Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) nehmen verstärkt Vaihingen in den Fokus – und das aus mehreren Gründen. Der zweitgrößte Stuttgarter Stadtbezirk hat anders als andere große Stadtteile keine zentrale Erschließung durch die Stadtbahn. Die gelben Bahnen der SSB bedienen Vaihingen bis dato lediglich im östlichen Teil. Dazu kommt: westlich von Vaihingen haben die SSB einige Ziele ausgemacht, die einen Anschluss ans Stadtbahnnetz rechtfertigen würden.
Das war die Ausgangslage, als sich die SSB Anfang des Jahrzehnts auf die Suche nach Trassenvarianten für eine Stadtbahnverlängerung nach Vaihingen-West machten. Die hohe städtebauliche Dichte des Stadtbezirks war dabei Fluch und Segen zugleich. Einerseits versprachen die vielen Anwohner und Arbeitsplätze eine gute Nachfrage, andererseits erschwerte eben diese Dichte die Trassenfindung. Am Ende blieben für den Abschnitt zwischen der heutigen Endhaltestelle der Stadtbahn beim Vaihinger Bahnhof und dem Gebiet bei der Autobahnanschlussstelle Vaihingen vier Varianten übrig. Je eine ober- und eine unterirdische via Schwabengalerie sowie zwei via Freibad und Krehlstraße.
Alle vier möglichen Trassen hatten eines gemeinsam: es gab keine Aussicht auf Zuschüsse von Bund und Land. Um förderfähig zu sein, muss ein Stadtbahnprojekt einen volkswirtschaftlichen Nutzen nachweisen, der über den Kosten liegt. Die Lösung: die SSB weiteten den Blick auf andere zu lösende Probleme im Umfeld, die zusammen mit dem Vaihinger Vorhaben dann die für eine Förderung entscheidende Hürde überwinden könnten.
SSB-Plan für eine Neuordnung des Stadtbahnnetzes rund um Vaihingen
So entstand die nun vorliegende Filderstudie der SSB. Sie zeigt Varianten, mit denen ganz unterschiedliche Ziel erreicht werden: eine umsteigefreie Verbindung von Plieningen in die Innenstadt gehört genauso dazu wie eine Anbindung des sogenannten Eiermann-Campus, der ehemaligen IBM-Zentrale am Autobahnkreuz Stuttgart, wo ein neues Quartier entstehen soll. Ziele sind darüber hinaus eine Erschließung von Gebieten mit hoher Nachfrage wie die Viertel in Vaihingen entlang der Hauptstraße, die Stadtteile Lauchhau und Lauchäcker, der Südwestecke des Uni-Campus sowie des großen Schulstandorts Hengstäcker. Zudem wollen die SSB eine Verknüpfung der durch den Talkessel in Ost-West-Richtung verlaufenden Linien, dem sogenannten Tallängssystem, mit den Strecken auf den Fildern erreichen. Und zu guter Letzt sollten neue Verbindungen aus Stuttgart-Süd in Richtung Flughafen, dem Filderbahnhof beim Flughafen und der Landesmesse sowie Leinfelden-Echterdingen entstehen.
Entsteht ein neuer SSB-Tunnel zwischen Kaltental und den Fildern?
All das ließe sich durch zwei neue Streckenabschnitte bewerkstelligen. Zum einen denken die SSB über den sogenannten Kaltentaltunnel nach. Der würde westlich der Haltestelle Engelboldstraße beginnen und in einer S-Kurve die Filderebene erreichen, wo beim Schulstandort Hengstäcker am Ostrand von Vaihingen die Haltestelle Möhringer Landstraße entstehen könnte. Zwischen den Haltestellen SSB-Zentrum und Wallgraben stieße die Neubaustrecke auf den Bestand, sodass sowohl Fahrten in Richtung Vaihingen und Dürrlewang als auch in Richtung Möhringen, Leinfelden und zum Flughafen möglich wären.
Großer SSB-Wurf auf den Fildern: Realisierung in den 30er-Jahren?
Das zweite Neubauprojekt ist deutlich, habe aber einen „großen Effekt“, wie SSB-Chefplaner Volker Christiani bei der Vorstellung der Pläne sagte. Dabei geht es um eine Verbindungskurve in Möhringen, die umsteigefreie Fahrten zwischen der Innenstadt und Plieningen ermöglicht. Sowohl der Tunnel wie auch die Kurve hätten einen „Nutzenüberschuss“, wie es Christiani nannte, der dann in Summe auch die Vaihinger Neubaustrecke förderfähig macht. Dabei geht es um viel Geld: die Förderquote beträgt 87,5 Prozent. Ohne diesen Zuschuss ist die Realisierung ausgeschlossen.
In den kommenden Wochen stellen die SSB ihre Überlegungen in den betroffenen Bezirksbeiräten Vaihingen, Birkach, Plieningen, Süd und Möhringen vor. Im Jahr 2027 will das Verkehrsunternehmen in die Bürgerbeteiligung einsteigen. Danach sollen die Pläne detailliert ausgearbeitet und die Kosten berechnet werden. Gibt es auf dieser Grundlage eine Genehmigung und fließen die Zuschüsse denkt Christiani an eine Realisierung „in der zweiten Hälfte der 30er-Jahre“.