Ob Familien, Communities, künstlerische Kollektive oder Forschungsnetzwerke – Menschen organisieren sich in unterschiedlichsten Formen des Miteinanders. Gemeinschaften bieten Schutz, Resonanz und Zugehörigkeit, sie eröffnen Räume für Austausch und neue Ideen. Zugleich sind sie immer auch von Aushandlungsprozessen, Konflikten und Machtverhältnissen geprägt.

Die Ausstellung „merry company“ untersucht diese Spannungen anhand historischer und zeitgenössischer künstlerischer Positionen und lädt Besucher*innen dazu ein, Gemeinschaft nicht nur zu betrachten, sondern im gemeinsamen Spielen, Mitwirken und Ausprobieren zu erleben.

Der Titel der Ausstellung verweist auf ein Motiv aus der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts: insbesondere dort war das Thema der „merry company“ beliebt. „Ausgangspunkt ist ein Gemälde von Jan Steen, das eine ausgelassene Gesellschaft auf einer Terrasse zeigt. Hinter der scheinbar heiteren Szenerie offenbart sich bei genauerem Hinsehen ein chaotischer Exzess mit humorvollen Anspielungen auf die Beziehungen der Dargestellten“, so Prof. Katja Pfeiffer, Leiterin der Kunsthalle Barmen, über das Motiv, das sich auch auf dem aktuellen Ausstellungsplakat wiederfindet.

Kollektive Prozesse und gemeinsame Autor*innenschaft

Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von historischen Genrebildern über urbane Alltagskulturen bis hin zu Fragen kollektiver Wissensproduktion. Ausgestellt werden unter anderem künstlerische Kollektive: Das studentische Kollektiv „Wir sollten eine Gruppe gründen“, dessen Mitglieder sich zuvor nicht kannten und aus drei Hochschulen zusammengebracht wurden, entwickelte eine raumgreifende malerisch-bildhauerische Arbeit, die sich während der Laufzeit der Ausstellung verändert und so Aushandlungsprozesse sichtbar macht. Ein weiteres studentisches Kollektiv übersetzt individuelle Zeichnungen in Stickereien und lädt Besucher*innen ein, mitzuwirken und selbst Teil des anonymen Kollektivs „mackerinnenanstalt“ zu werden.

Auch Forschungsnetzwerke und ihre Verknüpfungen – vom kleinsten Austausch bis hin zu globalen Strukturen – werden thematisiert, ebenso wie Gesellschaftsspiele, zu denen der Künstler und Spieleentwickler Josef Kirschner vor Ort einlädt. Weitere künstlerische Positionen untersuchen, welche systemischen Einflüsse Gemeinschaften fördern oder verhindern.

So wird bei Cornelia Schleime deutlich, wie drastisch politische Eingriffe durch die Stasi in der DDR gemeinschaftliches und individuelles künstlerisches Arbeiten beeinflussen konnten. Meltem Er zeigt mit ihrer Fotoserie „Türkler in Deutschland / Zwischen Blicken“, wie sich Communities innerhalb einer Gesellschaft dynamisch entwickeln, während Valerie Feldhaus in einer Videoinstallation den Mikrokosmos der Café Bar Mazzino in Wuppertal mit literarischen Zitaten Else Lasker-Schülers verwebt.

Auch institutionell versteht sich das Projekt als gemeinschaftlicher Prozess: Die Kunsthalle Barmen kooperiert für die Ausstellung thematisch mit dem Pina Bausch Zentrum und setzt damit ihren Ansatz fort, Kunst, Wissenschaft und Stadtgesellschaft miteinander zu verbinden.