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München – Bei der Fußball EM 2024 hatte sich Youtube-Star Marvin Wildhage (29) als falsches Maskottchen zum Eröffnungsspiel eingeschleust. Jetzt stand er deshalb vor Gericht. Und muss nun 14.400 Euro Strafe zahlen.

Der Influencer und Journalist hatte es beim Auftaktspiel zwischen Deutschland und Schottland (5:1), verkleidet als falsches Maskottchen „Albert“, bis aufs Spielfeld in die Allianz-Arena geschafft. Um Sicherheitslücken offenzulegen, wie er sagt. Für seinen Coup fälschte er Arbeitsausweise und ein Parkschild, filmte alles und veröffentlichte einen Beitrag auf seinem Youtube-Kanal. Jetzt wurde ihm vor dem Amtsgericht München der Prozess gemacht. Wegen Urkundenfälschung und Leistungserschleichung!

Marvin Wildhage (29) unter dem Maskottchen-Kostüm beim Dreh der Undercover-Aktion beim EM-Eröffnungsspiel

Marvin Wildhage (29) unter dem Maskottchen-Kostüm beim Dreh der Undercover-Aktion beim EM‑Eröffnungsspiel 2024. Den Anzug habe er sich im Internet aus China für rund 5.000 Euro bestellt

Foto: Marvin/YouTube

Zunächst über 22.000 Euro Strafe gefordert für Aktion

Wildhage hatte erst einen Strafbefehl erhalten, sollte 22.900 Euro zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen á 250 Euro (17.500 Euro) gefordert. Weil er zudem mit zwei Videos (über 5 Mio. Aufrufe) durch Sponsoren Geld verdient hatte, sollte er weitere 5400 Euro zahlen. Gegen den Strafbefehl legte der Youtuber Einspruch ein.

Bus als offizielles DFB-Fahrzeug getarnt

Am Mittwoch wurde der Fall vor dem Amtsgericht München verhandelt. Im Prozess erklärte der Influencer: „Es ist bekannt, dass die UEFA Sicherheitskonzepte outsourct, um Geld zu sparen. Mein Ziel war es, diese Konzepte zu überprüfen.“ Für seinen Coup hatte sich Wildhage ein Kostüm besorgt, einen Miet-Van mit Folien als offizielles DFB-Fahrzeug getarnt. Am Stadion wurde der Bus durchgewunken. „Obwohl einige Ausweise nicht gescannt werden konnten, wirkte es plausibel“, sagte ein Security-Mitarbeiter vor Gericht. Wildhage kam wohl über einen Notausgang auf das Spielfeld, konnte sich fast eine Stunde lang frei bewegen.

Wildhage beim Prozess vor dem Münchner Amtsgericht mit seiner Anwältin Sümeyra Öz. Sie hatte Freispruch beantragt

Wildhage beim Prozess vor dem Münchner Amtsgericht. Seine Anwältin hatte Freispruch beantragt. Nach dem Urteil sagte er: „Ich werde mir künftig gut überlegen, wie ich solche Recherchen angehe“

Foto: Theo Klein/BILD

Über seinen Streich sagte der Influencer: „Als wir zum Stadion fuhren, war ich letztlich erschüttert, dass es geklappt hat.“ Er sei erschrocken gewesen von den laxen Kontrollen. Und habe mit seinem Beitrag sein Ziel erreicht. „Es gab eine öffentliche Diskussion, die Sicherheitskonzepte wurden angepasst.“

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Die Verhandlung wollte Wildhage auch nutzen, um eine Diskussion über Pressefreiheit anzuzetteln. „Es stellt sich die Frage, was investigativer Journalismus in Deutschland darf.“ Das Gericht gab ihm eine klare Antwort und sprach ihn schuldig. Jedoch wurde die Geldstrafe auf 60 Tagessätze á 150 Euro reduziert. Auch die Einziehung der geschätzten Werbeeinnahmen von 5400 Euro wurde verhängt. Die Amtsrichterin erklärte: „Es gibt kein Privileg für Journalisten, das Straftaten bei Recherchen legalisiert.“