Bei einer Roboter-OP mit einem "Da Vinci" (links) sitzt der Chirurg die meiste Zeit an einem Bildschirm-Terminal (rechts). Foto: Heiko WeckbrodtBei einer Roboter-OP mit einem „Da Vinci“ (links) sitzt der Chirurg die meiste Zeit an einem Bildschirm-Terminal (rechts). Foto: Heiko Weckbrodt

Wegen guter Erfahrungen in Urologie wollen Chirurgen die Roboter in noch mehr medizinischen Szenarien einsetzen

Dresden, 13.05.26. Angesichts guter Erfahrungen mit OP-Robotern will das Uniklinikum Dresden (UKD) im Laufe dieses Jahres ein neues „Zentrum für operative Robotik“ einrichten. Das hat das UKD angekündigt.

Vorstand: OP-Roboter bestimmen Zukunft der Medizin mit

„Die Medizin der Zukunft ist maßgeblich bestimmt vom Einfluss der Digitalisierung und von operativer Robotik“, betont UKD-Medizinvorstand Prof. Uwe Platzbecker. „Durch Etablierung eines Zentrums für operative Robotik werden wir dem gerecht und erreichen eine noch intensivere Verschmelzung von Klinik und Wissenschaft. Davon profitieren unsere Patientinnen und Patienten.“

KI, augmentierte Realität und Schlüsselloch-OPs

Das neue Zentrum soll neue wissenschaftlich-technische Ansätze in der Roboterchirurgie entwickeln und weitere Fachärzte auf den Einsatz von OP-Robotern vorbereiten. Einfließen sollen hier mehrere Forschungsstränge. So arbeiten beispielsweise UKD-Experten wie Prof. Marius Distle und Prof. Martin Wagner sowie weitere Wissenschaftlicher am Lehrstuhl für minimal-invasive und robotische Chirurgie daran, Künstliche Intelligenz und Robotik bei komplexen Eingriffen zu kombinieren. Andere widmen sich Operationsmethoden, bei denen die Chirurgen Datenbrillen tragen und per „augmentierter Realität“ (AR) Zusatzinformationen zum physischen Patientenkörper eingespiegelt bekommen. Geplant sei nun eine noch intensivere Verschmelzung zwischen den verschiedenen Fachbereichen, die damit arbeiten, sowie der Wissenschaft“, erklärte Sprecherin Annechristin Bonß.

Auch neue Traininigsmethoden für Chirurgen und Fachärzte, die Roboter verwenden wollen, werden in dem geplanten Zentrum voraussichtlich eine prominente Rolle spielen. Gedacht ist die Einrichtung zudem als hochtechnologische Ausbildungsakademie für die Chirurgen von morgen, also auch, um Studenten in Roboterchirurgie einzuführen.

Da Vinci und Hugo erlauben zitterfreie Präzisions-OPs – sind aber bloße Gehilfen des Chirurgen

Hintergrund: UKD-Ärzte verwenden bereits seit zwei Dekaden OP-Roboter – zunächst vor allem den „Da Vinci“, seit Herbst 2023 auch den „Hugo“. Beide Roboter operieren allerdings nicht autonom, sondern sind zusätzliche maschinelle Präzisionshände für die menschlichen Chirurgen: Die sehen auf Monitoren in Großaufnahme den Tumor, das beschädigte Organ oder andere Körperstellen, die operiert werden müssen. Mit einer Art Joysticks und Pedalen steuern sie die Greifarme des Roboters, an denen Skalpelle, Elektrokauter und andere Instrumente aufgesteckt sind. Das System überträgt die Bewegungen des Operateurs zitterfrei und mit weit größerer Genauigkeit, als es die meisten Menschenhände vermögen.

Anteil der Roboter-OPs deutlich gestiegen

Bisher setzt das UKD die Roboter vor allem in der Urologie, Gynäkologie und Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie ein. Künftig sollen weitere Disziplinen von den Vorteilen dieser OP-Technologie profitieren. Die Urologen beispielsweise haben sehr gute Erfahrungen mit Da Vinci und Hugo gemacht. Daher nimmt der Anteil robotisch-assistierter Eingriffe stetig zu. „Am häufigsten erfolgt der Einsatz des Operationsroboters im Rahmen der Nierenteilresektion und der radikalen Prostatektomie“, berichtet das UKD. „In den letzten zehn Jahren ist hier der Einsatz des Operationsroboters von 30 auf über 95 Prozent gestiegen.“

„Heutzutage ist in einer auf rekonstruktive und onkologische Operationen ausgerichteten Urologie der Operationsroboter nicht wegzudenken.“
Urologie-Klinikdirektor Prof. Christian Thomas

Ein Grund dafür: Die Patienten erholen sich von den Schlüsselloch-OPs der Roboter weit schneller als nach klassischen offenen Eingriffen. „Heutzutage ist in einer auf rekonstruktive und onkologische Operationen ausgerichteten Urologie der Operationsroboter nicht wegzudenken“, betont Urologie-Klinikdirektor Prof. Christian Thomas.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: UKD, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt