Mittelalter, Industriegeschichte, Dadaismus – die Museumslandschaft in Solingen und im Bergischen Land hat einiges zu bieten. Zum Internationalen Museumstag an diesem Sonntag (17. Mai 2026) ist in einigen Häusern der Eintritt frei. Hier ein paar Tipps, wo es hingehen könnte – ob mit oder ohne Eintritt.

Zum Internationalen Museumstag ist der Eintritt in die ehemalige Scherenfabrik in Solingen-Merscheid frei. Das Museum bietet überdies Vielfältiges für die ganze Familie. Die Besucher erleben Vorführungen zur Herstellung von Scherenrohlingen und bestaunen den großen Dieselmotor in Betrieb. Ein Rundgang lässt sie in die Maschinenwelt von Dampf und Diesel eintauchen, ein anderer gewährt exklusive Einblicke hinter die Kulissen: Was ist eigentlich eine Sammlung? Und wie macht man eine Ausstellung?

In der Familienwerkstatt fertigen Kinder eigene Werkstücke an, und die Mitmach-Ausstellung „Probiert? Kapiert“ lädt zum Tüfteln, Ausprobieren und Spaßhaben ein. Hier gilt es, gemeinsam eine Kettenreaktion durch den ganzen Raum und über Hürden hinweg zu bauen – und es zum Schluss richtig knallen zu lassen.

Das Programm am Sonntag, 17. Mai, auf einen Blick: jeweils um 11.30, 13, 16 Uhr Vorführung „Vom Spaltstück zum Rohling“; jeweils um 11.30, 13, 16 Uhr „Angestoßen! Kettenreaktion für alle“; 13 Uhr Führung „Geschichte des Museums und Blick hinter die Kulissen“; 15 Uhr Rundgang zum Fabrikantrieb. Außerdem wird der historische Dieselmotor der Gesenkschmiede in Betrieb genommen.

LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs, Merscheider Straße 289-297, Solingen, geöffnet Di.-Fr. 10-17 Uhr, Sa., So. und Feiertage 11–18 Uhr, Eintritt: 8 Euro, erm. 5,40/6 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei – am Sonntag, 17. Mai, freier Eintritt für alle.

Wie bei allen LVR-Industriemuseen ist auch im Freilichtmuseum Lindlar zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, der Eintritt frei. Und dies gibt es an Aktionen: Der Museumsbäcker, der Schmied und die Hauswirtschafterin führen vor Ort alte Handwerkstechniken vor und geben Einblick in frühere Arbeitsweisen. Frisch gebackenes Brot kann vor Ort erworben werden.

Darüber hinaus können Besucher bei der Veranstaltung „Mörkeln, Picken, Strungsen“ bergisches Kegeln und alte Kneipenspiele kennenlernen (Teilnahme 5 Euro; Anmeldung erforderlich).

Neu im Museum: ein Haus aus Radevormwald-Heide, errichtet um 1770 als Scheune. Nach der Umsetzung in das Freilichtmuseum 2022/23 wurde im Wohnteil eine Arbeiterwohnung aus der Zeit zwischen 1890 und 1905 rekonstruiert. In diesem Zeitraum lebte hier die Textilarbeiterfamilie Bransch. Die Dauerausstellung erzählt anhand der Familiengeschichte und der Baugeschichte des Hauses, wie die Industrialisierung das Bergische Land im 19. Jahrhundert veränderte.

LVR-Freilichtmuseum Lindlar, Unterheiligenhoven 5, Lindlar; geöffnet 1. März bis 31. Oktober Di.-So. 10-18 Uhr; 1. November bis 6. Januar Di.-So. 10-16 Uhr; 7. Januar bis 28. Februar Sa. + So. 10-16 Uhr; Eintritt: 8 Euro, erm. 5,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei – am Sonntag, 17. Mai, freier Eintritt für alle.

