Taunus (sis) – Röhrende Motoren, strahlender Sonnenschein und gespannte Vorfreude auf dem Großen Feldberg: Mit der „Biker Safety Tour“ ist das Polizeipräsidium Westhessen in die Motorradsaison 2026 gestartet. Doch hinter der gemeinsamen Ausfahrt durch den Taunus steckt weit mehr als Fahrspaß. Die Polizei zeigt sich hier im besten Sinne als Freund und Helfer: nahbar, ansprechbar und mit einer klaren Botschaft unterwegs – sicher fahren, Rücksicht nehmen und gesund wieder nach Hause kommen. Zwei weitere geplante Touren sind bereits vollständig ausgebucht. Das Interesse unter Motorradfahrern sei überwältigend, hieß es von den Organisatoren.

Zum Auftakt begrüßte Polizeipräsident Björn Gutzeit die Teilnehmer persönlich auf dem Großen Feldberg und dankte allen Organisatoren, Polizeikräften sowie den beteiligten Rettungsdiensten für ihr Engagement. Seine Teilnahme unterstrich die Bedeutung, die das Polizeipräsidium Westhessen der Präventionsarbeit rund um die Motorradsicherheit im Taunus beimisst.

Die rund vierstündige Tour führte über etwa 100 Kilometer durch die kurvenreichen Straßen des Taunus bis ins Rheingau. Gerade die Strecken rund um Feldberg und Wisperstraße gelten unter Motorradfahrern als besonders reizvoll – gleichzeitig aber auch als anspruchsvoll. Unterwegs gab es mehrere Stopps, bei denen Polizei und Rettungskräfte über Gefahrenstellen, typische Unfallursachen, Erste Hilfe, Verkehrskontrollen sowie Lärm und technische Veränderungen an Motorrädern informierten. Die Tour endete schließlich in Dickschied in der Gemeinde Heidenrod, wo ein gemeinsamer Ausklang und weitere Gespräche vorgesehen waren. Schallpegelmessung

Polizeibeamter Martin Roch, der die „Biker Safety Tour“ seit 2023 organisatorisch begleitet, erklärte die Hintergründe der Aktion eindringlich. Motorradfahrer machten zwar nur rund 1,5 Prozent aller Verkehrsunfälle aus, bei den Verletzten liege ihr Anteil jedoch bereits bei zehn bis 15 Prozent. „Jeder zehnte Verletzte bei Verkehrsunfällen ist ein Kradfahrer“, sagte Roch. Besonders dramatisch sei die Situation bei tödlichen Verkehrsunfällen: Dort seien Motorradfahrer mit rund 40 Prozent beteiligt – „teilweise ist jeder zweite tödlich Verunglückte ein Motorradfahrer“.

Gerade deshalb sei Prävention so wichtig. Motorradfahrer hätten keine Knautschzone und keinen Airbag. Moderne Bremssysteme könnten zwar unterstützen, seien aber nicht mit den Sicherheitssystemen eines Autos vergleichbar. Besonders eindringlich wurde Roch beim Thema Eigenverantwortung: Wer auf Schutzkleidung verzichte und „in kurzer Hose zum Bäcker“ fahre, erhöhe das Risiko zusätzlich. Die Tour solle deshalb sensibilisieren – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern im direkten Gespräch. „Nicht von oben herab, sondern auf einer Ebene, face to face“, beschrieb Roch den Ansatz. Deshalb werde während der Tour bewusst das „Du“ genutzt, um den Austausch auf Augenhöhe zu fördern.

Vor dem Start appellierte Roch an alle Teilnehmer, aufmerksam zu bleiben, Abstand zu halten und den Tag gemeinsam unfallfrei zu beenden. Damit der Konvoi zusammenbleiben konnte, wurden Kreuzungen durch Polizeikräfte abgesichert. Gefahren wurde nicht sportlich, sondern geordnet – „halbwegs wie an der Perlenschnur“. Der schwächste Fahrer sollte direkt hinter dem Tourguide fahren, die Rettungsdienste bildeten den Abschluss.

Auch Polizeibeamter David Ausbüttel machte deutlich, warum der Feldberg für die Polizei ein besonderer Schwerpunkt ist. Die Unfallzahlen seien zwar seit Jahren annähernd gleichbleibend, doch weniger Unfälle wären natürlich besser. Genau dafür sei Prävention da. Positiv sei, dass es im Jahr 2025 keinen tödlich verunglückten Motorradfahrer gegeben habe.

