Er schläft bis heute nur auf dem Bauch, erzählt „Jona“, wie der Spiegel ihn nennt, in einem aktuellen Interview. Eine Schutzreaktion nach allem, was Jona seiner Schilderung nach erleben musste: Er sei elf Jahre alt gewesen, als sein Segeltrainer ihn bei einer Vereinsreise im Sommer 2015 zum ersten Mal missbraucht haben soll. Als sie im Zelt nebeneinander lagen, habe der Mann ihm in die Unterhose gegriffen. Er soll nicht das einzige Opfer gewesen sein.
Der Trainer eines Hamburger Segelvereins soll sich dem Jungen langsam angenähert haben. Nachdem Jonas’ alleinerziehende, schwer kranke Mutter 2013 gestorben war, soll der Mann auf der Beerdigung gesagt haben: „Ich und der Segelclub – wir sind jetzt deine Familie“, so schreibt es der Spiegel.
Der Trainer war bei den Kindern beliebt
„Grooming“ nennt sich diese Art des Vorgehens: Die Täter gewinnen das Vertrauen der Kinder und überschreiten dann nach und nach die Grenzen ihrer minderjährigen Opfer. Die Kinder liebten den Trainer, schildern Eltern und Clubmitglieder im Spiegel-Bericht.
Sie seien ihm hinterhergelaufen, „wie beim Rattenfänger von Hameln“. Er sei anders gewesen als andere Trainer. Der coole Typ in den Augen der Kinder, der engagierte Ehrenamtliche in den Augen des Vereins – und Grund zur Sorge für einige Eltern, wie eine Mutter sagt. Es soll lange Zeit Gerüchte gegeben haben, aber niemanden, der sich traute, etwas zu sagen. Den Opfern war zum Teil gar nicht bewusst, was ihnen angetan wurde.
Missbrauch: Segeltrainer zu mehrjähriger Haft verurteilt
„Ich wusste, dass es komisch war“, sagt Jona gegenüber dem Spiegel, „aber ich hatte keine Ahnung, dass es nicht okay ist.“ Jahrelang kam es immer wieder zu Übergriffen gegenüber Jona und anderen Jungen aus dem Verein, wie sich später herausstellte. Im März 2024 erstattete Jona Anzeige bei der Polizei. Daraufhin meldeten sich noch weitere Opfer. Der Trainer wurde suspendiert, der Fall landete vor Gericht.
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Im April 2025 wurde der Trainer (40) zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der MOPO bestätigte. Vorgeworfen wurden ihm unter anderem sexueller Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen in mehreren Fällen. Er muss außerdem mehrere tausend Euro Schadensersatz an die Opfer zahlen. Er habe sich nicht erkennbar mit seiner eigenen Verantwortung für das Leid der Nebenkläger und seiner Pädophilie auseinandergesetzt, sagte die Richterin laut Spiegel bei der Urteilsverkündung.