Das Wahrzeichen des Bergischen Landes, im Mittelalter Stammsitz der Grafen von Berg, wurde in den vergangenen Jahren aufwendig grundsaniert und erstrahlt in neuem Glanz. Auch das Museum wurde neu gestaltet. Es führt modern und interaktiv durch die Burggeschichte und die Schlossbauhistorie – ebenso lehrreich wie unterhaltsam und mit Blick auf die deutsche und europäische Geschichte insgesamt.

Am langen Himmelfahrts-Wochenende finden überdies die Ritterspiele der Georgs-Ritter auf Schloss Burg statt. Am Donnerstag, 14. Mai, sowie Samstag und Sonntag, 16. / 17. Mai – übrigens noch mal am Pfingst-Wochenende 23. bis 25. Mai 2026 – gibt es täglich drei Aufführungen am Tag (11, 13.30 und 16 Uhr). Im frisch sanierten Brunnenhof präsentieren die Georgs-Ritter ihr Stück „Jungritter und Burgdrachen“ und hoffen auf Anfeuerung durchs Publikum.

Am Ende jeder Aufführung können Besucher selbst einmal Schwert und Bihänder in die Hand nehmen, mit den Rittern ins Gespräch kommen oder einfach nur ein Erinnerungsfoto schießen. Das heitere Schauspiel um Ritter und Grafen, Schurken und Edelfrauen verspricht eine gute Stunde Unterhaltung für Groß und Klein. Tickets kosten 7 Euro, Kinder ab drei Jahren 5 Euro, darunter frei.

Tipp: Da die Aufführung im Freien stattfindet, ist wetterfeste Kleidung ratsam. Regenschirme sind während der Vorführung nicht gestattet. Regenponchos können vor Ort erworben werden.

Schloss Burg, Schlossplatz 2, Solingen; geöffnet April bis Oktober Di.-Fr. 10-16 Uhr, Sa., So. + Feiertage (auch Montage) 11- 18 Uhr; in den Sommerferien NRW: Di.-Fr. 10-18 Uhr, Sa. + So. 11-18 Uhr; November bis März Di.-Fr. 10-16 Uhr, Sa., So. + Feiertage 11- 17 Uhr (24., 25. und 31. Dezember geschlossen, ebenso in der Karnevalswoche von Rosenmontag bis Donnerstag); Eintritt: 10 Euro, Schüler ab 16, Studenten und Schwerbehinderte 7,50 Euro, Kinder (3- 15 Jahre) 5 Euro; bei Veranstaltungen gelten eventuell gesonderte Zeiten und Preise.

Solingen ist nicht nur weltberühmte Heimat erstklassiger Klingen, sondern auch des Deutschen Klingenmuseums (DKM). Vom Steinzeitmesser bis zum Designbesteck, vom Samurai-Schwert bis zur Nagelschere erzählt das DKM die ganze Geschichte der Klinge und des Schneidens.

Die Dauerausstellung „Me fecit Solingen – Klingen : Stadt : Geschichte“ erklärt, warum und wie gerade Solingen zur weltberühmten Klingenstadt wurde. Eine Inszenierung mit interaktiven Stationen lädt dazu ein, die Solinger Klingengeschichte vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert kennenzulernen.

In der Ausstellung „Drache und Zauberschwert“ erleben Kinder eine märchenhafte Reise durch die Solinger Klingentradition. An mehreren Stationen können sie den Tieren des Zauberwaldes beim Klingenhandwerk helfen und zum Schluss den schlafenden Drachen wecken.

Für Sonntag, 17. Mai, lädt das DKM in seiner Zinngießerei Arrenberg zum Zinngießen ein. Die Vorführungen finden von 14 bis 16 Uhr statt.

Deutsches Klingenmuseum, Klosterhof 4, Solingen; geöffnet Di. 14-17 Uhr, Mi.-So. 10-17 Uhr, Feiertage 10-17 Uhr (außer 24., 25., 31. Dzember und 1. Januar); Eintritt: 8 Euro, erm. 4 Euro.

Das Kunstmuseum bewahrt die Kunstsammlung der Stadt Solingen und präsentiert Gegenwartskunst in überregional beachteten Wechselausstellungen

Kunstmuseum Solingen, Wuppertaler Str. 160; geöffnet Di.-So. 10-17 Uhr; Eintritt: 9 Euro, erm. 4,50 Euro, Schüler 3 Euro.

