch auf gewinnbringende Sparten wie den Reha-Sport zu konzentrieren. Dies hätte fatale Folgen für die Nachwuchsarbeit und die allgemeine Schwimmfertigkeit in der Bevölkerung. Sein Fazit fällt daher düster aus: „Die Kinder und Jugendlichen sind die Gelackmeierten.“ Damit rückt die Debatte weg von reinen Zahlen hin zur Frage, welchen Stellenwert die Förderung junger Talente und die Sicherheit im Wasser für die Stadtgesellschaft haben.

Die Verwaltung unter dem Druck der Aufsicht

Von Seiten der Stadtverwaltung wird die schwierige Lage zwar anerkannt, jedoch wird auf die mangelnden Spielräume verwiesen. Sportdezernentin Judith Marquardt erklärte im Ausschuss, dass man sich der Situation durchaus bewusst sei und wisse, was diese Erhöhungen für die Vereinslandschaft bedeuten. Dennoch betonte sie die Zwänge, unter denen die Kommune agieren muss. Die Stadt sei von der Kommunalaufsicht explizit dazu angehalten worden, auch bei den Tochterunternehmen – die städtischen Schwimmhallen werden von der Stadtwerke-Tochter Bäder Halle GmbH betrieben – Potenziale zur Einnahmesteigerung und Konsolidierung zu finden. Damit steht der Sport in Halle einmal mehr im Spannungsfeld zwischen klammen Kassen und gesellschaftlicher Verantwortung.

Werbung

Werbung