Der Feldberg sei ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer aus ganz Hessen und darüber hinaus. Gerade ortsunkundige Fahrer unterschätzten jedoch häufig die Topografie, die engen Kurven und die Dynamik auf den beliebten Strecken. Ab Beginn der Saison bis in den Herbst komme es rund um den Feldberg immer wieder zu Verletzten. Als häufige Unfallursachen wurden nicht angepasste Geschwindigkeit in Kurven und fehlende Fahrpraxis genannt. Besonders problematisch werde es, wenn Fahrer mit wenig Erfahrung auf leistungsstarken Maschinen ihr Können auf öffentlichen Straßen austesten wollten. Dafür sei die Region nicht geeignet: Zu viele Menschen nutzen den Feldberg gleichzeitig – Motorradfahrer, Autofahrer, Fahrradfahrer, Wanderer und Fußgänger, betont Polizeipräsident Björn Gutzeit in seiner Rede.

Die Polizei setzt deshalb nicht nur auf Kontrollen, sondern auf Verständnis. Bei den Stopps ging es auch darum, warum Motorradfahrer aus dem Verkehr gezogen werden, worauf die Polizei bei Maschinen achtet und weshalb technische Veränderungen oder übermäßiger Lärm zum Problem werden können – nicht zuletzt für die Anwohner. Ein weiterer Schwerpunkt war deshalb die Schallpegelmessung. Dabei erklärten die Beamten, wie Manipulationen an Auspuffanlagen erkannt werden und welche Auswirkungen überhöhter Motorradlärm auf Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer hat. Die Botschaft dabei: Rücksichtnahme gehört nicht nur zum Fahrstil, sondern auch zur technischen Verantwortung eines Motorradfahrers.

Vernunft gilt vor falscher Selbsteinschätzung

Die Erfahrungen mit der „Biker Safety Tour“ seien seit dem Start im Jahr 2021 durchweg positiv. Anfangs habe es mehrere kleinere Gruppen mit jeweils etwa zehn Teilnehmern an einem Tag gegeben. Heute nimmt man sich bewusst mehr Zeit für die Fahrer, die Gespräche und die praktischen Inhalte.

Ein wichtiger Partner sind dabei die Rettungs- und Motorradstaffel des Malteser Hilfsdienstes und der ASB. Sam Jiwa erklärte, dass sein Team den ersten Themenblock zu Erster Hilfe und Verhalten am Unfallort übernimmt. Besonders auf der Wisperstrecke könne schnelle Hilfe schwierig sein. Die Strecke sei unter Bikern sehr beliebt, für Rettungswagen und Hubschrauber aber nicht immer leicht erreichbar. Im Ernstfall könne genau diese Zeit entscheidend sein.

Auch Polizeibeamter Dieckhöner kennt beide Seiten: Er ist selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer, arbeitet überwiegend im Innendienst und fährt auch bei der Motorradstaffel mit und führt die Taunusstaffel an. Seine Botschaft ist einfach: so fahren, dass man heil ankommt – und Rücksicht auf andere nehmen. Besonders im Gedächtnis geblieben seien ihm Fälle, in denen Angehörigen die Nachricht vom Tod eines Familienmitglieds überbracht werden musste. Gleichzeitig ärgere ihn, wenn einzelne Verkehrsteilnehmer sich rücksichtslos verhielten und damit anderen die Freude am Fahren nähmen.

Unter den Teilnehmern, die allesamt begeistert waren von der Biker Safety Tour und der ganzen aufwendigen Organisation, waren erfahrene Motorradfahrer ebenso wie Fahrer, die zum ersten Mal bei der Safety Tour dabei waren. Der 81-jährige Günther kam mit Seitenwagen und Teddy als Begleiter. Er fahre mit, „weil ich Spaß an der Freude habe“, sagte er lächelnd.

Auch Björn Tober war zum ersten Mal dabei. Er hat vor zwei Jahren die B196-Erweiterung gemacht und sich im vergangenen Jahr eine MP3 gekauft. Von der Tour erhoffte er sich mehr Sicherheit und Impulse für sein Kurvenverhalten.

Biker „Falkenberg“, 75 Jahre alt, fährt eine Honda CTX 700, einen entspannten Cruiser. Den Motorradführerschein besitzt er seit 1976, regelmäßig fährt er seit rund zwölf Jahren. Von der Tour wünschte er sich vor allem Spaß und praktische Tipps.

Wer in diesem Jahr keinen Platz mehr bei der ausgebuchten „Biker Safety Tour“ bekommen hat, kann dennoch mit Polizei und Rettungskräften ins Gespräch kommen: Präventionsstände auf dem Feldberg wird es auch weiterhin mehrfach im Jahr geben. Informationen dazu erhalten Interessierte direkt bei den zuständigen Schutzleuten vor Ort.

Die Polizei möchte mit der „Biker Safety Tour“ nicht belehren, sondern sensibilisieren. Die wichtigste Botschaft zum Start der Saison: Rücksicht, Erfahrung und Aufmerksamkeit schützen Leben – das eigene und das aller anderen auf den Straßen rund um den Feldberg.

Uwe mit seiner Ducati Diavel vor dem Start.