Das Zentrum für verfolgte Künste ist ein Entdeckungsmuseum und widmet sich ausschließlich Künstlern, deren Entfaltungsmöglichkeiten und Werke durch die Diktaturen des letzten Jahrhunderts und totalitäre Regime bis in die Gegenwart hinein blockiert, verhindert und teils vernichtet wurden.

Es ist ein gattungsübergreifendes Museum und erzählt in seiner Kunst- und Literatursammlung von verschollenen, verlorenen, kaum berücksichtigten Kunstwerken, Geschichten und Schicksalen.

Aktuell zu sehen ist die Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“ (bis 13. September). Die Schau befasst sich mit Dada als politischer Kunst zwischen den Weltkriegen. Antibürgerlich, anarchistisch und pazifistisch übte Dada mit scharfem Blick und beißender Satire Gesellschaftskritik, hinterfragte geltende Werte sowie politische und soziale Zustände und Dynamiken, vor allem jene, die zur Katastrophe des Ersten Weltkriegs geführt hatten.

Zentrum für verfolgte Künste, Wuppertaler Straße 160, Solingen; geöffnet Di.-So., 10-17 Uhr; Eintritt: 9 Euro, erm. 4,50 Euro, bis 18 Jahre frei.

Etwa 1605 wurde der Wipperkotten erstmals urkundlich erwähnt.
Die günstige Lage direkt an der Wupper, wo das Wasser schon durch ein natürliches Wehr gestaut wurde, nutzte damals ein Wuppertaler Fabrikant zum Bau des Doppelkottens, in dem viele Schleifer als Eigner oder Mieter Arbeit fanden. Kurz vor dem geplanten Abriss des Wipperkottens wurde durch private Initiative die gesamte Kottenanlage mit Stauwehr 1955 unter Denkmalschutz gestellt. Zu den Kotten gehört jeweils ein unterschlächtiges Wasserrad.

Das Museum zeigt unter anderem steinzeitliche relikte, Erzfunde aus dem 10. bis 12. Jahrhundert und handgearbeiteten Werkzeuge und Geräte aus bergischen Kotten. Gegenstände aus dem täglichen Leben der Lieferfrauen und heimatkundliche Kuriositäten ergänzen die museale Sammlung.

Zum Internationalem Museumstag (17. Mai) hat die Schleiferei Wipperkotten von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Messermacher Ralf Jahn freut sich in seiner Kottenstube im Obergeschoss der historischen Schleifmühle aus Besuch.

Wipperkotten, Wipper Kotten 1, Solingen; geöffnet an jedem erstem und dritten Sonntag im Monat, 14-16 Uhr; Eintritt frei.

Das Lieferkontor im Solinger Gründerzentrum öffnet am Internationalen Museumstag (17. Mai) von 11 bis 13 Uhr. Erzählt wird die Geschichte der Lieferfrauen (mundartlich: Liewerfrauen). So hießen bis in die 1930er Jahre die Frauen, die Klingen- und Scherenteile zwischen den Stahlwarenfabriken in Solingen, Ohligs, Wald und Gräfrath und den Schleifwerkstätten an den Bächen und der Wupper hin- und hertrugen. Zumeist in Körben auf dem Kopf. Bis zu drei Stunden dauerten die Märsche, je nach Schneidwarenart wogen die Körbe 15 bis 25 Kilogramm.

Das Gründerzentrum mit dem denkmalgeschützten Lieferkontor in der ersten Etage befindet sich im Gebäude der ehemaligen Stahlwarenfabrik Friedrich Herder Abraham Sohn, die ein großes Lieferkontor für ihre „Heimarbeiter“ betrieb, das fast unverändert erhalten geblieben ist.

Historisches Lieferkontor im Gründer- und Technologiezentrum, Grünewalder Straße 29-31, Solingen; geöffnet nach Absprache (peterslutz507@gmail.com) – an diesem Sonntag, 17. Mai, von 11 bis 13 Uhr; Eintritt frei.